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Ägypten

Wenn Not zu erdrücken droht…

Für gut stehende Muslime sind es „nur ein paar Euro“. Kaum aber sind sie sich der Gunst bewusst, die sie mit ihrer Zakatu-l-Fitr jenen Menschen erweisen, die auf Hilfe dringend angewiesen sind.

Bitterarm, blind und auf Hilfe angewiesen - Mann in Itqa
							Zakatu-l-Fitr Verteilung in Itqa
							Spielende Kinder in einem Armenviertel in Abu Qurqas
							Nahaufnahme einer heruntergekommenen Gegend in Abu Qurqas
							Umschläge mit Zakatu-l-Fitr Spenden zur Verteilung in Esna
							Auf Zakatu-l-Fitr wartende Menschenmasse in Al-Idaara Mallaoui
							Ausgabe von Zakatu-l-Fitr Sepnden in Al-Idaara MallaouiLupe
Bitterarm, blind und auf Hilfe angewiesen - Mann in Itqa

Als Abu Yunus – seit Jahren zuständiger Mitarbeiter für die mh-Zakatu-l-Fitr Verteilung in Ägypten –  im September 2009 nach Esna, Abu Qurqas, Itqa und Al-Idara Mallaoui reiste, sah er mit eigenen Augen was es heißt, wenn Menschen am Rande ihrer menschlichen Kräfte stehen, und von Armut getrieben manchmal auch ihre islamischen Manieren zu vergessen scheinen. Manieren, die sie nicht vergessen müssten, gäbe es mehr Menschen, die sich in der Form um Arme kümmerten, wie es der Schöpfer vorschreibt und wie es zahlreiche Wohltäter mit Ihrer Zakatu-l-Fitr-Spende 2009 an muslimehelfen vormachten.

 

Kaum eine Gegend illustriert so gut das etwas "andere Leben" des märchenhaften Orients, wie es die "Totenstadt"  tut – ein Kairoer Viertel, in dem westlich-exotische Vorstellungen von Geschichten aus 1001 Nacht mit bitteren Lebensrealitäten zusammenprallen, die sich selbst in dieser heilig geglaubten Großstadt mit den über 1.000 Minaretten viel zu oft wiederholen. Hier erlebt man auf engstem Raum das breite Spektrum an Not, das Schätzungen zufolge mehr als 20% aller Ägypter tagtäglich erleiden. So etwa bitterarme Menschen, die im Müll nach verwerbaren Gegenständen suchen, die sie vielleicht für ein wenig Geld auf dem Markt oder an Nachbarn verkaufen können. Kleinkinder, die nachts hungrig nach wohlgesinnten Autofahrern trachten, die sie - wenn sie Glück haben - mit 50 Piasta oder umgerechnet 7 Cent für das Reinigen ihrer Auroscheiben belohnen. Arme Bauern, die auf Eselkarren durch die Stadt ziehen, um ihre bescheidenen Ernten zu verkaufen. Mütter mit Kindern, welche sich in der brennenden Äquatorhitze durch die vielen Autoschlangen der vollgedrängen Straßen schlängeln, um nach etwas Geld zu betteln.

 

Je weiter man in ländliche Gebiete vordringt, desto dramatischer zeichnet sich die Lage ab. Not und Elend, so weit das Auge reicht - heruntergekommene Häuser, verwahrloste Kinder, Alte, Kranke, Pflegebedürftige. Doch Allahs's Hilfe erreicht Menschen genau dann, wenn ihre Not sie erdrücken droht, wenn sie vor Armut nicht mehr weiter wissen. So auch die viele abgeschieden lebenden Ägypter, die Abu Yunus zu Ramadan besuchte. Manch einer ist beschämt über die empfangene Hilfe, manch anderen packt in einer solchen Glückssituation der Übermut, der sich manchmal dahindgehend äußert, dass unrechtlicher Weise andere Familienangehörige losgeschickt werden, um mehr als einen Zakatu-l-Fitr Umschlag zu erhalten. Üblich ist ein Umschlag pro Familie, wobei die Anzahl der Familienmitglieder berücksichtigt wird.

 

Umso bedeutender ist eine jede, wenn auch no so kleine Unterstützung. Für finanziell gut stehende Muslime sind es in der Tat „nur ein paar Euro“. Kaum aber sind sie sich der Gunst bewusst, die sie mit diesem bisschen Geld jenen Menschen erweisen, die auf Hilfe dringend angewiesen sind. Eben solchen, die zu Sklaven des modernen Trends des Vergessens geworden und dem Unrecht der politischen, sozialen und humanen Vernachlässigung verfallen sind. 50 ägyptische Pfund – der Betrag, mit dem ein jeder Hilfeempfänger bemittelt wurde – ist so viel Geld, dass man sich für eine Weile ordentlich ernähren und sogar sauberes Trinkwasser kaufen kann, das man sonst aus braun gefärbten Kanälen schöpft, in denen Wäsche gewaschen wird und Kühe baden gehen. Mit Ihrer Unterstützung war es Abu Yunus möglich, in Zusammenarbeit mit der ortsansässigen Wohltätigkeitsorganisation Markaz Qaus zur Entwicklung der Gesellschaft sowie wenigen Privatpersonen Zakatu-l-Fitr im Gesamtwert von 10.000 Euro zu verteilen. Damit wurden 1.524 Personen erreicht. Die Begünstigten sind oftmals Waisen- und Halbwaisenfamilien, deren Ernährer entweder an einer Krankheit, durch Tötung, Autounfall, Ertrinken oder auf ähnliche Weise gestorben ist,  kranke Menschen, die sich keine Behandlung leisten können sowie anderweitige Arme, welche von der Spendenfreudigkeit der besser bemittelten Ägypter abhängig sind.

 

Alle begünstigten Familien sind sehr dankbar und hoffen, auch in Zukunft wieder Spenden zu erhalten.

 

 

ÄGYP12700-01P09
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