10 Dinge für die Einheit der Muslime

Das Bild ist stets beeindruckend.
Pilger aller Hautfarben und Rassen stehen Schulter an Schulter, in einfache weiße Tücher gehüllt, bar jeglicher weltlicher Hindernisse, ob Besitz, Berufsstand, Gebiet, soziale Klasse, Bildung oder etwas anderes.
Dieses nachhaltige Bild der Hadsch ist ein Gütezeichen der Einheit und Vielfältigkeit dieser Umma (Gesamtmuslimischen Gemeinschaft).
Aber während wir uns zur einmaligen Reise in unserem Leben aufmachen oder unsere Lieben in den nächsten Tagen dafür verabschieden, bleibt die Herausforderung zurück: Wie bewahren wir uns die Kultur der Einheit der Muslime, das die Hadsch ausmacht?
Wie festigen wir die Bande der Geschwisterlichkeit im Islam und halten sie aufrecht, um unser Ziel als Umma zu erreichen? Und das besonders in einem Land wie unserem, in der die Verschiedenheit auffälliger ist als in anderen Teilen der Welt?
Im Folgenden sind zehn praktische Tipps für dich als aktiven Muslim und deine Muslim-Gemeinde, mit der man die Einheit der Muslime fördern kann:
1. Mache dir bewusst, dass die Einheit der Muslime keine optionale Angelegenheit ist
Es klingt natürlich bekannt, wenn man sagt, dass viele Muslime den Islam auf ein Ritual reduziert haben und andere wichtige Grundlagen im Islam vergessen haben. Es ist selbstverständlich sehr wichtig, die fünf Säulen des Islams im Alltag umzusetzen, aber dabei dürfen wir z.B. nicht grundlegende Punkte der Geschwisterlichkeit im Islam vernachlässigen.
Die Einheit der Muslime ist nach Koran und Sunna fard (Pflicht). Schauen wir uns mal diesbezüglich entsprechende Stellen an:
„Die Gläubigen sind ja Brüder, also bringt es in Ordnung zwischen euren Brüdern und fürchtet Allah, damit euch vielleicht Barmherzigkeit gegeben wird.“ (Sura 49 Vers 10).
„Und haltet euch fest am Bindeseil Allahs, allesamt, und zertrennt euch nicht, und erinnert euch der Gnade Allahs gegen euch, als ihr Feinde wart, da fügte Er eure Herzen zusammen, also wurdet ihr durch Seine Gnade Brüder, und ihr wart am äußersten Rande einer Grube vom Feuer, und Er hat euch davor gerettet. Derart macht Allah euch Seine Zeichen klar, damit ihr vielleicht rechtgeleitet werdet.“ (Sura 3:103)
Und der Prophet Muhammad (s) sagte: „Die Gläubigen sind in ihrer Liebe, Gnade und Freundlichkeit wie der Körper: wenn ein Teil krank ist, teilt der gesamte Körper seine Schlaflosigkeit und sein Fieber.“ (Sahih Muslim, 2586, und Sahih Al-Bukhari, 6011.)
2. Denke über die Hadsch als eine Zeit der Einheit der Muslime nach
Nimm die Hadschzeit als Gelegenheit, um persönlich und auch innerhalb deiner Familie und Gemeinschaft, die Muslime daran zu erinnern, welchen verbindenden Faktor die Hadsch besitzt und wie sie die Muslime aus aller Welt eint. Mache ein Treffen in der Familie über dieses Thema. Veranstalte einen Vortrag oder ein Seminar in deiner Moschee über die Kraft der Einigung der Muslime bei der Hadsch. Ladet auch Muslime ein, die bei der Hadsch waren und dies bezeugen können. Aus dieser Erfahrung heraus könnt ihr dann Idee und Ziele entwickeln, wie die Einheit der Muslime in eurer Muslim-Gemeinde bzw. an eurem Wohnort gestärkt werden kann. Wenn ihr geplant und diesbezüglich Ziele gesetzt habt, dann mach Dua für die Einheit der Muslime, besonders in dieser gesegneten Zeit (die ersten 10 Tage von Dhul-Hiddscha).
Wiederhole die Takbirat und spreche die Talbiya („labbaik allahumma labbaik, labbaik la scharika laka labbaik, Innal hamda wanni'mata laka walmulk la scharika lak", Übersetzung: O mein Herr, hier bin ich, Dir zu Diensten, hier bin ich. Es gibt keinen Teilhaber neben Dir. Hier bin ich. Wahrlich das Lob ist für Dich und die Versorgung ist von Dir, und Dir gehört die Herrschaft und Macht. Du besitzt keinen Teilhaber neben Dir).
Spreche sie in deiner Familie, mit deinen Kindern und denke über ihre Bedeutung nach, indem du dich erinnerst, dass du im Dienste Allahs bist und wir Ihm nicht wirklich dienen können, solange wir Muslime nicht geeint sind.
3. Lerne Toleranz gegenüber anderen Ansichten zu entwickeln
Es ist sehr erstaunlich, dass wir in der Schule oder im Studium bzw. mit Kollegen bei der Arbeit über Themen sprechen und diskutieren können, und verschiedene Ansichten aushalten und tolerieren. Aber sobald wir den Schritt in eine muslimische Gemeinschaft (z.B. Moschee) unternommen haben, scheint der Schalter des toleranten Verhaltens abgeschaltet zu werden.
Der Islam ist – entgegen der allgemein verbreiteten Ansicht - ausgedehnt und weit, so wie es auch der Prophet Muhammad (s) ausdrückte. Man kann eine große Vielzahl von legitimen islamischen Ansichten von Gelehrten zu unterschiedlichen Themen finden. Wenn die muslimischen Gelehrten in der Geschichte und auch heute diese Toleranz gegenüber den abweichenden Ansichten und in unterschiedlichen Themen aufbrachten und aufbringen, warum können wir als weniger islamisch gebildete und durchschnittliche Muslime diese Toleranz nicht zeigen?
4. Lerne Kritik zu üben ohne zu verletzen
Wenn man sich die Art und Weise anschaut, wie manche Muslime sich gegenseitig kritisieren, dann könnte man meinen, dass sie mit einem Islam-Gegner reden und nicht mit einem ihrer muslimischen Geschwister. Diese Art des törichten Verhaltens ist ein sicherer Weg dafür Wut, Ärger, Verletzung und Zwietracht hervorzurufen. Es ist aber bestimmt keine Art die Einigkeit der Muslime zu fördern.
Wir müssen die Adab (guten Umgangsformen) des Kritisierens lernen, ganz gleich, ob es den einzelnen Muslim oder eine muslimische Führungsperson betrifft. Diesen Adab zu kennen und darauf zu achten, wird nicht nur dazu führen, dass unsere Probleme gelöst werden, sondern uns inschallah auch zu einer bewussten und stärkeren Geschwisterlichkeit voranbringen.
Falls du das Gefühl hast, dass deine Kritik gegenüber jemandem in der Vergangenheit grob und verletzend war, dann versuche die betreffende Person zu kontaktieren und entschuldige dich für dein Verhalten. Bevor du das tust, spreche ein Bittgebet für diese Person, denn der Prophet (s) sagte, dass die Dua die Liebe unter den Menschen vermehren.
5. Vermeide es absolute Standpunkte in sekundären Angelegenheiten einzunehmen
Es gibt so etwas wie die “Fiqh der Prioritäten” und dies bedeutet, dass manche Aspekte des Islam wichtiger sind als andere. Zum Beispiel ist es wichtiger zu betonen, dass die Muslime das islamische Gebet einrichten sollen als die Diskussion eines Vorhangs, der die Männer von den Frauen in der Moschee trennt.
Wenn du weißt, was die Prioritäten des Islams sind, dann wird dir das helfen, die Betonung der zweitrangigen Dinge, die manchmal zu Entzweiung und Spaltung in unseren Gemeinschaften führt, zu vermeiden. Gerade muslimische Führungspersonen müssen das nicht nur verstehen, sondern auch in den Gemeinden umsetzen, so dass kleine Meinungsunterschiede nicht die Einheit der Muslime erschüttern.
6. Stempele niemanden als “Kafir” ab
Dieses schreckliche Phänomen, die anderen Glaubensgeschwister mit “Kafir” zu betiteln, muss ein Ende haben, wenn wir ein Klima erzeugen wollen, das der Einheit der Muslime dienlich sein soll. „Takfir“ ist ein sicherer Weg, um einzelne Muslime von der muslimischen Gemeinschaft zu isolieren. Muslime im deutschsprachigen Raum stammen aus verschiedenen Ländern und Kulturen, gleich, ob sie in einem anderen Land aufgewachsen oder hier zum Islam konvertiert sind. Wenn jemand irgendwelche Ansichten äußert, die eindeutig nicht mit den islamischen Werten übereinstimmen, dann sollten wir sie freundlich und höflich korrigieren. „Takfir“ wird dagegen nur die Unwissenheit, den Zorn und die Sturheit des Betreffenden nähren, ganz zu schweigen von der Erniedrigung und Verlegenheit, die er erleidet.
Unser geliebter Prophet Muhammad (s) warnte uns vor „Takfir“. Er sagte, wenn jemand einen anderen als „Kafir“ bezeichnet und dieser es nicht ist, dann wird diese Bezeichnung auf den zurückfallen, der dies behauptete.
7. Sich über ethnische Grenzen hinweg begegnen
Die Praxis der Bildung von Moscheen nach „ethnischer Zugehörigkeit“ (Türken, Araber, Bosnier, Albaner usw.) sollte aufgegeben werden. Wahrscheinlich haben wir jedoch im deutschsprachigen Raum noch einen langen Weg vor uns. Alle unsere Institutionen, Funktionen und Gemeinschaften müssen diverse Ethnien repräsentieren und offen sein für alle Muslime, gleich welcher Kultur und welchem Hintergrund. Die Führungen der muslimischen Gemeinden müssen sicherstellen, dass sich keiner aufgrund seiner Ethnie ausgeschlossen oder missachtet fühlt. Der erste Schritt dazu ist vom Vorstand der Gemeinden notwendig. Er soll die Muslime ansprechen und einbinden, die aufgrund ihrer kulturellen bzw. sprachlichen Zugehörigkeit ausgeschlossen wurden. Dies sollte jedoch kein bloßes Lippenbekenntnis, sondern ein proaktives Vorgehen und eine Unterstützung zur Teilnahme am Gemeindeleben sein, so dass die Betroffenen das Gefühl bekommen, wirklich willkommen und Teil der muslimischen Gemeinschaft zu sein.
Ein weiterer, mehr privater Schritt, Muslime aus verschiedenen Kulturen einzubinden, ist, sie zu sich nach Hause einzuladen. Du solltest diese Einladung auch auf Nichtmuslime ausweiten, um auch hier Hürden zu überwinden und Mauern niederzureißen, damit auch Nichtmuslime den Islam und Muslime kennen lernen können.
8. Beherzige den Ratschlag in der Sura al-Hudschurat
Das 49. Kapitel des Korans liefert uns eine exzellente Anleitung wie wir uns verhalten sollten, damit Muslime eine Einheit unter Muslimen herstellen können. Zum Beispiel mahnt uns Allah, Spott, üble Nachrede und Argwohn zu unterlassen. Dies sind Dinge, die zur Entzweiung und zu Hass untereinander führen, sowie Verletzungen und Uneinigkeit erzeugen.
Bringt die Themen der Sura al-Hudschurat, die mit dem Benehmen eines Muslims in Verbindung stehen, auch mal in Familientreffen, in Studienzirkeln, in Khutbas oder Vorträgen usw. zur Sprache, um diese göttliche Weisheiten anderen mitzuteilen.
Immer wenn du bemerkst, dass du ghiyba (üble Nachrede) gegenüber einem Muslim oder Nichtmuslim unternommen hast, solltest du dich daran erinnern, dass du bei der betreffende Person um Verzeihung bitten musst. Das ist die Vorbedingung dafür, dass diese Sünde vergeben werden kann.
9. Teile diese Tipps mit vielen anderen in deiner Umgebung
Nur wenn diese Tipps, die hier erwähnt sind, eine größere Verbreitung finden, werden sie etwas bewirken können. Dies kann durch Verbreitung mit E-Mails, in Ansprachen, in Reden, als Aushang in Moscheegemeinde sein usw. Darüber zu reden und diese Themen zu diskutieren, wird die Wichtigkeit dieser Angelegenheit ins Blickfeld der Muslime rücken und manche werden sich aufmachen, die aufgeführten Vorschläge umzusetzen.
10. Mache Dua für die muslimische Einheit
Sprich mit deinem Imam darüber, dass er dieses Thema in seinen Reden und im Unterricht anspricht und seine Bedeutung hervorhebt. Mache auch praktische Vorschläge wie diese Einheit in deiner muslimischen Gemeinde umgesetzt werden kann.
Bittet Muslime, die zur Umra oder Hadsch fahren, Dua für die Einheit der Muslime zu machen. Der Prophet Muhammad (s) spornte die Muslime an, die Hadsch-Rückkehrer zu empfangen und bei ihrer Ankunft Dua von ihnen zu erbitten. Dies ist eine weitere Möglichkeit für die muslimische Umma Dua zu machen.
Letztendlich solltest du sicher gehen, dass du dich als Einzelner nicht nur für die Einheit der Muslime anstrengst, sondern auch selbst Bittgebete dafür sprichst. Denn das Ergebnis für all unsere Anstrengungen liegt in Allahs Händen.
- Ansprechpartner

Ihr Ansar-Betreuer: Rüstü Aslandur
- Adresse
muslimehelfen e.V.
Postfach 31 02 72
80102 München - Telefon
Tel. (089) 321 99 19 0
Fax (089) 321 99 19 40 - Ihre Nachricht
- Ansprechpartner
Ihr Ansar-Betreuer: Rüstü Aslandur
- Adresse
muslimehelfen
Othmargasse 25/2/21
1200 Wien - Telefon
Tel. (01) 8901046
Fax (01) 890104640 - Ihre Nachricht
- Ansprechpartner
Ihr Ansar-Betreuer: Rüstü Aslandur
- Adresse
muslimehelfen e.V.
Postfach 31 02 72
80102 München
Deutschland - Telefon
Tel. 0049 (89) 321 99 19 0
Fax 0049 (89) 321 99 19 40 - Ihre Nachricht


