Die Begünstigten bedanken sich

Große Projekte, große Wirkung – Rückblick auf unsere nachhaltigsten Projekte

Miriam Laiouar und Kashfa Butt

muslimehelfen blickt in diesem Jahr auf 40 Jahre Projektarbeit zurück. In dieser Zeit konnten zahlreiche Hilfsprojekte entstehen, wachsen und sich nachhaltig etablieren – Projekte, die auf langfristige Wirkung und nachhaltige Verbesserung abzielen. Zum Jubiläum möchten wir einige der langjährigsten und prägendsten Projekte vorstellen, die zeigen, wie gezielte Hilfe echte Perspektiven schaffen und das Leben vieler bedürftiger
Menschen auf lange Sicht verbessern kann.

Das Tawfiq Hospital in Kenia – eine Erfolgsgeschichte

Malindi, Kenia: Tawfiq Hospital

Das Tawfiq Hospital in Malindi wurde 1992 von unserer Partnerorganisation in Kenia gegründet. Was einst als kleines medizinisches Zentrum mit nur fünf Mitarbeitenden begann, hat sich dank kontinuierlicher finanzieller Unterstützung zu einem voll ausgestatteten Krankenhaus mit über 230 Mitarbeitenden, mehr als 85 Betten und einem 24-Stunden-Betrieb entwickelt. Die Zusammenarbeit mit muslimehelfen begann im Jahr 2007 mit der Finanzierung der ersten „Woche der Barmherzigkeit“. Während dieser Aktionswoche wurden im Tawfiq Hospital dringend notwendige Operationen für bedürftige Patientinnen und Patienten kostenfrei durchgeführt. Viele von ihnen warteten bereits seit Jahren auf einen chirurgischen Eingriff, konnten sich diesen aber finanziell nicht leisten. Durch die Unterstützung von muslimehelfen in Höhe von 7.855 € konnten damals 70 Menschen erfolgreich operiert werden. In den folgenden Jahren wurden weitere medizinische Camps vom Krankenhaus organisiert und ebenfalls von muslimehelfen gefördert. Darüber hinaus ermöglichte die Zusammenarbeit Projekte zur Anschaffung medizinischer Geräte sowie den Ausbau verschiedener Fachbereiche.
Zu den Meilensteinen dieser Partnerschaft zählen unter anderem die Anschaffung eines Stromgenerators (2007), eines Autorefrakto-Keratometers zur Diagnose von Fehlsichtigkeit und Hornhautverkrümmung (2011), ein modernes Röntgengerät (2013), Inkubatoren für Neugeborene (2014), ein Rettungswagen (2015), sowie Anästhesiegeräte und Patientenmonitore (2019 und 2024). Auch die Erweiterung des Krankenhauses wurde durch muslimehelfen unterstützt. 2018 wurde ein neues Ambulanzgebäude errichtet, 2020 die Dialyseabteilung ausgebaut und 2021 eine eigene Krebsstation mit einem Pallia-tivbereich eröffnet, um Patientinnen und Patienten in der letzten Lebensphase bestmöglich versorgen zu können. Die jüngste Maßnahme wurde im Jahr 2025 umgesetzt: Für insgesamt 92.351 €wurde die Augenklinik umfassend renoviert und mit hochmodernen Geräten ausgestattet. Damit kann nun jährlich circa 1.000 Augenpatienten effizient geholfen werden.

Kenia: Ältere Patientin bei einer Augenuntersuchung im Jahr 2025

Dank der kontinuierlichen Förderung durch muslimehelfen konnte das Tawfiq Hospital in den vergangenen Jahren Tausende Patientinnen und Patienten behandeln, die sich eine medizinische Versorgung sonst nicht hätten leisten können. Während private Kliniken oft unerschwinglich sind und öffentliche Krankenhäuser an Ausstattung und Personal mangeln, bietet das Tawfiq Hospital hochwertige medizinische Versorgung zu fairen Preisen oder übernimmt die Behandlungskosten für Bedürftige sogar vollständig.
Heute ist das Tawfiq Hospital ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung in der Region. Seit Beginn der Partnerschaft hat muslimehelfen das Krankenhaus mit insgesamt 1.037.425 €unterstützt – und wird es auch in Zukunft begleiten, um die medizinische Versorgung in Kenia weiter auszubauen und eure Spenden dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden.

Bildung als Schlüssel zur Zukunft – Das Blindenzentrum in Sokodé

Wer in Togo blind geboren wird oder früh erblindet, hat kaum Chancen auf Bildung und damit auf ein selbstbestimmtes Leben. Denn ohne Schulbildung bleibt oft nur ein Leben in Abhängigkeit und Armut. Um dem entgegenzuwirken, gründete muslimehelfen im Jahr 2010 ein Blindenzentrum in Sokodé, der zweitgrößten Stadt des Landes. Ziel war es, sehbehinderten Kindern aus ärmsten Verhältnissen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen und ihnen so eine Perspektive für die Zukunft zu schaffen. Die Arbeit begann in einfachen, angemieteten Räumen mit zwölf Kindern. Sie wurden in Blindenschrift unterrichtet,
erhielten täglich warme Mahlzeiten, medizinische Versorgung und einen sicheren Schlafplatz. Der Bedarf wuchs rasch, und schon bald wurde es zu eng. 2013 entstand daher auf einem drei Hektar großen Gelände in Kadambara, unweit von Sokodé, ein neues Blindenzentrum mit Platz für mehr Kinder und besseren Bedingungen. Heute verfügt es über acht Klassenräume, acht Schlafräume, eine Kantine, sanitäre Anlagen sowie zwei Wohnräume für Lehrkräfte und Betreuungspersonal. Dabei übernimmt muslimehelfen sämtliche Betriebskosten – von Gehältern über Lebensmittel und Lehrmaterialien bis hin zu Medikamenten und Strom. Alle sechs Monate fallen dafür durchschnittlich rund 26.000 Euro an.

Togo: Einige Gebäude des Blindenzentrums in Kadambara
Togo: Zwei blinde Schülerinnen lesen in Brailleschrift

Aktuell werden im Zentrum 24 sehbehinderte Kinder unterrichtet und betreut. Der Unterricht folgt dem offiziellen Lehrplan des Schulministeriums und wird in
Blindenschrift vermittelt. Nach der Grundschule können die Kinder eine weiterführende Schule in Kadambara besuchen. Dort besuchen sie gemeinsam mit sehenden Schülern den Unterricht. Dank eines von muslimehelfen bereitgestellten Computers und Braille-Druckers kann das Unterrichtsmaterial für die blinden Schülerinnen und Schüler mithilfe spezieller Software zunächst in Blindenschrift übersetzt und anschließend gedruckt werden. 14 Schülerinnen und Schüler des Zentrums besuchen die Schule derzeit. Im Blindenzentrum erhalten sie jedoch weiterhin Unterkunft und Verpflegung – auch ihre Schulgebühren werden übernommen. Insgesamt sind aktuell 38 Kinder und Jugendliche im Zentrum untergebracht. Einige von ihnen verfolgen ambitionierte Ziele – zehn ehemalige Schüler studieren mittlerweile an der Universität in Lomé. Dort erhalten sie Zugang zu barrierefreier Bildung und werden von muslimehelfen
weiterhin mit einem monatlichen Beitrag unterstützt.
Im Dezember 2023 feierte das neue Blindenzentrum sein zehnjähriges Bestehen mit einer großen Jubiläumsveranstaltung, an der rund 700 Gäste teilnahmen: Schülerinnen und Schüler mit ihren Familien, Vertreter der Behörden, Imame, lokale Politiker sowie zahlreiche Unterstützer.
Mit Straßenzügen, Radiobeiträgen, Konferenzen und Sportveranstaltungen wurde das Zentrum in der Region bekannt gemacht – mit Erfolg: Bereits im Januar 2024 meldeten sich sechs neue Kinder an.
Besonders bewegend ist die Geschichte von Waïbou. Als blinder Junge wurde er 2010 ins Zentrum aufgenommen. Nach erfolgreichem Grundschulabschluss und Abitur studierte er Zeitgeschichte an der Universität Lomé und kehrte schließlich als Lehrer an die weiterführende Schule in Kadambara zurück, wo er nun selbst Kinder aus dem Blindenzentrum unterrichtet. Ein Beweis dafür, was möglich ist durch gezielte Förderung und Fürsorge.

Neue Perspektiven für junge Menschen in Ruanda - Das Berufsbildungszentrum in Rwamagana

Wer ohne Schulabschluss oder berufliche Qualifikation aufwächst, hat kaum eine Chance, der Armut zu entkommen. Viele junge Menschen in Ruanda stehen genau vor diesem Problem. Für gut bezahlte Arbeitsplätze sind sie nicht qualifiziert, und so bleiben häufig nur schlecht bezahlte, körperlich schwere Arbeiten. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, wurde 2014 mit der Unterstützung von muslimehelfen ein Berufsbildungszentrum in der Stadt Rwamagana eröffnet.

Ruanda: Die ersten Absolventen des Berufsbildungszentrums feierten ihren Abschluss im Dezember 2014

Ziel des Projekts ist es, jungen Menschen aus benachteiligten Verhältnissen eine praxisnahe Ausbildung zu ermöglichen – und damit den ersten Schritt in ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben. Aktuell können die Auszubildenden zwischen drei Berufsfeldern wählen:
Elektroinstallation, Kochen oder Schneiderei. Eine frühere Ausbildung zum Wasserinstallateur wurde mangels Nachfrage eingestellt. Jeder Ausbildungsgang dauert ein Jahr. muslimehelfen übernimmt für alle Teilnehmer die Studiengebühren, sodass sie kostenlos ausgebildet werden können. Diese Gebühren finanzieren unter anderem die Gehälter des Lehrpersonals und den laufenden Betrieb des Zentrums. Zusätzlich werden von muslimehelfen Gelder für die Anschaffung von Lehrmaterialien und Geräten zur Verfügung gestellt.

Ruanda: Auszubildende im Bereich Elektroinstallation des Jahrgangs 2024/25 bei einer praktischen Übung

Das Berufsbildungszentrum erfreut sich großer Nachfrage. Im Lehrjahr 2024/25 wurden insgesamt 150 junge Frauen und Männer erfolgreich ausgebildet: 40 im Bereich Elektroinstallation, 52 im Kochhandwerk und 58 in der Schneiderei. Unabhängig vom gewählten Schwerpunkt erhielten alle Auszubildenden zusätzlich eine Einführung in grundlegende Computerkenntnisse – eine wichtige Ergänzung in der heutigen Arbeitswelt.
Ein besonderes Highlight: Am Ende der Ausbildung erhalten die Absolventinnen und Absolventen passende Werkzeuge für den Start ins Berufsleben. Schneiderinnen und Schneider bekommen eine Nähmaschine, Köchinnen und Köche eine Gasplatte, eine Pfanne, eine Gasflasche und ein Waffeleisen, während Elektriker mit einer umfangreichen Werkzeugkiste ausgestattet werden. So können die jungen Menschen ihre Fähigkeiten sofort anwenden – sei es im eigenen kleinen Betrieb oder als Angestellte in Unternehmen der Region.

Ruanda: Elektriker-Absolvent bei Erhalt seiner Werkzeugkiste

Bildung als Hilfe zur Selbsthilfe – Die Muslime Helfen Fundamental School in Bujumbura

Angesichts der großen Nachfrage ist bereits eine Erweiterung des Berufsbildungszentrums in Planung. Damit sollen künftig noch mehr junge Menschen von einer Ausbildung profitieren können und zusätzliche Berufsfelder angeboten werden. Denn die Ausbildung im Zentrum ist weit mehr als reine Wissensvermittlung – sie ist ein Weg in ein selbstbestimmtes, würdiges Leben. Wer spendet, hilft nicht nur kurzfristig, sondern setzt auf nachhaltige Veränderung: Fähigkeiten und Perspektiven wirken weiter in den Familien, in den Gemeinschaften und über Generationen hinweg. Die Unterstützung dieses Projekts gleicht einer Sadaqa Dscharija – einer fortlaufenden guten Tat, deren Wirkung und Lohn auch lange nach der Spende weiter bestehen.

Bildung ist ein Grundrecht für alle Kinder. Vor allem Schulbildung trägt zur gesellschaftlichen Integration der Kinder und ihrer psychosozialen Entwicklung bei.
Schulen bieten Kindern eine sichere und stabile Umgebung in turbulenten Zeiten. Jedoch haben Waisenkinder es beim Bildungsweg oft schwerer. Durch den Verlust eines Elternteils fehlen den Familien oft die Mittel für Schulgebühren. Die Kinder bleiben zudem aufgrund von familiären Verpflichtungen der Schule fern. Dabei kann Bildung das Leben dieser Kinder signifikant verbessern.
Die Muslime Helfen Fundamental School in der Stadt Bujumbura, in Burundi, wurde im Jahr 2010 von unserer Partnerorganisation in Betrieb genommen, um für Waisenkinder ein Umfeld zu schaffen, das optimal auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist. Mittlerweile werden 170 Schülerinnen und Schüler der Klassen 1–6 sowie 75 Schülerinnen und Schüler der Klassen 7–9 an der Schule unterrichtet. Mit Ausnahme weniger Kinder sind alle Schüler Waisen und stammen aus bedürftigen Verhältnissen. Die Kinder erhalten in den Pausen eine warme Mahlzeit mit einem Getränk, um eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten. Die Schüler und Schülerinnen der Klassen 1–6 werden zudem psychologisch betreut und haben Zugang zur Gesundheitsversorgung. Des Weiteren werden Kosten für Schulmaterialien, Schuluniformen, Gehälter von Lehrern und weitere Betriebskosten der Schule übernommen. Die Schule hat das Ziel, den Waisenkindern eine bestmögliche schulische Bildung zu ermöglichen und sie in ihrer intellektuellen, sozialen, moralischen und psychologischen Entwicklung zu stärken. Zudem profitieren die Waisenkinder zusätzlich von der fortlaufenden Lebensmittelhilfe, die muslimehelfen finanziert.

Burundi: Beginn des neuen Schuljahres 2024/25

In diesem Schuljahr wurden durch das burundische Bildungsministerium „tests en rèseau“, zu Deutsch Evaluationstests, auch an der Muslime Helfen Fundamental School in Bujumbura durchgeführt. Die Ergebnisse fielen erfreulich aus – die Schülerinnen und Schüler haben durchweg gute Ergebnisse erzielt. Die Stellungnahmen der Kinder, die uns erreichen, zeigen, wie optimal sie unterstützt werden. Der 12-jährige Yussuf aus Bujumbura erzählt: Assalaamu Alaikum Warahmatullah Wabarakatuh, ich schreibe diese Nachricht, um Euch für den Bau der Schule zu danken. Wir profitieren von der muslimehelfen Schule. Wir erhalten Schuluniformen, Schulmaterialien, Getreidebrei um 10:45 Uhr und Essen zur Mittagszeit – jeden Tag! Wir haben auch eine Krankenschwester, die sich um unsere Gesundheit kümmert. Wir lernen ohne Probleme für eine bessere Zukunft. Möge Allah Euch segnen! Dies sind nur einige Projektbeispiele, die zeigen, wie aus gezielter Hilfe echte Perspektiven entstehen. In den Anfangsjahren von muslimehelfen lag der Fokus vor allem auf der Nothilfe. Was einst als reine Nothilfe begann, hat sich mit der Zeit zu einer vielseitigen Projektarbeit entwickelt – mit neuen Schwerpunkten wie Bildung, Gesundheit, Frauenförderung, Existenzgründung, Landwirtschaft, Kleidung oder Winterhilfe. Allein im vergangenen Jahr haben wir etwa 3,5 Millionen Euro für unsere Hilfsprojekte ausgegeben und damit Menschen in verschiedenen Ländern der Welt erreichen und unterstützen können. Nothilfe wird weiterhin ein fester Bestandteil unserer Arbeit bleiben. Jedoch verfolgen wir zunehmend das Ziel, gemeinsam mit unseren Projektpartnern zahlreiche Projekte zu entwickeln, die über den Moment hinauswirken – für mehr Selbstständigkeit und Zukunftschancen. Mit Deiner Hilfe und mit Allahs Erlaubnis können wir auch in Zukunft Menschen unterstützen, Perspektiven eröffnen und Hoffnung geben.

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Große Projekte, große Wirkung – Rückblick auf unsere nachhaltigsten Projekte

Zugehöriges Projekt

Vierzig Jahre muslimehelfen Projekte

Ahmad von Denffer

Im Koran heißt es vom Menschen, wenn er vierzig Jahre erreicht hat, er sagt: Mein Herr, erteile mir, daß ich Deine Wohltat danke, mit der Du mir wohlgetan hast und meinen beiden Eltern, und daß ich Rechtschaffenes tue, das Dir wohlgefällt, und gib mir Rechtschaffenheit in meiner Nachkommenschaft, ich kehre reuig um zu Dir, und ich bin einer von den friedenmachend Ergebenen (d.i. Muslimen, 46:15).

Gegründet 1985

Als Reaktion auf das Leiden, weltweit hervorgerufen durch Kriege, Naturkatastrophen und strukturelle Not und sichtbar geworden durch die große Hungersnot in Ostafrika 1984, gründeten in Deutschland ansässige Muslime unterschiedlicher Nationalität nach einigen Vorarbeiten am 5. April 1985 das Hilfswerk muslimehelfen e.V. (mh). Sie legten damit den Grundstein für die erste organisierte muslimische Hilfsarbeit von deutschem Boden aus. Zweierlei war dabei wesentlich und miteinander verbunden – das konkrete Helfen und der Gottesbezug.

Viel hat sich verändert

Die erste Hilfsmaßnahme war eine Medikamentensammlung für notleidende Menschen im kriegsgeplagten Afghanistan. Seither sind vier Jahrzehnte vergangen, und es hat sich viel verändert, von der Fortentwicklung der Kommunikation und Medien über die welt- und innenpolitischen Verhältnisse bis hin zum Klima. Optimisten, die eine Verbesserung erwarteten, sind enttäuscht. Selbst die erst im Jahr 2000 festgelegten „Millennium-Entwicklungsziele“ der Vereinten Nationen wurden weitgehend, wenn nicht überhaupt, verfehlt. Insbesondere die weltweite Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen sinkt nicht, sondern steigt immer mehr, allein von 2023 auf 2024 um 5 Prozent auf über 122 Millionen Menschen. Ebenso kommt es zu mehr klimabedingten Naturkatastrophen, die vor allem den ohnehin Armen ihre Lebensgrundlagen zerstören.

Während all dieser Zeit setzte muslimehelfen sich ein „für bedürftige Menschen vor allem in Notstandsgebieten, bei Krieg, Hungersnot und Naturkatastrophen sowie für anderweitig unschuldig in Not geratene Menschen…“, wie es schon von Anfang an in der Satzung hieß.

Große und kleine Katastrophen

Über die großen Katastrophen wie etwa Erdbeben, Überschwemmungen oder Dürre, aber auch Kriege, die sich immer wieder ereignen, berichten die Medien und machen damit auf die Notwendigkeit aufmerksam, den Betroffenen zu helfen. Doch daneben gibt es unzählige kleine Katastrophen, von denen man hierzulande nie etwas erfährt. Wenn beispielsweise in Kambodscha, wo viele Häuser aus Holz gebaut sind und nicht selten noch auf offenem Feuer gekocht wird, ein solches Haus niederbrennt, werden oft auch noch die nahebeigelegenen Häuser von den Flammen erreicht. Der Verlust und die daraus folgende Not für die Betroffenen sind ebenso schlimm wie die Nöte der Opfer von großen Katastrophen. Nur wenn man vielleicht Verbindungen in derart abgelegene Gegenden hat, wird man benachrichtigt und kann dann möglicherweise Menschen in Not Beistand leisten. muslimehelfen wurde in den vergangenen Jahren immer wieder auch um Hilfe bei kleinen Katastrophen gebeten und konnte sie leisten, al-hamdu li-llah.

Vom Ehrenamt zur Professionalisierung

muslimehelfen begann seine Arbeit als ein sehr kleiner Kreis von „Ehrenamtlichen“, die alles Erforderliche von zuhause aus erledigten und die damit verbundenen Kosten trugen. Die weitere Entwicklung machte schrittweise eine Professionalisierung erforderlich. Sowohl der wachsende Umfang der Spenden als auch die Umsetzung der Hilfsprojekte waren allein von den freiwilligen Mitwirkenden nicht mehr zu bewältigen. Nach etwa fünf Jahren erfolgte erstmals die Einstellung einer unterstützenden Teilzeitkraft und 1993 infolge des Bosnienkriegs erstmals einer Vollzeitkraft. Heute hat muslimehelfen ein Büro mit drei kleinen Abteilungen, überwiegend mit Schwestern als Teilzeitbeschäftigten, die sich um die Bereiche Projekte, Spenden und Verwaltung kümmern.

Ein Gemeinschaftswerk geblieben

An die Stelle der Gründer und anfänglichen Helfer sind längst ihre Nachfolger getreten. Doch trotz mancher Veränderungen ist muslimehelfen ein Gemeinschaftswerk von Muslimen in Deutschland geblieben, das in den vergangenen 40 Jahren allein durch Allahs Hilfe und nur mit der Unterstützung der Spender seine zahlreichen Projekte verwirklichen konnte. Sie hier alle auch nur aufzuzählen, geschweige denn zu schildern, ist nicht möglich. Angefangen mit der Medikamentensammlung von 1985 waren es bald um ein halbes Dutzend im Jahr, dann zunehmend mehr, und schließlich über Hundert jährlich. Allein im vergangenen Jahrzehnt waren es nach Angabe auf der muslimehelfen-Internetseite über 1300. Insgesamt müssen es Zehntausende von Bedürftigen gewesen sein, denen die Hilfsmaßnahmen zugutekamen.

Information über Projekte

Zu Beginn informierte muslimehelfen über die Projekte durch Berichte in der Zeitschrift „Al-Islam“. Später kamen gelegentliche muslimehelfen-Infoblätter hinzu, im März 2000 die erste Ausgabe der „muslimehelfen-zeitung“, und dann mit der Internetseite „www.muslimehelfen.org“ und den „Social media“ sowie „Youtube“ Informationsmöglichkeiten, die es zur Gründungszeit von muslimehelfen noch gar nicht gab.

Arten von Projekten

Im Laufe der Jahre haben sich verschiedene Arten von Projekten herausgebildet. Die Hilfsmaßnahmen von muslimehelfen sind teils durch den Jahresablauf oder durch besondere Umstände bedingt. Vom Jahresablauf bedingt sind die alljährlichen Ramadan-Projekte, die Kurban-Projekte, Festgeschenke für bedürftige Kinder und die Winterhilfe. Umständehalber bedingte Projekte sind Not- und Katastrophenhilfe, Flüchtlingshilfe, Waisenhilfe, Gesundheitsfürsorge und medizinische Hilfe, Behinderten- insbesondere Blindenhilfe, Bildungsförderung und Berufsausbildung sowie Existenzgründungsforderung.

Alleinstellungsmerkmale

Allen Projekten gemeinsam ist aber, daß es dabei allein um die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen geht. Dies unterscheidet muslimehelfen von vielen anderen sogenannten Nichtregierungsorganisationen, die humanitäre Hilfe oftmals mit weiteren Interessen verbinden. muslimehelfen führt Hilfsmaßnahmen durch, wo Hilfsbedürftigkeit besteht, wo die Verhältnisse vor Ort eine sinnvolle und effektive Hilfeleistung erlauben, wo die Hilfsmaßnahmen allein den Hilfsbedürftigen zugutekommen und die erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen. Die Projekte erfolgen stets in Zusammenarbeit mit einheimischen Partnern vor Ort. Auslandsbüros und die damit verbundenen Kosten werden so vermieden. Auch längerfristig angelegte Projekte gehen in die Verantwortung der Partner über, selbst wenn muslimehelfen bei Bedarf weiter unterstützt.

Das erste Jahrzehnt

Über die ersten zehn Jahre berichtete das muslimehelfen-Infoblatt zum Ramadan 1996, nachstehend gekürzt, wie folgt:

1985 

  • Als Reaktion auf das Leiden, das Muslimen weltweit durch Kriege, Naturkatastrophen und strukturelle Not widerfährt, gründen in Deutschland ansässige Muslime unterschiedlicher Nationalität das Hilfswerk muslimehelfen V. Sie legen damit den Grundstein für die erste organisierte islamische Hilfsarbeit von deutschem Boden aus….

1986  

  • muslimehelfen versorgt Hungernde in Äthiopien und organisiert… mit anderen…
  • einen Medikamententransport für afghanische Flüchtlinge.
Sachspenden für Afghanistan, Februar 1986

1987

  • Auch in diesem Jahr zwingt der Krieg, den die damalige Sowjetunion nach Afghanistan getragen hat, zu umfassender Flüchtlingshilfe von Pakistan aus: Medikamente, Lebensmittel und Decken.

1988  

  • Zwei erste längerfristige Projekte… Flüchtlingshilfe von Uganda aus,
  • und finanzielle Unterstützung von Witwen und Waisen in Palästina…

1989  

  • Hungersnöte in Äthiopien und … Sudan erfordern… Unterstützung… mit Lebensmitteln und Medikamenten.
  • Nach… Erdbeben im Iran erstmals Hilfslieferungen auch in dieses Land.

1990  

  • Schwerpunkt… Hilfe für Palästina in… der Intifada … Patenschaften für Waisenkinder.

1991  

  • … Lebensmittel und Medikamente nach Albanien… In Palästina… Aufbau einer Poliklinik…
  • Hilfslieferungen in afrikanische Länder… verstärkt.
  • Nach Afghanistan… Medikamente und medizinisches Großgerät…

1992  

  • Lebensmittel, Medikamente und medizinisches Gerät… verschifft… Sudan, Somalia, Uganda, Tansania und Südafrika.
  • Erstmals erreichen Hilfsgüter Bosnien.

1993  

  • muslimehelfen und Muslim Aid vereinbaren enge Zusammenarbeit…
  • Bosnienhilfe…
  • neben der Hilfe für Afghanistan, Palästina und Afrika das größte Volumen…
  • Brunnenbauprojekte in Sierra Leone… seit 1991… abgeschlossen.

1994  

  • Bosnienkrieg verlangt… größten Einsatz. In Visoko … pharmazeutische Produktion aufgebaut… großangelegte Paketaktion…
  • In Sri Lanka… Grundstück zur Ansiedlung von muslimischen Flüchtlingen… finanziert.
  • Im Sudan … Schulen, Lehrstätten und Selbsthilfeprojekt aufgebaut und ausgestattet. Muslimische Studenten in der GUS und Muslime in Kasan … finanziell und mit Medikamenten unterstützt…

1995  

  • Pakete für Bosnien… unterschiedlichen… Zielgruppen angepaßt: Hungernde, Mütter und Säuglinge…
  • In Palästina… Bau einer Poliklinik in Gaza-Stadt gefördert… mit AREA…
  • Mutter-Kind-Pflegezentrum in Kandahar…
  • Medikamente erreichen Muslime in Togo, Kuba und Albanien… In Tschetschenien… medizinische Hilfe…
Mutter-Kind Gesundheitsfürsorge Jalalabad/Afghanistan Okt. 1995

Das zweite Jahrzehnt

Im Dezember 1994 hatte der erste Tschetschenienkrieg begonnen, der Bosnienkrieg endete im Dezember 1995, und die enge Zusammenarbeit mit Muslim Aid lief nach einiger Zeit aus. Ein zusammenfassender Blick auf die Projekte im zweiten Jahrzehnt erschien in der muslimehelfen-zeitung 3/2005, nachstehend nur stark gekürzt wiedergegeben:

1996  

  • Hilfsmaßnahmen für Bosnien… Container mit Hilfsgütern kamen in Senegal an, …
  • Studenten in der ehemaligen Sowjetunion gefördert…
  • Waisenkinder im Sudan erhielten Kleidung, …
  • Klinik in Lomé (Togo) medizinische Ausstattung…
  • umfangreiche Kurban-Aktion eingeleitet und seither jährlich durchgeführt.

1997  

  • Mutter-Kind-Zentrum in Dschalalabad… zweites… in Herat (Afghanistan)…
  • Universitätskrankenhaus Lomé (Togo)… medizinische Geräte (Dialyse u.a.m.),
  • ebenso… Kinderkrankenhaus… Alexandria (Ägypten) und…
  • Krankenhaus Priština (Kosovo).
  • In… Flüchtlingslagern bei Muzaffarabad (Kaschmir/Pakistan) wurden 746 Kinder… neu eingekleidet.
  • Nochmals… Studenten in Russland unterstützt, …
  • in Tulkarem (Palästina) Waisenkinder… Die Palästina-Waisenhilfe… erweitert in „muslimehelfen Waisen“…

1998   

  • … infolge El-Nino-Trockenheit… Reisverteilung im Gebiet Zamboanga (Mindanao). In…
  • Rückkehrersiedlung der Krimtataren… Bachtschisaray (Ukraine) …
  • „Medical Point“ … in Betrieb… Auch für Kosovo… medizinische Hilfe…
  • Weitere Hilfeleistungen… in Afghanistan, Burkina Faso, Ghana, Palästina, Senegal und Uganda.

1999  

  • Kosovo… Soforthilfe sechs Tonnen Lebensmittel, Hygiene-Artikel … drei Tonnen Medikamente… zeitweilig Koordinierungsstelle in Pogradec (Albanien)…
  • 12 000 Hilfspakete an Kosovo-Flüchtlinge…
  • Erdbebenkatastrophe… Türkei… Soforthilfe… 400 kg Medikamente und Wasserreinigungstabletten… anschließend mehrfach Lebensmittel und Zelte, … dann vor allem Wohncontainer…
  • Hilfe für Tschetschenienflüchtlinge in Georgien… fortgesetzt…
Hygieneartikel in Kosovo, 1999
Wohncontainer nach Erdbeben in der Türkei 1999

2000  

  • Erneut… Ostafrika… Dürrekatastrophe… in Fafan (bei Dire Dawa, Äthiopien)… Mutter-Kind-Ernährungsstation…,
  • In Kenia… zehn neue Brunnen gebaut und zehn… bestehende mit Handpumpen ausgestattet…
  • in Afghanistan… Flüchtlinge… erhielten über vier Monate Lebensmittelpakete und Haushalts-Sets… in Kabul…
  • Flüchtlinge in Peschawar (Pakistan) … Steppdecken für den Winter…
Mutter-Kind Ernährungsprogram in Äthiopien 2000.

2001  

  • Tschetschenische Flüchtlinge in Georgien…
  • erneut… Lebensunterhalt und Gesundheitsversorgung. Medizinisches Gerät… nach Baku (Aserbaidschan)… dort zudem… Hilfsprojekt für tschetschenische Mütter und Waisen…, auch in den Folgejahren…
  • Reisverteilungen in Mindanao (Philippinen)…
  • fortgesetzt… Erdbebenopfer in Gujarat (Indien)… unterstützt…
  • Auf der Krim (Ukraine)… „Medical Point“ in Bachtschisaray… zudem… dort… TBC-Vorsorgeprogramm…

2002  

  • Lebensmittelpakete, Decken… in… Nangarhar (Afghanistan) und… Kabul… Abazak-Klinik (Provinz Logar)… mit Personal und Medikamenten ausgestattet…
  • Lebensmittelhilfen sowie Erste Hilfe-Material… nach Jericho und Hebron (Palästina),
  • Lebensmittelhilfe… in zehn Dörfern bei Garut (Java, Indonesien)…
  • Versorgung von Kriegsflüchtlingen mit Reis in… North Cotabato und Davao (Mindanao, Philippinen), „Medical Mission“ auf Palawan (Philippinen)… Unterstützung eines Waisenhauses in Karabulag (Inguschetien)…

2003  

  • „40 Brunnen“-Projekt für Ostafrika…
  • Lebensmittelhilfen… in Sierra Leone…
  • Medikamente für … bevorstehenden Krieg… in den Irak gebracht, … Notversorgung mit Medikamenten, Nahrungsmitteln und Wasser in Bagdad, Kerbela und Basra (Irak)…,
  • in Grozny (Tschetschenien) Ambulanz („Medical Point“) insbesondere für Frauen …
  • Medikamente für die El-Wafa-Klinik… sowie Unterstützung der Zentralen Blutbank in Gaza (Palästina),…
  • Lebensmittelpakete… für Rückkehrerfamilien im Gebiet Srebrenica (Bosnien) 20 Milchkühe…

2004  

  • … Hilfe für die Überlebenden des… Erdbebens in Bam (Iran)…
  • Erdbebenopfer um Al-Houceima (Marokko) erhielten Unterstützung…
  • In Afghanistan sorgte muslimehelfen für die Neueröffnung… eines Krankenhauses in… Gardez (Provinz Paktia)…
  • Puwami-Moschee-Klinik in… Slum von Nairobi (Kenia) erhielt… Medikamentenausstattung…
  • tschetschenische Flüchtlinge in Georgien Winterhilfen,…
  • groß angelegte Sammelaktion von Brillen, … für bedürftige Brillenträger in Kenia…
  • Am 26. Dezember 2004 … die ersten Nachrichten von… Flutwellenkatastrophe in Süd- und Südostasien ein. muslimehelfen… noch am selben Tag aktiv, lieferte bereits drei Tage darauf Trinkwassertanks, Wasserpumpen, Bodenmatten sowie Lebensmittel nach Marathamunai (Sri Lanka) und traf Vorbereitungen für… Notpakete in Indien und Indonesien.

Das dritte Jahrzehnt

2005  

  • Im Vordergrund… stand… das Tsunami-Katastrophengebiet…
  • im Januar im Gebiet Cochin (Kerala, Indien) Haushalts-Sets und Medikamente an Flutopfer…
  • und versorgte obdachlos gewordene Überlebende in Aceh (Indonesien) mit Lebensmitteln…
  • Seit Abschluss der akuten Nothilfephase… für 100 obdachlose Familien in Nintavur und Kuchavelli (Sri Lanka) feste Notunterkünfte…
  • ein Waisenhaus für Mädchen in Kinniya… und… eine medizinische Ambulanz. In Aceh (Indonesien)…
  • nochmals Lebensmittel… und Notinstandsetzung zerstörter Häuser… in Durung… Witwen durch ein kleines Landwirtschaftsprojekt… zu eigenem Lebenserwerb zu kommen… , ein zweites ebenfalls speziell zur Unterstützung von Witwen mit Kindern vorgesehenes Projekt ist in Sigli angelaufen. Erneut wurde die „Woche der Waisen“ durchgeführt und die Sammeldosenaktion erweitert. (Verkürzt aus muslimehelfen zeitung 3/2005)
2005 in Sri Lanka Tsunamihilfe mit Wasserpumpen
Beratung mit Tsunami-Betroffenen in Aceh, Indonesien, 2005

Mittlerweile waren die Projekte im dritten Jahrzehnt so zahlreich geworden, daß später in der muslimehelfen-zeitschrift nur noch über die verschiedenen Kategorien berichtet wurde. Unter der Überschrift „Sorgen nehmen, Hoffnung geben“ war zu lesen: Seit 30 Jahren leistet muslimehelfen humanitäre Hilfe. Immer bemüht durch die Hilfsprojekte in die Zukunft der Begünstigten zu investieren. Natürlich sind kurzfristige Hilfen wie im Ramadan oder zu Kurban wichtig. Noch wichtiger ist die Nachhaltigkeit der Projekte, das bedeutet eine langandauernde Wirkung der Spenden. Schon jetzt laufen Projekte erfolgreich, die vor vielen Jahren begonnen wurden. Diese entwickeln sich so gut, dass sie den Bedürftigen langfristig nutzen.

Bildung

Die Bildungsprojekte von muslimehelfen dienen besonders den Kindern, aber auch jungen Erwachsenen. Oft fehlt ihnen Zugang zu Bildung. Erst Ende 2014 hat zum Beispiel das Dorf Vranjt Gujras in Albanien seine erste Grundschule errichten können. Gani H. lebt in dem Dorf und sagt dazu: „Wenn eine Schule gebaut wird, ist das nicht nur für einen Moment gut, das ist wichtig für die Zukunft.“

Nahrung und Landwirtschaft

Hierbei geht es um die Verteilung von Lebensmitteln. Neben dieser kurzzeitigen Hilfe wird auch nachhaltig geholfen. Wie 2014 in Uganda, wo 80% der Einwohner von der Landwirtschaft leben. Den Bedürftigsten im Bezirk Mpogo wurden 10kg Saatgut und 3 Hacken ausgegeben. Bauer Mukite A. aus Kadua, Sironko fasst zusammen: „Das wird unsere landwirtschaftliche Arbeit vereinfachen. Wir haben Hacken und Saatgut erhalten und das hat unseren Lebensstandard verbessert.“

Uganda 2014

Medizin & Gesundheit

Kranken und Verletzten, die sich keinen Arztbesuch leisten können, wird geholfen. Auch Krankenhäuser und mobile Kliniken werden ausgerüstet, um Hilfe langfristig gewährleisten zu können. Das Tawfiq Hospital in Kenia ist eines davon. Es hat drei Inkubatoren erhalten. Frühgeborene, wie der 1200 g leichte Ali, konnten mit den Geräten behandelt werden. Seine Mutter Rukia sagt: „Ich bin Euch so dankbar, dass ihr dem Tawfiq Hospital die Geräte gespendet habt.“

Selbsthilfe

Hilfsbedürftigen soll die Möglichkeit gegeben werden aus eigener Kraft und auf erlaubte Weise ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das Berufsbildungszentrum in Ruanda ist ein gutes Beispiel dafür. Jugendliche erhalten hier eine Ausbildung, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. So sieht das auch Herr Ayoub, der Projektmanager: „Dieses Projekt bietet eine Lösung.“

Frauenhilfe

Diese Projekte fördern ausschließlich alleinstehende und alleinerziehende Frauen. Sie sollen sich und ihre Familien langfristig selbst versorgen. Das funktioniert bei der Frauen-Kooperative aus Ruanda schon gut. Die Endprodukte, die sie mit den gespendeten Maismühlen herstellen, verkaufen sie und erwirtschaften so ihren Lebensunterhalt. Erst kürzlich wurde das Projekt durch den Bau eines neuen Maismehllagers erweitert. „Es ist so eine Freude,“ sagt die 43-jährige Murekezi T., Mitglied der Nyagatare Vision Cooperative, „Möge Allah euch belohnen.“

Ruanda 2014

Existenzgründung

In Kambodscha haben 150 Familien zwischen Mai 2014 und Mai 2015 einen Mikrokredit erhalten. Natürlich zinslos. Einzelhändler wie die Schneiderin Kei A. aus Phnom Penh konnten so ihre Geschäfte festigen und erweitern. „Ich habe mich so über den Mikrokredit gefreut, weil er ohne Zinsen ist und ich ihn Schritt für Schritt zurückzahlen kann“, berichtet sie.

Waisenhilfe

Waisen erhalten neben den anderen Projekten noch eine zusätzliche Hilfe. Dazu gehören Verpflegung, medizinische Versorgung und Bildung. Ihre selbst bedürftigen Verwandten sind für jede Hilfe dankbar. So wie Yasmeen, die Tante des Waisenjungen Musharaf aus Indien: „Einige meiner Lasten haben sich durch diese Ausbildungshilfe von muslimehelfen verringert. Jetzt habe ich Hoffnung, dass er eine gute Ausbildung haben wird und sein Traum, Arzt zu werden, sich erfüllen wird“.

Not- & Katastrophenhilfe

Durch einen eigenen Notfallfonds kann muslimehelfen bei Katastrophen und Notständen unmittelbar und gezielt Hilfe leisten. So konnten nach der schweren Flut in Kaschmir dort zügig neue Unterkünfte gebaut werden. Witwen, wie der 62-jährigen Jana Begum, wurde geholfen: „Mein Haus wurde zerstört. Ich hatte keinen Ort zum Leben. Durch die Gnade Gottes haben mir einige gute Leute ein Häuschen gebaut. Sie werden dafür belohnt.“ Inschallah.

Winterhilfe

In schwerzugänglichen Gebieten wird armen Gemeinden zum Jahreswechsel geholfen, wie dem Kindergarten in Rozaje, einer Stadt in Montenegro.

Die 52 Kleinkinder dort haben seit 2014 eine Heizung. Eltern wie Mersiha G. sind nun beruhigt: „Als Mutter bin ich besonders für die Heizung dankbar, weil ich mich jetzt nicht mehr sorgen muss, dass mein Kind sich dort erkältet.“ (muslimehelfen 3. Ausgabe 2015)

Diese Darstellung übergeht leider viele für muslimehelfen wichtige Projekte aus dem dritten Jahrzehnt, auf die einzugehen hier indes auch hier der Platz fehlt. Nur als Beispiele seien erwähnt Projekt Olivenbaum Gaza 2007-2009, Erdbebennothilfe Pakistan 2007-2009, Zweites Waisenhaus Bau Sri Lanka 2007/8, Waisenschule Bau Burundi 2009/10, Waisenschule Bau Garut/Indonesien 2010/11, Blindenzentrum Togo 2010, Klinik Bau Haiti 2012, Berufsbildungszentrum Bau Ruanda 2012, Blindenzentrum Bau Togo 2013.

Montenegro Winterhilfe 2014

Das vierte Jahrzehnt

Von mancherlei Widrigkeiten abgesehen, die nicht allein muslimehelfen betrafen, brachte das vierte Jahrzehnt (2015-2024) der Arbeit von muslimehelfen, zwei besondere Schwierigkeiten, die zu bewältigen waren. Einerseits machten personelle Veränderungen die Einarbeitung jüngerer Mitarbeiter, im Übrigen meist Schwestern, notwendig. Andererseits verursachten die coronabedingten Einschränkungen 2020-2023 veränderte Arbeitsweisen, vermehrten den Bedarf an Hilfsmaßnahmen aber erschwerten zugleich deren Umsetzung vor Ort und schränkten auch den persönlichen Kontakt mit den Partnern ein.

Zudem konnte muslimehelfen sich als freies, von Regierungen, Parteien und anderen Interessen unabhängiges muslimisches Hilfswerk wie schon in der Vergangenheit nicht überall betätigen, wo es notwendig und wünschenswert war. Dennoch gelang es mit Allahs Hilfe neben den üblichen Ramadan-, Kurban- und Winterhilfeprojekten weiterhin zahlreiche Hilfsmaßnahmen umzusetzen, darunter 2015 für Flüchtlinge aus Syrien in Serbien, Bosnien und im Libanon sowie für Flüchtlinge von der Krim in der Ukraine, Berufsvorbereitungszentrum Bau Indien 2016-2019, seit 2017 Unterstützung für Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar in Bangladesch, Indien und Nepal, Erweiterung der Waisenschule Burundi 2017, Krankenhauserweiterung Malindi/Kenia 2018, Waisenhilfen u.a. in Burundi, Indien, Simbabwe 2019, Betrieb des Blindenzentrums in Kadambara/Togo, zahlreiche Corona-Nothilfen in Ländern Afrikas und Asiens 2020-2021, Kleinbauernhilfe in Simbabwe 2023 und viele andere. Für die Begünstigten sind sie allesamt erfreulich, besonders bemerkenswert ist vielleicht eines der Solarprojekte 2024:

Auf den Flachdächern der beiden von muslimehelfen 2005 und 2008 erbauten Waisenhäuser in Kinniya/Sri Lanka wurden 2024 Solarmodule installiert. Die Anlagen versorgen nun die Waisenhäuser mit ihrem eigenen Elektrizitätsbedarf, und überschüssiger Strom kann in das öffentliche Netz gehen. Die Einsparungen einerseits und Einnahmen andererseits erleichtern inschallah den Betrieb beider Waisenhäuser, ein schönes Beispiel für „sadaqa dscharija“ –  eine fortwährende gute Tat.

Anlaß zur Erinnerung

Nun ist muslimehelfen also 40 Jahre geworden, ein Anlaß, daran zu erinnern, wie wir vor 40 Jahren mit dieser Arbeit begonnen haben und wo wir heute mit Gottes Hilfe sind. Anders als der Mensch hat muslimehelfen keine Eltern. Dennoch dürfen und wollen wir Allah danken und allen, die mitgeholfen haben, muslimehelfen das sein zu lassen, was es ist, den Spendern, Helfern, Partnern, Mitarbeitern und Mitgliedern, und Allah bitten, unsere Mängel und Fehler zu vergeben und weiterhin zu Allahs Wohlgefallen und zum Nutzen für die hilfsbedürftigen Menschen als Muslime Rechtschaffenes tun zu dürfen.

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Vierzig Jahre muslimehelfen Projekte

Zugehöriges Projekt

Interview mit unserer Projektmanagerin

Assalamu aleikum Schwester Kashfa, wir haben einige häufig gestellte Spenderfragen rund um unsere Kurban-Projekte und zu weiteren Themen mitgebracht, die wir gerne an Dich als Leiterin unserer Projektabteilung weitergeben wollen.

Kashfa: Wa alaikum salam, gerne. Was möchten die Spender wissen?

Was für Projekte leistet muslimehelfen anlässlich des Opferfestes?

Kashfa: Die Spender haben die Möglichkeit über muslimehelfen ein Kurban zu beauftragen, damit in unseren Projektländern Opfertiere in ihrem Namen geschächtet werden und das Fleisch an bedürftige Familien verteilt werden kann. Das ist praktisch, wenn man selbst kein Opfertier schächten kann und Arme sowie Bedürftige mit Fleisch versorgen möchte. So kann man seiner religiösen Pflicht nachgehen und gleichzeitig humanitäre Hilfe leisten. Außerdem kann man für die Verteilung von Festgeschenken spenden. Das liegt mir sehr am Herzen.

Was genau ist mit Festgeschenken gemeint?

Kashfa: Bei diesen Projekten erhalten die Bedürftigen und insbesondere Kinder neue Kleidung, die sie sich ansonsten kaum leisten könnten. Die Freude über diese Verteilungen ist daher immens. Dazu kommt der Aspekt, dass die Kleidung nicht nur für die Feiertage geeignet ist, sondern auch darüber hinaus als Alltagskleidung getragen werden kann. Spenden für Festgeschenke sind daher nachhaltig. Ein Prinzip, auf das wir bei unserer Projektplanung großen Wert legen.

Kann man gezielt für bestimmte Länder oder Regionen spenden und sich beispielsweise aussuchen, wo das Tier geopfert oder die Kleidung verteilt werden soll?

Kashfa: Nicht nur bei Projekten im Zusammenhang mit dem Opferfest, sondern grundsätzlich können Spender sich die Länder nicht aussuchen. Sie können jedoch den Zweck der Spende bestimmen, wie beispielsweise Waisenhilfe oder Sadaqa Dscharija etc. Die Wahl des Projektlandes wird dann je nach Bedarf und Umsetzungsmöglichkeit durch die Projektabteilung getroffen. Das sorgt für eine gerechtere Verteilung der Spenden und vereinfacht den ganzen Spendenvorgang.

Aber unterscheiden sich nicht auch die Kosten für die Umsetzung je nach Projektland stark?

Kashfa: Genau. Die Kosten bei den Kurbanprojekten sind teils sehr unterschiedlich. Gründe dafür sind neben den Preisen für die unterschiedlichen Tierarten auch die Marktsituationen in den jeweiligen Ländern.

Wie passt das mit einem einheitlichen Kurbanpreis zusammen und was passiert mit der Differenz?

Kashfa: Dabei sind mehrere Punkte zu beachten. So gibt es zwar Länder, in denen die Umsetzung eines Kurbanauftrags weniger als der Richtwert kostet, aber ebenso auch Länder, in denen die Umsetzung teurer ist. Durch die Zweckbindung dieser Spenden wird jeglicher Überschuss an Mitteln dennoch für diese Projektkategorie eingesetzt. Wir lassen somit mehr Tiere schächten als tatsächlich beauftragt wurden und können damit noch mehr Bedürftigen helfen. Abschließend sollte man theologisch beachten, dass die Spendenhöhe für das Opfertier sich nicht an den Kosten im Projektland richten sollte, sondern sich danach orientieren sollte, was man hierzulande bezahlt hätte, wenn man selbst schächten würde.

Können Spender dennoch erfahren, wo sie genau geholfen haben?

Kashfa: Ja, sofern der Kurbanauftrag rechtzeitig eingeht, übermitteln wir den Namen des Spenders an unseren jeweiligen Projektpartner vor Ort für die Namensnennung. Welchem Land der Kurbanauftrag letztlich zugeordnet wurde, teilen wir dem Spender im Nachgang in einer Kurban-Bestätigung per E-Mail mit.

Und wenn man erst kurzfristig vor dem Fest spendet? Was passiert dann?

Kashfa: Das stellt kein Problem dar. Auch kurzfristige Kurbanaufträge werden umgesetzt, da wir ohnehin mehr Tiere schächten lassen als beauftragt wurden. Wir können dann aus organisatorischen Gründen nur keine Namensnennung gewährleisten. Für den Lohn bei Allah ändert sich nichts, denn Allah (swt) kennt die Absicht des Spenders so oder so.

Verständlich! Hast Du noch eine persönliche Nachricht für unsere Spender?

Kashfa: Ich danke euch im Namen der Bedürftigen für eure Unterstützung. Die Projektabteilung erhält tagtäglich Nachrichten von unseren Begünstigten und wir sehen in ihren Gesichtern, welchen positiven Effekt jede einzelne Spende bewirkt. Möge Allah euch dafür reichlich belohnen und unsere humanitäre Arbeit erleichtern.

Amin, liebe Schwester Kashfa! Kann man Dir noch weitere Fragen stellen, die wir hier nicht abdecken konnten?

Kashfa: Natürlich. Unser ganzes Team steht jederzeit für die Beantwortung von Spenderfragen bereit. Einfach eine Direktnachricht in den sozialen Netzwerken hinterlassen oder uns eine E-Mail an [email protected] schicken. Die Fragen müssen auch nicht auf das Opferfest bezogen sein. 

Interview mit unserer Projektmanagerin

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