Zwanzig Jahre muslimehelfen
In diesem Jahr dürfen wir als Muslime in Deutschland daran erinnern, dass die Gründung unseres freien, gemeinnützigen Hilfswerks muslimehelfen e.V. (mh) nun schon 20 Jahre zurückliegt. Unser Lob und Dank gebührt zuerst Allah, um dessentwillen wir uns dieser Aufgabe angenommen haben. Dann aber, im Namen der Tausenden von Menschen, denen wir im Laufe dieser Jahre in ihrer Not beistehen und Erleichterung schaffen konnten, danken wir den zahlreichen Helfern, Unterstützern, Spendern und Freunden, ohne die es nicht möglich wäre, diese Hilfe zu leisten. Zudem freuen wir uns darüber, dass mit Gottes Hilfe durch mh ein gemeinschaftliches Werk von Muslimen in Deutschland gelungen ist, das auch Bestand hat. Wir sehen darin Segen und bitten Allah darum, ihn auch weiterhin zu gewähren.
Der nachstehende Überblick ist notgedrungen unvollständig, kann aber das Wesentliche exemplarisch aufzeigen. Er soll vor Augen führen, wie sich unsere Arbeit entwickelt hat und gestaltet, dem, der mh kennt und unterstützt zur Erinnerung, und dem, der mh erst kennenlernt, zur Orientierung. Zwei Hände wurden bei der Gründung zum Symbol für mh gewählt, entsprechend dem Prophetenwort: „Die obere Hand ist besser als die untere Hand.“ Die obere ist die Hand, die gibt, die untere diejenige, die empfängt. Damit soll zum Spenden ermutigt werden. In einem weiteren Prophetenwort heißt es, dass Allah gesprochen hat: „Gib, o Sohn Adams, Ich gebe für dich!“ Was Besseres als Gottes Lohn könnten wir erwarten?
München im Juli 2005, Ahmad v. Denffer
Zwanzig Jahre muslimehelfen - Das Wichtigste im Überblick
1984 Schreckliche Nachrichten aus Ostafrika in der zweiten Jahreshälfte: Mindestens 6 Millionen Menschen in Äthiopien und Eritrea dem Hungertod ausgeliefert, auch eine Million Sudanesen und eine halbe Million Eritreer in Flüchtlingslagern im Sudan vor diesem Schicksal, verursacht nicht allein durch eine Dürrekatastrophe, sondern vor allem auch durch militärische Konflikte in der Region. Im Islamischen Zentrum München entstand das Komitee Hungerhilfe Eritrea, das bereits vor Jahresende in der Zeitschrift Al-Islam zu Spenden aufrief und über die erste Hilfsmaßnahme berichtete: „Neuester Stand … Hungerhilfe Eritrea … Nur kurze Zeit, nachdem wir uns zur Bildung dieses Komitees entschlossen hatten … wurden wir – völlig ohne eigenes Zutun – zu einer Stelle geführt, an der wir über vier Tonnen (!) trockene, unverderbliche Lebensmittel (Hülsenfrüchte) zu einem Bruchteil des üblichen Preises erwerben konnten. Wir hatten dafür nicht genug Geld. Unsere Sammelaktion war ja nicht einmal angelaufen … Spontan haben wir zuerst mit den eigenen Taschen angefangen und dann mit Hilfe anderer Muslime, die wir an diesem Tag getroffen haben, die Sammlung begonnen. So gab uns Allah der Barmherzige, noch bevor uns die Rechnung für die Lebensmittel ausgestellt wurde, ausreichend Geld in die Hand, um zu bezahlen. Al-hamdu lillah. Da sage noch einmal jemand, es gäbe keine Wunder … Es war und ist nicht zu erwarten, daß einem eine solche Menge Lebensmittel zu einem derart geringen Preis genau zu der Zeit angeboten wird, in der man … Vorbereitungen für eine Hilfsaktion treffen will … und dazu, daß genau an dem Tag, wo es erforderlich ist, man innerhalb sechs Stunden von DM Null auf die benötigte Summe kommt. Al-hamdu lillah. Wer auf Allah zugeht, nur Schritte tut, Ihm wohlgefällig zu sein, zu dem kommt Allah gelaufen und hilft ihm, wie es im Heiligen Koran heißt, von wo er es nicht vermutet (65:2)…“
1985 Für das kommende 24. Treffen deutschsprachiger Muslime (TDM) vom 1. bis 3. Februar in Aachen wurde das Motto „Muslime helfen“ gewählt. Man informierte sich über humanitäre Hilfe aus muslimischer, aber auch nichtmuslimischer Sicht. „Am nächsten Vormittag berichteten die Sprecher der Arbeitsgruppen. Dabei wurde deutlich, daß viele der Ansicht waren, die Hilfe der Muslime müsse in erster Linie immaterieller Art sein … Schließlich wurde danach gefragt, wer von den Anwesenden bereit sei, für ein sinnvolles Hilfsprojekt monatlich DM 5.- zur Verfügung zu stellen … worauf sich viele dazu verpflichtet haben, wenn eine Arbeitsgruppe „Muslime helfen!“ ihnen ein solches Projekt vorschlägt…“ Damit das TDM nicht erfolglos zu Ende gehen würde, erfolgte abschließend ein Aufruf zur Bildung einer „Arbeitsgemeinschaft Muslime helfen!“ (AgMh), der sich 14 Brüder und Schwestern anschlossen. Diese begannen ihre Arbeit unverzögert am 5. Februar, konkretisierten die Zielvorstellungen, entwarfen eine Satzung und konnten auf dem 25. TDM in Hamburg berichten, dass der Verein muslimehelfen am 5. April 1985 gegründet und die Arbeit aufgenommen worden war. Zweck des Vereins, so die Satzung, ist es, „Mittel für bedürftige Menschen vor allem in Notstandsgebieten, bei Krieg, Hungersnot und Naturkatastrophen sowie für anderweitig unschuldig in Not geratene Menschen durch Sammeln von Geld und Sachspenden, wie z.B. Lebensmittel, Medikamente u.ä. bereit zu stellen und sie den Betroffenen zukommen zu lassen.“ Der Grundstein für die erste langfristig organisierte humanitäre Hilfsarbeit von Muslimen in Deutschland war gelegt, al-hamdu lillah. Das konkrete Vorhaben, das daraufhin angegangen wurde, war Hilfe für die Menschen in Afghanistan, das sich damals im Krieg befand. Medikamente und Rollstühle wurden gesammelt, sogar gebrauchte Krankenwagen beschafft.
1986 Der neugewählte Vorstand wurde beauftragt, die Medikamentenhilfe Afghanistan fortzuführen, die Öffentlichkeitsarbeit zu verstärken und Verbindung mit der in England entstandenen Hilfsorganisation Muslim Aid zu halten. Auch die Hilfe für die Hungernden in Äthiopien wurde fortgesetzt.
1987 Weiterhin im Vordergrund stand die Not der afghanischen Flüchtlinge, vor allem in Pakistan. Sie erhielten Lebensmittel, Medikamente und Decken. Flüchtlingsfamilien aus Uganda in Kenia wurden unterstützt und einzelnen Bedürftigen in Deutschland mit Sachspenden oder kleinen zinslosen Darlehen geholfen. mh verteilte nun Info-Blätter, auch in der Zeitschrift „Al-Islam“ abgedruckt, und gewann dadurch neue Mitglieder und Spender. Erstmals wurden mh nicht nur Spenden, sondern auch in größerem Umfang Zakat-Gelder zur entsprechenden Verwendung anvertraut.
1988 Die Unterstützung ugandischer Flüchtlinge in Kenia wurde fortgeführt, als neues Projekt kam eine Palästina-Hilfe hinzu. Auch wurden Hilfsmaßnahmen in Bangladesch und im Sudan unterstützt. Vieles, was bei mh heute als selbstverständlich gilt, wurde in diesem Jahr ausprobiert, so z.B. die Einrichtung eines kleinen Büros, ein Info-Blatt „Neues von Muslime Helfen e.V.“, die erste Sammeldosenaktion mit Unterstützung freiwilliger Helfer, eine Rollstuhlsammlung für Minenopfer in Afghanistan u.a.
1989 Hungernden in Äthiopien und im Sudan wurde mit Lebensmitteln geholfen, ebenso Erdbebenopfer im Iran unterstützt. In Sierra Leone ging Hilfe an Waisen und ein Landwirtschaftsprojekt, mit dem Einnahmen für gemeinnützige Zwecke im Land selbst erwirtschaftet werden sollten. Medizinisches Gerät ging an eine Poliklinik in Palästina, weitere Hilfen an Bedürftige in Bangladesch und im Sudan.
1990 Die Rollstuhlsammlung für Afghanistan wurde abgeschlossen und die 45 Rollstühle verschifft. Die Palästina-Hilfe wurde auf den Schwerpunkt Waisenkinder-Patenschaften konzentriert und dieses Projekt ausgebaut. Weitere Hilfen gingen nach der irakischen Invasion von Kuwait an Kriegsflüchtlinge in Jordanien.
1991 In Zusammenarbeit mit dem Islamischen Zentrum München wurde ein umfangreiches Lebensmittelhilfsprojekt in Albanien durchgeführt, wo die langjährige kommunistische Herrschaft zusammengebrochen war und äußerst große Not herrschte. In Palästina wurde über eine Poliklinik medizinische Hilfe geleistet, auch in Afghanistan brachte mh Medikamente und medizinische Geräte zum Einsatz.
1992 Eine weitere umfangreiche Lebensmittelhilfe wurde in Albanien durchgeführt. mh finanzierte den Transport von medizinischem Gerät nach Tansania und versorgte Bedürftige in Südafrika mit Kleidung und Lebensmitteln. In München war als Reaktion auf den Zerfall Jugoslawiens und dem daraus folgenden Bosnienkrieg ein umfangreiches Bosnien-Hilfsprojekt entstanden und ein kleines Büro eingerichtet worden. Das Bosnien-Projekt wurde u.a. auch von mh mit unterstützt.
1993 Angesichts der dramatischen Entwicklung in Bosnien wurde bald darauf das mh-Büro nach München verlegt und das Münch’ner Bosnienhilfsprojekt von mh übernommen. Erstmals gab es nun mit Ercihan Gümüsel auch einen ganztags beschäftigten Mitarbeiter, zunächst finanziert von Muslim Aid (London), was in der Folge erheblich zum weiteren Wachstum von mh beitrug. Die Bosnienhilfe entwickelte sich nun zu einem Schwerpunkt von mh, wobei sich viele ehrenamtliche Helfer engagierten. Neben verschiedenen kleineren Hilfslieferungen von Lebensmitteln, Medikamenten usw. kaufte mh als „Aktion Winterbox“ große Mengen von Grundnahrungsmitteln und verpackte sie in Standardkartons zu je 18 kg, die in etwa einen Monatsbedarf abdeckten. Die 1 000 Pakete wurden in die zentralbosnischen Städte Tuzla und Zenica gebracht und dort an Bedürftige verteilt. Medikamente und Arzneimittelgrundstoffe für eine Medikamentenherstellung in Visoko wurden ebenfalls in großem Umfang geliefert. Die Palästina-Waisenhilfe wurde fortgeführt, neu hinzu kamen ein kleines Siedlungsprojekt für Obdachlose in Sri Lanka, Kleidung, Medikamente und gebrauchte Nähmaschinen für Bürgerkriegsflüchtlinge im Sudan und die Unterstützung afrikanischer Studenten in Russland, die durch die dortigen politischen und wirtschaftlichen Veränderungen mittellos geworden waren. Erstmals erschien das zweisprachige (Deutsch, Türkisch) Info-Blatt von mh.
1994 Auch in diesem Jahr blieb der Schwerpunkt der Arbeit von mh noch weiterhin Bosnien. Insgesamt wurden fünf Transporte mit insgesamt über 50 Tonnen Hilfsgütern durchgeführt, vor allem Lebensmittel und Medikamente und zudem zwei Krankenwagen ausgeliefert. Das davon unabhängige „Box Projekt“ stellte in diesem Jahr über 12 000 Standard-Lebensmittelpakete zur Verfügung. Ein gemeinsames Team von Muslim Aid (London) und mh wurde in Kroatien bei der Durchreise vorübergehend in Haft genommen, doch kam Gott sei Dank niemand dabei zu Schaden. Die Palästina-Waisenhilfe wurde weitergeführt und in Dschalalabad (Afghanistan) ein Gebäude für eine „Mutter-Kind-Klinik“ errichtet.
1995 wurde die Apotheke in Visoko (Bosnien) wie schon in den beiden Vorjahren weiterhin mit Medikamenten und Rohstoffen versorgt, für Mütter mit Neugeborenen 100 Baby-Pakete gepackt und in Bosnien verteilt, zudem auch wie bereits in der Vergangenheit bosnischen Flüchtlingsfamilien in Deutschland geholfen. Neben weiteren kleineren Maßnahmen wurde der Transport von medizinischen Geräten und Krankenhausausstattung nach Senegal übernommen und erstmals in beträchtlichem Umfang Kriegsopfern in Tschetschenien Hilfe geleistet.
1996 Die Hilfsmaßnahmen für Bosnien wurden fortgesetzt, gingen auf Grund der veränderten Lage dort aber langsam zurück. Zwei weitere Container mit Hilfsgütern kamen in Senegal an, außerdem wurden Studenten in der ehemaligen Sowjetunion gefördert, die durch die politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen in Russland in Not geraten waren. Waisenkinder im Sudan erhielten Kleidung, eine Klinik in Lome (Togo) medizinische Ausstattung. Zum Opferfest (Idu-l-Adha) wurde eine umfangreiche Kurban-Aktion eingeleitet und seither jährlich durchgeführt.
1997 Da sich das Mutter-Kind-Zentrum in Dschalalabad bewährt hatte, wurde ein zweites derartiges Gebäude in Herat (Afghanistan) errichtet. Das Universitätskrankenhaus in Lome (Togo) erhielt medizinische Geräte (Dialyse u.a.), ebenso das Kinderkrankenhaus der Universitätsklinik Alexandria (Ägypten) und das Krankenhaus Prischtina (Kosovo). In sieben Flüchtlingslagern bei Muzaffarabad (Kaschmir/Pakistan) wurden 746 Kinder, die teilweise bisher nicht einmal Schuhe hatten, neu eingekleidet. Nochmals wurden in Not geratene Studenten in Russland unterstützt, gleichfalls in Tulkarem (Palästina) Waisenkinder. Die Palästina-Waisenhilfe wurde erweitert in „muslimehelfen Waisen“ (mhw). Über die Waisenprojekte berichtete nun der mhw-Brief. mh legte vermehrt Info-Material zu unterschiedlichen Themen auf, wie Kurban, Zakat u.a.
1998 Auf den Philippinen entstand infolge der El-Nino-Trockenheit in ländlichen Gebieten Lebensmittelknappheit. mh sorgte für Reisverteilung im Gebiet Zamboanga (Mindanao). In der Rückkehrersiedlung der Krimtataren von Bachtschisaray (Ukraine) begann mh schon im Vorjahr, zur medizinischen Grundversorgung der etwa 1.200 Anwohner einen „Medical Point“ einzurichten, der nun in Betrieb ist. Auch für Kosovo wurde medizinische Hilfe in die Wege geleitet. Weitere Hilfeleistungen, teils als Lebensmittellieferungen, teils als medizinische Hilfe oder Unterstützung von Waisen erfolgten für Bedürftige in Afghanistan, Burkina Faso, Ghana, Palästina, Senegal und Uganda.
1999 Der Krieg im Kosovo machte es erforderlich, hier nun verstärkt tätig zu werden. mh verteilte als Soforthilfe sechs Tonnen Lebensmittel, Hygiene-Artikel und dergleichen in den Flüchtlingslagern im nordalbanischen Kukes, lieferte zudem drei Tonnen Medikamente und unterhielt zeitweilig eine Koordinierungsstelle in Pogradec (Albanien), von wo aus weitere 12.000 Hilfspakete an Kosovo-Flüchtlinge verteilt werden konnten. Die Erdbebenkatastrophe im August machte in diesem Jahr die Türkei zu einem weiteren Schwerpunkt. Als Soforthilfe wurden zunächst 400 kg Medikamente und Wasserreinigungstabletten nach Adapazari und Gölcük gebracht, anschließend mehrfach Lebensmittel und Zelte, in der Folge aber dann vor allem Wohncontainer für Überlebende des Erdbebens aufgestellt und übergeben. Die Hilfe für die Tschetschenienflüchtlinge in Georgien wurde fortgesetzt, in Jakarta (Indonesien) Lebensmittelhilfe für verarmte Menschen geleistet, Waisenkinder im Libanon, Palästina, Ruanda, Sri Lanka und Uganda erhielten neue Kleidung oder Lebensmittelhilfen. Um weitere Einnahmen für die Hilfsprojekte von mh zu erzielen, wurde der Versandhandel „kauf&hilf“ eingerichtet.
2000 Erneut traf Ostafrika eine Dürrekatastrophe. mh organisierte in Fafan (bei Dire Dawa, Äthiopien) eine Mutter-Kind-Ernährungsstation, durch die bis zu 1.000 Kinder, Schwangere und stillende Mütter ernährt werden konnten. In Kenia wurden im Bezirk Wajir zehn neue Brunnen gebaut und zehn bereits bestehende mit Handpumpen ausgestattet. Im Fastenmonat Ramadan kam etwa 5.500 Menschen Lebensmittelhilfe zugute. Auch in Afghanistan war mh in diesem Jahr tätig. Flüchtlinge infolge von Kämpfen zwischen Taliban und Nordallianz erhielten über vier Monate Lebensmittelpakete und Haushalts-Sets, um in ihren Notbehausungen in Kabul überleben zu können. Flüchtlinge in Peschawar (Pakistan) erhielten Steppdecken für den Winter. Aus dem mh-Informationsblatt wurde ab dem Jahr 2000 die mh-Zeitung, die seither ausführlich über die Arbeit von mh berichtet.
2001 Tschetschenische Flüchtlinge in Georgien erhielten erneut Hilfen zum Lebensunterhalt und Gesundheitsversorgung. Medizinisches Gerät wurde nach Baku (Aserbaidschan) geschickt, dort zudem ein Hilfsprojekt für tschetschenische Mütter und Waisen durchgeführt, die auch in den Folgejahren weitere Unterstützung erhielten. Die Reisverteilungen in Mindanao (Philippinen) wurden ebenfalls fortgesetzt. Auch konnten Erdbebenopfer in Gujarat (Indien) durch Lebensmittelhilfen und die Errichtung von Notunterkünften unterstützt werden. Auf der Krim (Ukraine) setzte der „Medical Point“ in Bachtschisaray seine Arbeit fort und zudem wurde dort ein TBC-Vorsorgeprogramm gefördert.
2002 Weitere Lebensmittelpakete, Decken u.ä. konnten in der Provinz Nangarhar (Afghanistan) und in Kabul an über 1 300 Familien verteilt und vor allem die Abazak-Klinik (Provinz Logar) als einzige Anlaufstelle für ca. 17 000 Menschen mit Personal und Medikamenten ausgestattet und in Betrieb genommen werden. Lebensmittelhilfen sowie Erste-Hilfe-Material gingen nach Jericho und Hebron (Palästina), Lebensmittelhilfe auch für verarmte Landbewohner in zehn Dörfern bei Garut (Java, Indonesien). Weitere mh-Maßnahmen waren die Versorgung von Kriegsflüchtlingen mit Reis in den Gebieten von North Cotabato und Davao (Mindanao, Philippinen), eine „Medical Mission“ auf Palawan (Philippinen), Ramadan-Lebensmittelhilfen in Kenia, Waisenhilfen in Guyana, Indonesien, Palästina, Tschetschenien, Türkei und Uganda, Transporte von Hilfsgütern nach Mazedonien und Somalia, Wiederbeschaffung eines durch die Flutkatastrophe an der Elbe zerstörten Krebs-Diagnose-Geräts für die Klinik Friedrichstadt (Dresden), Unterstützung eines Waisenhauses in Karabulag (Inguschetien) sowie die Fortführung der Waisenhilfen und Kurban.
2003 Neu begonnen wurden in diesem Jahr ein „40 Brunnen“-Projekt für Ostafrika sowie eine umfangreiche Spendendosen-Aktion, bei der die vielen ehrenamtlichen „Ansar“ (Helfer) von mh sich besonders engagierten. mh leistete Lebensmittelhilfen in verschiedenen Dörfern in Sierra Leone und baute in Maforki-Town einen Brunnen. Medikamente für die vom unmittelbar bevorstehenden Krieg bedrohten Menschen wurden in den Irak gebracht, in der Folge weitere Notversorgung mit Medikamenten, Nahrungsmitteln und Wasser in Bagdad, Kerbela und Basra (Irak) geleistet, in Grozny (Tschetschenien) eine Ambulanz („Medical Point“) insbesondere für Frauen eingerichtet und seither betrieben, medizinisches Verbrauchsmaterial und Medikamente für die El-Wafa-Klinik geliefert sowie Unterstützung der Zentralen Blutbank in Gaza (Palästina) geleistet, Lebensmittelpakete für Opfer von Überflutungen im Gebiet Tana River (Kenia) sowie im Raum Garut (Java, Indonesien) verteilt, ebenso Lebensmittelpakete für Flüchtlinge in fünf Lagern im Raum Pikit (Mindanao, Philippinen), Lebensmittelpakete und Haushalts-Sets für 200 Familien im Erdbebengebiet von Boumerdes (Algerien), für Rückkehrerfamilien im Gebiet Srebrenica (Bosnien) 20 Milchkühe, weitere Lebensmittelhilfen im Ramadan für Bedürftige in Bosnien, Indonesien, Kenia, Kosovo, Palästina, Philippinen und Uganda, Kleidung und Waisenhilfe bzw. Lebensmittel für Waisen in Aserbaidschan, Bosnien, Burundi, Guyana, Indonesien, Inguschetien, Libanon, Palästina, Türkei und Uganda, Kurban wie in den vergangenen Jahren.
2004 An erster Stelle stand in diesem Jahr die Hilfe für die Überlebenden des großen Erdbebens in Bam (Iran). mh lieferte als erste Nothilfe 130 Decken sowie 1 350 Lebensmittelpakete in eines der Zeltlager in Bam, später folgten noch weitere Lebensmittelpakete. Auch Erdbebenopfer in Gebirgsdörfern um Al-Houceima (Marokko) erhielten Unterstützung zum Lebensunterhalt. In Afghanistan sorgte mh für die Neueröffnung und den laufenden Betrieb eines Krankenhauses in der Stadt Gardez (Provinz Paktia) sowie den weiteren Betrieb der Abazak-Klinik (Provinz Logar). Die Puwami-Moschee-Klinik in einem Slum von Nairobi (Kenia) erhielt eine Medikamentenausstattung, ebenso die El-Wafa-Klinik in Gaza (Palästina) für sechs Monate. Auch in Tschetschenien konnten die Ambulanz (Medical Point) in Grozny fortgeführt und mehrere Witwen, Waisen und alte Menschen mit Nutztieren (Kühe, Schafe, Hühner) zur Selbstversorgung versehen werden. Ebenso erhielten tschetschenische Flüchtlinge in Georgien Winterhilfen, darunter vor allem auch Brennholz, und die Waisenkinder in Aserbaidschan teils Lebensmittel, teils Kleidung. Weiterhin wurden das Waisenhaus in Inguschetien und Waisen in Afghanistan, Burundi und Indonesien nochmals gefördert. Neu hinzu kam die Unterstützung von 100 Waisenkindern im Irak. Für die bessere medizinische Notfallversorgung in der verarmten Bergregion um Tekrit (Libanon) konnte ein Krankenwagen beschafft und übergeben werden. Weitere 20 Milchkühe gingen an Rückkehrerfamilien im Gebiet Srebrenica (Bosnien). In Kenia wurden die ersten Brunnen aus der Aktion „40 Brunnen für Ostafrika“ gebaut und gingen in Betrieb.
Wie alljährlich konnten schließlich wiederum viele Bedürftige in 21 Ländern im Ramadan mit Mahlzeiten oder Lebensmittelhilfen und am Kurban Festtag mit Fleisch versorgt werden. Da sich die in den Versandhandel „kauf&hilf“ gesetzten Erwartungen nicht erfüllten, wurde dieser aus mh ausgegliedert. Neu in diesem Jahr waren eine „Woche der Waisen“ mit verschiedenen Veranstaltungen, um über die Waisenhilfe von mh zu informieren und weitere Förderer zu gewinnen, sowie eine groß angelegte Sammelaktion von Brillen, die für bedürftige Brillenträger in Kenia verwendet werden. Am 26. Dezember 2004 gingen die ersten Nachrichten von der Erdbeben- und Flutwellenkatastrophe in Süd- und Südostasien ein. MH wurde noch am selben Tag aktiv, lieferte bereits drei Tage darauf Trinkwassertanks, Wasserpumpen, Bodenmatten sowie Lebensmittel nach Marathamunai (Sri Lanka) und traf Vorbereitungen für ähnliche Notpakete in Indien und Indonesien.
2005 Im Vordergrund der Arbeit steht in diesem Jahr das Tsunami-Katastrophengebiet. Nach der ersten Hilfsmaßnahme in Sri Lanka lieferte mh im Januar im Gebiet Cochin (Kerala, Indien) Haushalts-Sets und Medikamente an Flutopfer aus und versorgte obdachlos gewordene Überlebende in Aceh (Indonesien) mit Lebensmitteln. Auch als die Insel Nias (Indonesien) kurz darauf von einem Erdbeben erschüttert wurde, konnte mh dort vor allem wieder mit Lebensmitteln helfen. Seit Abschluss der akuten Nothilfephase lässt mh für insgesamt 100 obdachlose Familien in Nintavur und Kuchavelli (Sri Lanka) feste Notunterkünfte mit einheimischen Baumaterialien errichten, ein Waisenhaus für Mädchen in Kinnya an der Ostküste bauen und betreibt ebenfalls in Kinniya eine medizinische Ambulanz. In Aceh (Indonesien) wurden nochmals Lebensmittel verteilt und Flutopfer bei der Notinstandsetzung zerstörter Häuser unterstützt. Insbesondere aber hilft mh in Durung lebenden Witwen durch ein kleines Landwirtschaftsprojekt, um wieder zu eigenem Lebenserwerb zu kommen, ein zweites ebenfalls speziell zur Unterstützung von Witwen mit Kindern vorgesehenes Projekt ist in Sigli angelaufen. Erneut wurde die „Woche der Waisen“ durchgeführt und die Sammeldosenaktion erweitert. Ein besonderes Veranstaltungsprogramm im Spätsommer des Jahres soll unseren Dank an alle Förderer, Spender und Mitwirkenden von mh zum Ausdruck bringen, indem wir uns daran erinnern, wie wir vor 20 Jahren mit dieser Arbeit angefangen haben und wo wir heute mit Gottes Hilfe sind.
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