Pakistan
Stabile Gesundheitsversorgung trotz schwieriger Sicherheitslage
Seit nunmehr knapp drei Jahren unterhält muslimehelfen drei medizinische Stationen um die Region Balakot im Nordwesten Pakistans. Unser Projekt konnte trotz jüngster Schwierigkeiten im Lande erfolgreich fortgesetzt werden.
Trotz wiederholter Spannungen in der Nordwest-Grenzprovinz konnten unsere medizinischen Stationen in Hassamabad, Patlung und Gul Dheri ohne Zwischenfälle fortgeführt werden. Alle drei Orte liegen in einem Umkreis zwischen vier und acht Kilometern um Balakot. Als einzige Einrichtungen weit und breit bieten sie kostenlose medizinische Versorgung, Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel an. Dies spricht sich herum, und so zieht es Menschen aus selbst weit entrückten Gegenden hierher. Zwischen April und Dezember vergangenen Jahres behandelten Ärzte 10.982 Menschen hier. Mit einem Anteil von rund 47% machten Frauen die größte Gruppe der Patienten aus, gefolgt von Kindern mit anteilig rund 43%. Männer waren mit rund 9% aller Krankheitsfälle vertreten.
Bedingt durch klimatische Verhältnisse verändern sich je nach Jahreszeit auch die gesundheitlichen Risikofaktoren für die Einheimischen. Mit Beginn der Sommersaison im Juni setzten starke Regenfälle ein, sogenannte Monsunregen. Diese führen zu starken Wasserverschmutzungen - ein Umstand, der zahlreiche Insekten wie zum Beispiel Moskitos begünstigt. Diese können dem Menschen als Überträger von Krankheitserregern gefährlich werden. Sie verursachen typische „Sommerkrankheiten“ wie Malaria und Gelbfieber und schlagen sich in Augeninfektionen, Haut-, Magen-Darm- und einer Reihe anderer fieberhafter Erkrankungen nieder. Im Sommer 2008, so berichtet uns unser langjähriger Partner und Aufseher der medizinischen Stationen vor Ort, SHADE, habe es durch besonders heftige Monsunregen eine noch nie dagewesene Anzahl von Malariafällen und Typhus gegeben. Bei den Patienten traten vermehrt Magen-Darm-Infekte auf. So behandelte das medizinische Personal allein zwischen Juni und September 3.792 Menschen mit diesen und ähnlichen Beschwerden.
Mit dem Einbruch der Wintermonate hingegen sinken die Temperaturen in Pakistans Höhenregionen stark ab. Schon im Oktober beginnt es kühler zu werden, bis sich im Dezember schließlich der Winter in seinem vollen Umfang auszubreiten beginnt. Beheizt werden dort nur die wenigsten Wohnstätten. Viele arme Menschen machen sich auf in die Täler, um hier die kalte Jahreszeit zu überdauern. Hier schlagen sie ihre Zelte auf, um der eisigen Kälte in höheren Gebirgsregionen zu entgehen. Andere bauen sich provisorische Unterkünfte zusammen, in denen sie den Winter über Unterschlupf suchen. Hauptsächlich ist es ein Mangel an warmer Kleidung, der den Menschen unter solchen Lebensbedingungen zusetzt. Starke Erkältungen, Husten, Fieber, Hals- uns Brustinfekte, sowie Hautausschläge sind die Folge. Insgesamt 230 Männer, 1.942 Frauen und 1.898 Kinder behandelten Ärzte zwischen Oktober und Dezember 2008.
Bedürftige Menschen leiden doppelt. So fehlen ihnen zu all dieser Not auch Mittel, um regelmäßig und ausgewogen essen zu können. Durch ein geschwächtes Immunsystem ist ihre Anfälligkeit für Krankheiten erhöht. Darunter leiden insbesondere Kinder und Frauen. Ärzte unterstützen deshalb in besonderem Maße unterernährte Kinder und stillende Mütter mit nährstoffreicher Kost und Vitaminen zur Stärkung der körpereigenen Abwehr. Eltern werden begleitend dazu über die Wichtigkeit von Hygienemaßnahmen aufgeklärt und erhalten Tipps über Wege und Möglichkeiten zu einer gesunden, ausgewogenen Ernährung.
Im Jahr 2007/08 belegte Pakistan Rang 77 im HPI (Human Poverty Index) und damit einen Platz im letzten Drittel der insgesamt 108 analysierten Entwicklungsländer. Der HPI umfasst die durchschnittliche Entwicklung eines Landes in Bezug auf den Anteil der Menschen, die unter einem Existenz sichernden Schwellenwert leben. Zugang zu Bildung, sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung kommen hierbei zum Tragen. Demnach erreichen 15.4% der Bevölkerung Pakistans nicht das 40ste Lebensjahr, da ihnen unter anderem der Zugang zu medizinischer Versorgung versperrt bleibt.
Umso verständlicher ist das Glück der Einheimischen über eine Hilfe, wie sie muslimehelfen in Kooperation mit SHADE anbietet. Welch hohes Ansehen unsere Krankenstationen in der Region genießen wurde kürzlich deutlich, als bei einer Demonstration protestierenden Menschenmassen den Weg für unser Fahrzeug freimachten, mit dem Bedürftige bei Bedarf in eine der drei Krankenstationen befördert werden. Die Menschen vor Ort sind stets dahinter, das Projekt am leben zu erhalten und unterstützen es nach Kräften.
Für die Fortführung des Projektes zwischen April und Dezember 2008 stellte muslimehelfen 39.390 Euro zur Verfügung.
Land: Pakistan
Region:
Fläche: 796.095 in km²
Bevölkerung: 155.772.000 Einwohner (2005)
Hauptstadt: Islamabad (Islamabad)
Amtssprache: Urdu
Bruttonationaleinkommen: 445,58 EUR pro Kopf (2005)
Währung: 1 Pakist. Rupie (pR) = 100 Paisa
Bevölkerung: Bevölkerungswachstum: 2,4%; letzte Zählung 1998: 132352279 Einw. - ca. 50% Pandschabi, 15% Sindhi, 15% Paschtunen, 8% Mohajiren, 5% Balutschen, 7% Sonstige








