Die Begünstigten bedanken sich

Burundi – von Waisen, der Schule und Waqf

Jusuf v.Denffer

Südlich des Äquators inmitten des afrikanischen Kontinents am Tanganyika-See gelegen, befindet sich Burundi. Wie bei uns in Deutschland leben auch in Burundi die Muslime in einer Minderheit. Im Gegensatz zu uns in Deutschland sind die Lebensbedingungen für sie jedoch sehr schwer, da sie unter machtpolitischen Unruhen, kriegerischen Auseinandersetzungen und einer maroden Wirtschaftslage leiden. Die meisten Menschen in Burundi leben unterhalb der Armutsgrenze. Bei muslimehelfen ist Burundi als das ärmste Projektland aufgelistet. Seit dem Jahr 2003 werden in Burundi für die Belange der Waisenkinder Projekte als Unterstützung umgesetzt. Zu Beginn dieser Unterstützung von muslimehelfen waren AIDS und HIV leider ein sehr aktuelles Thema. Viele Kinder in Burundi sind durch den Tod ihrer Eltern daran zu Waisenkindern geworden und einige von ihnen selbst sind daran erkrankt. Aus diesem Grund stand bei der Unterstützung der Waisenkinder in Burundi von muslimehelfen von Anfang an das Wesentliche im Vordergrund: die Betreuung und Verpflegung der Waisenkinder.

Die Anzahl der Waisenkinder in Burundi ist mit den Jahren nicht kleiner geworden, ihre Situation hat sich jedoch etwas verändert. Die Waisenhilfe von muslimehelfen in Burundi ist mittlerweile fest etabliert und Projekte werden kontinuierlich umgesetzt. Neben den grundlegenden Bedürfnissen der Waisenkinder nach Betreuung und Verpflegung rückt die Bildung immer mehr in den Vordergrund. So wurde beispielsweise im Jahr 2010 in Bujumbura, der ehemaligen Hauptstadt von Burundi, ein von muslimehelfen finanziertes Waisenzentrum eröffnet. Noch im selben Jahr, im Herbst, wurden dort die ersten vier Klassen der „Muslime Helfen Primary School” (Grundschule) für den Schulunterricht eingerichtet. Mit jedem darauffolgenden Jahr wurde die Schule um eine Klasse erweitert. Im Jahr 2018 fand eine von muslimehelfen finanzierte Instandsetzung der bisherigen Räumlichkeiten statt und das Gebäude des Waisenzentrums wurde für den Schulbetrieb der „Muslime Helfen School“ nun bis zur neunten Klasse ausgebaut.

Aktuell werden durch zwei fortlaufende größere Projektumsetzungen von muslimehelfen die Waisenkinder in Burundi unterstützt: die Waisenhilfe und der Schulbetrieb der Muslime Helfen School. Bei beiden Projekten ist der seit 2008 aktive und gut arbeitende Partner in Bujumbura stets ein verlässlicher Ansprechpartner, denn beide Projekte laufen seit 15 Jahren durchgehend und ohne Unterbrechung bei muslimehelfen. Die aktuelle Waisenhilfe von muslimehelfen in Burundi ist vielseitig und umfasst die Finanzierung von Lebensmitteln, Schulgebühren, Gesundheitskosten und Betreuung für die Waisenkinder. So erhielten über das Jahr 2025 verteilt 400 Waisenkinder mit ihren Familien insgesamt je 72 kg Reis, 72 kg Bohnen und 24 kg Zucker. Für rund 70 Waisenkinder, die nicht die Muslime Helfen School besuchen, sondern an anderen Schulen am Unterricht teilnehmen, wurden die Schulgebühren bezahlt. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr auch für 900 Waisenkinder die Kosten für ärztliche Behandlungen und medizinische Versorgung übernommen. Das Mädchenwaisenhaus Kiyange bei Bujumbura wurde im vergangenen Jahr mit 5.400 kg Reis, 3.600 kg Maniokmehl, 2.520 kg Bohnen, 360 l Speiseöl und 750 kg Zucker versorgt. Dies reicht für etwas mehr als 60 Waisenkinder. In der Waisenhilfe von muslimehelfen in Burundi sind auch die Kosten für die Betreuung der Waisenkinder und ihrer Familien enthalten. Beispielsweise kümmern sich eine Krankenschwester, eine Sozialarbeiterin oder auch Mitarbeiter unseres Partners direkt und regelmäßig um das Wohl der Waisenkinder und ihrer Familien und stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Burundi: Lebensmittel für Waisenhilfe.

Der Schulbetrieb der Muslime Helfen School in Bujumbura ist das andere große und langfristige Projekt von muslimehelfen in Burundi. In dieser Schule können sich die Waisenkinder in einer angenehmen und sicheren Umgebung auf das Lernen konzentrieren. In Burundi gibt es eine neunjährige obligatorische Schulzeit. Die Schule verfügt seit ihrer Instandsetzung und Erweiterung im Jahr 2018 über Klassenzimmer für die Klassen 1 bis 9. Zu den Schulfächern gehören die Landessprache Kirundi und weitere Sprachen wie Französisch, Englisch und Kiswahili, aber auch Mathematik sowie in den höheren Klassen Gesellschaftskunde, Chemie, Biologie, Physik und Technik. Neben dem Schulunterricht werden die Schulkinder täglich mit warmen Mahlzeiten versorgt. Die laufenden Kosten für den Schulbetrieb werden von muslimehelfen finanziert, darunter sind Lebensmittel für das Schulessen, Schulmaterial und Schuluniformen für rund 250 Schulkinder, Gehälter für elf Lehrkräfte und weiteres Schulpersonal, Strom- und Wasserrechnungen, die Miete für die Küche, Löhne für die Köche und weitere Helfer sowie administrative Ausgaben.

Burundi: Im Innenhof der Muslime Helfen School in Bujumbura.

Wenn man Nachrichten wie die des 11-jährigen Issa liest: „Assalam Alaikum Warahmatullah Warabarakatuh. Ich bin Issa und ich danke Euch, dass Ihr mir die Chance gegeben habt, an der Muslime Helfen School zu lernen! Wir bekommen kostenloses Essen, können kostenlos lernen und auch die Behandlungen sind kostenlos. Wir danken Euch von unseren Herzen und beten dafür, dass Ihr uns und noch vielen anderen wie uns weiterhelft.,” dann wird deutlich, welche Bedeutung die Muslime Helfen School in Bujumbura für die Waisenkinder hat. Die Schule ist für die Waisenkinder nicht nur ein Ort des Lernens, sondern fast schon wie ein zweites Zuhause geworden, an dem sie gerne Zeit verbringen. Für muslimehelfen war es ein großes Anliegen, die Waisenhilfe in Burundi auch vor Ort mit eigenen Mitteln zu unterstützen.

Burundi: Das im Jahr 2011 errichtete Lagerdepot in Rugombo.

Ein paar Monate nach der Eröffnung des Waisenzentrums in Bujumbura und kurz nach Beginn des ersten Schuljahres für die ersten vier Klassen an der Muslime Helfen School erwarb muslimehelfen im Jahr 2010 drei Grundstücksflächen für die agrarwirtschaftliche Nutzung und übergab sie dem Partner vor Ort als Waqf-Land. Im darauffolgenden Jahr 2011 finanzierte muslimehelfen auch den Bau eines Lagerdepots zur Aufbewahrung der Ernteerträge. Ziel der beiden Projekte war es, durch die agrarwirtschaftliche Nutzung des Waqf-Landes Einnahmen zu erzielen und damit einen Beitrag zur Unterstützung der Waisenhilfe und des Schulbetriebs der Muslime Helfen School zu leisten.

Bereits drei Jahre nach Erhalt des Waqf-Landes war es unserem Partner möglich, das Jahresgehalt zweier Lehrer der Muslime Helfen School selbstständig zu finanzieren. Seit 2019 beteiligt er sich an der Zahlung der Jahresgehälter von sechs der 17 angestellten Lehrkräfte der Muslime Helfen School. Er versucht, sich auch an den weiteren Kosten der Schule zu beteiligen und die Einnahmen aus dem Waqf-Land direkt für die Waisenhilfe zu nutzen. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage im Land ist dies nicht leicht zu bewältigen, aber immerhin ist es gelungen, mit den verfügbaren Mitteln selbstständig einen Beitrag zur Unterstützung der Waisenkinder zu leisten …

… Im Oktober 2025 hatte ich im Rahmen einer Projektreise nach Burundi, Ruanda und in die Demokratische Republik Kongo die Gelegenheit, mir vor Ort ein aktuelles Bild von Burundi und den dort umgesetzten Projekten zu machen. Einige der dargelegten Informationen über Burundi und die dort umgesetzten Projekte waren mir durch meine Arbeit als Projektadministrator bei muslimehelfen bereits bekannt. Ich war aber auch auf neue Details und Situationen gespannt, die mir zuvor nicht bekannt waren. Die Verhältnisse in Burundi sind nicht gut. Die oft erlebten Motive der sehr langen Autoschlangen vor leeren Tankstellen und der vielen Fahrräder, die mit meist zwei senkrechten Holzpfählen auf dem Gepäckträger montiert waren, um daran größere Gegenstände oder auch Personen zu transportieren, verdeutlichten diesen Eindruck noch mehr. Normalerweise verbrachte ich die Abende während einer Projektreise im Hotelzimmer damit, mir Notizen für den nächsten Tag zu machen, Nachrichten nach Hause zu schicken und dem Büroteam von den Neuigkeiten der Projektreise zu berichten. In Burundi war mir das aufgrund der häufig auftretenden Stromausfälle jedoch nicht möglich. Eines Abends saß ich wieder im Dunkeln im Hotelzimmer. Ich merkte, dass nicht einmal von außen das Licht der Straßenlaternen hereinschien, da das gesamte Viertel um das Hotel vom Stromausfall betroffen war. Von solchen Verhältnissen war ich zuvor noch nie direkt betroffen gewesen, aber für ein paar Nächte würde ich damit schon zurechtkommen. Die Menschen in Burundi müssen jedoch ständig damit zurechtkommen, wenn die Stromausfälle nicht nur nachts, sondern auch tagsüber mehrere Stunden andauern und so vieles im Lebensalltag zum Erliegen kommt.

Burundi: Eine große und eine kleine Ölpalmenfrucht.

In Burundi besuchte ich mit dem Team unseres Partners die drei Grundstücke, die vor 15 Jahren von muslimehelfen erworben wurden. Nach einer 90-minütigen Autofahrt von Bujumbura aus erreichten wir den Ort Rugombo, wo sich das erste Stück Land befindet. Wir hielten neben dem im Jahr 2011 von muslimehelfen errichteten Lagerdepot für die Ernteerträge an. Es befindet sich an der Zufahrt zu einem Ölpalmenfeld. Das Lagerdepot war bereits leer, da die Ernte verkauft worden war. Am Boden des Lagers befanden sich aber hier und da noch kleine Haufen Erntereste. Ich pickte mir einige Früchte heraus, um sie mir genauer anzuschauen. Das Team unseres Partners bemerkte, was ich getan hatte, und erklärte mir, dass die Ernte in diesem Jahr nicht die beste gewesen sei und sich die Qualität der Ölpalmenfrüchte erheblich unterschied. In meiner Hand konnte ich diesen Unterschied sehen, da ich zwei unterschiedlich große Ölpalmenfrüchte aufgehoben hatte. Die größere der beiden Früchte war fast dreimal so groß wie die kleinere.

Burundi: Die Ölpalmen auf dem vor 15 Jahren erhaltenem Waqf-Land in Rugombo.

Das Team des Partners fuhr mit seiner Erklärung fort: Vor 15 Jahren hatte man auf dem Waqf-Land Ölpalmen gepflanzt. Der Erlös aus dem Verkauf der Ernteerträge hatte nicht nur ausgereicht, um einen Teil der Lehrergehälter der Muslim Helfen School zu finanzieren, sondern auch den Kauf eines Schulbusses und den Erwerb eines zweiten Feldes für die Anpflanzung weiterer Ölpalmen ermöglicht. Diese zusätzlichen Informationen über den Schulbus und das zweite erworbene Feld hatte ich in unseren Projektunterlagen so nicht vorgefunden. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass es sich beim Ölpalmenfeld am Lagerdepot, um das vor 15 Jahren erhaltene Waqf-Land handelte. Tatsächlich handelt es sich jedoch um das zweite erworbene Ölpalmenfeld unseres Partners. Nach der Besichtigung des Lagerdepots gingen wir noch etwa 200 Meter durch das schattige Ölpalmenfeld weiter, vorbei an einem brachliegenden Feld, zu dem Ölpalmenfeld, dem ersten Stück Waqf-Land, das muslimehelfen damals an unseren Partner übergeben hatte. Erst jetzt fiel mir der Unterschied zu dem zuvor besichtigten Ölpalmenfeld beim Lagerdepot auf. Die Stämme der Ölpalmen waren dicker, aber kürzer, und der Boden um die Palmen herum war von Gräsern und weiteren Pflanzen bedeckt. Hier stammte also die größere Ölpalmenfrucht her, die die Grundlage für die Lehrergehälter, den Schulbus und das zweite Ölpalmenfeld beim Lagerdepot bildete. Diese Eindrücke und Erkenntnisse kann man nicht bei der Aktenschau der Projektunterlagen oder im E-Mail-Verkehr erlangen. Das ist nur möglich, wenn man vor Ort ist und der Partner einem die gesamte Entwicklung persönlich schildern kann.

Gemeinsam haben wir uns noch die beiden weiteren zwei Stücke Waqf-Land in der Umgebung von Rugombo angeschaut. Auch darüber könnte ich noch einiges erzählen, aber ich möchte die Aufmerksamkeit auf eine wichtige Angelegenheit aus der Reise nach Burundi lenken. In Burundi habe ich mehrere Waisenhäuser sowie die Muslime Helfen School mit seinen neun Schulklassen, 250 Schülern, 17 Lehrkräften und weiterem Schulpersonal besucht und die dort anwesenden Begünstigten getroffen. Insgesamt entsprachen die erlebten Eindrücke und Erfahrungen den Informationen aus den Projektunterlagen. Etwas Wichtiges war den Projektunterlagen jedoch nicht zu entnehmen und ist mir erst vor Ort aufgefallen. Sowohl beim Besuch der Waisenhäuser als auch bei dem am darauffolgenden Tag erfolgten Besuch der Muslime Helfen School wurde erst am späten Nachmittag die Stromversorgung wiederhergestellt. Das bedeutete, dass während meines Besuchs bei den Waisenkindern in den Waisenhäusern und bei den Schulkindern in der Muslime Helfen School vom frühen Vormittag an bis zum späten Nachmittag kein Strom zur Verfügung stand. Das sind wirklich extrem schwere Lebensbedingungen, und ich habe großen Respekt davor, wie die Betroffenen damit umgehen.

Zuletzt möchte ich den Blick erneut auf die Eröffnung des Waisenzentrums und der heutigen „Muslime Helfen School” in Bujumbura am 19. August 2010 richten. Damals konnten alle eingeladenen Gäste und Teilnehmer der Eröffnung erst nach dem Abendgebet gemeinsam etwas essen und trinken, da der Ramadan 1431 wenige Tage zuvor begonnen hatte.

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Burundi – von Waisen, der Schule und Waqf

Zugehöriges Projekt

Berichte und Erfahrungen aus den Projektreisen – Malawi und Kenia

Jusuf v.Denffer
Malawi: Wärmende Decken für die Begünstigten, 2025.

In diesem Jahr, 2025, hat alhamdulillah das Reisen zu den Partnern und den Begünstigten der Projekte von muslimehelfen im Ausland wieder begonnen. Darauf bin ich bereits in unserer letzten Ausgabe bei den Schilderungen zu den Dörfern Linge und Penaron in Aceh, Indonesien, eingegangen. Neben Indonesien hat die Projektabteilung von muslimehelfen aber auch Reisen nach Bosnien, Pakistan, Südafrika, Malawi, Simbabwe, Kenia und Tansania unternommen. Ziel der Reisen war es, sich vor Ort ein eigenes Bild von den Lebensumständen der Begünstigten und den Bedingungen für die Projektumsetzungen zu machen. Wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass die Reisen nach Bosnien und Pakistan von unserer Projektmanagerin Schwester Kashfa Butt durchgeführt wurden (auf S. 12-14) und ich die übrigen Reisen zu den afrikanischen Ländern getätigt habe. Die Reisen und Schilderungen darüber könnten allein bereits eine gesamte Ausgabe füllen. Doch ich möchte den Blick wesentlich auf zwei Länder und bestimmte Projektumsetzungen dort lenken: Malawi und Kenia.

Malawi wurde gemeinsam mit den Ländern Südafrika und Simbabwe im Monat Juli von mir besucht, als auf der Südhalbkugel Winter war. Anders als in unserem europäischen Winter mit Schnee, Eisregen und Minusgraden hat man es in den drei Ländern des südlichen Afrikas mit anderen Herausforderungen zu tun. Die Monate Juli und August sind in diesem Sinne die kältesten Monate des Jahres, da es zwar tagsüber bei Sonnenschein 20 Grad erreichen kann, die Temperaturen nach Sonnenuntergang jedoch beständig unter 10 Grad sinken. Die Tage sind im Winter wie bei uns von einer kurzen Tageslichtdauer geprägt und die niedrigen Temperaturen halten meistens länger als zwölf Stunden an. Zudem besitzen viele Menschen keine beheizte Unterkunft und werden bei den anhaltend niedrigen Temperaturen schnell krank. Einen Arztbesuch und die Einnahme von Medikamenten können sich nicht alle Betroffenen leisten, sodass sie krank bleiben und das führt leider oft zu Todesfällen.

Seit einigen Jahren setzt muslimehelfen in diesen drei Ländern Winterhilfe-Projekte mit seinen Partnern um (auf S. 5), bei denen wärmende Decken und teilweise auch wärmende Kleidungsstücke an Bedürftige verteilt werden. So bleibt den Betroffenen zumindest während der langanhaltenden kalten Tagesabschnitte die Wärme erhalten und sie können Erkrankungen vermeiden. In Malawi, Südafrika und Simbabwe konnte ich im Juli dieses Jahres bei den Verteilungen der wärmenden Decken vor Ort anwesend sein und mir so einen direkten Eindruck von den Lebensbedingungen der Begünstigten verschaffen.

Neben der Verteilung von Decken durch die Winterhilfe war Malawi auch deswegen interessant, weil muslimehelfen dort in den letzten fünf Jahren gemeinsam mit seinem Partner das Projekt zur Kleinbauernhilfe umgesetzt hat. Abgesehen von kleinen Unterschieden bestand das Projekt darin, die zu unterstützenden Kleinbauern mit Saatgut und Dünger zu versorgen, damit sie Mais für sich und ihre Familien anbauen und von den Ernteerträgen leben können. Der Mais ist ein Grundnahrungsmittel in Malawi, aber seit Jahren herrscht dort eine anhaltende Dürre, die die übliche Bewirtschaftung der Maisfelder sehr erschwert bis unmöglich macht. Die schwierige wirtschaftliche Lage des Landes und eine hohe Inflationsrate verhindern zusätzlich, dass sich die Kleinbauern den Kauf von Saatgut und Dünger überhaupt leisten können. Angesichts dieser Schwierigkeiten war die Kleinbauernhilfe von muslimehelfen in den letzten Jahren eine der wenigen Möglichkeiten, eine ausreichende Maisernte zu gewährleisten.

Malawi: Dünger und Saatgut für die Kleinbauern und ihre Familien, 2024.

Im Dezember 2024 konnten 85 Kleinbauernfamilien im Distrikt Kasungu in Malawi mit je 5 kg Maissamen sowie je 50 kg NPK- und UREA-Dünger unterstützt werden. Dadurch war es ihnen möglich, ihren Lebensunterhalt durch den Maisanbau und die anschließende Ernte zu sichern. Wenn man dann die Worte der 33-jährigen Dorothy liest: „Vielen Dank, dass ihr mir Samen und Dünger gegeben habt. Möge Allah Euch leiten und Euch das Beste in diesem und im nächsten Leben gewähren.“, spürt man ihre tiefe Dankbarkeit und weiß zugleich, dass die Kleinbauern in Malawi auf diese Unterstützung wirklich angewiesen sind. 

Ich wollte die Reise nach Malawi nutzen, um die Kleinbauern zu treffen und einen Einblick zu erhalten, wie die letzte Maisernte für sie ausgefallen war. Am 3. Juli 2025 kam ich gemeinsam mit unserem Partner aus Malawi nach einer 90-minütigen Autofahrt um 9:02 Uhr im Dorf Santhe im Distrikt Kasungu an. Dort waren im Dezember 2024 Saatgut und Dünger an die Kleinbauern verteilt worden und wir wurden bereits von den Dorfbewohnern erwartet. Der Dorfälteste Jackson hieß uns im Namen des Dorfes herzlich willkommen. Nach einem Austausch über die Verteilung im vergangenen Dezember bedankten sich die begünstigten Kleinbauern und baten zugleich darum, auch für die nächste Aussaat wieder Saatgut und Dünger zu erhalten. Anschließend begaben wir uns auf die umliegenden Felder. Wie erwartet lagen die Felder brach, da die Ernte bereits vor einigen Monaten eingefahren worden war. Trotzdem war ich etwas erstaunt über den Zustand der Felder, da sie aufgrund der Dürre sehr ausgetrocknet waren.

Nun wollte ich wissen, wie die Ernte ausgefallen war, und bat einige Kleinbauern, mir die Bestände in ihren Häusern zu zeigen. Jackson war sehr bereitwillig, mir seine Ernte zu zeigen und mir Auskunft zu geben. Bei ihm zu Hause angekommen, zeigte er mir zwei 50-kg-Säcke mit Maiskolben und zwei weitere mit geschroteten Maiskernen. Gewöhnlich erntete er vier Säcke zu je 50 kg, bevor er die Unterstützung von muslimehelfen erhielt. In diesem Jahr war es ihm möglich gewesen, zwölf Säcke Mais zu je 50 Kilogramm zu ernten. Davon hatte er bereits acht Säcke für den Lebensunterhalt seiner erwachsenen Kinder, weiterer Verwandter, für sich und seine Frau verwendet. Bis zur nächsten Ernte im Frühjahr würden die vier übrigen Säcke ausreichen, die zuvor eine ganze Jahresernte gewesen waren und zum Leben nicht ausgereicht hatten. In diesem Jahr konnte er sogar seine Verwandten unterstützen – alhamdulillah, diese Ernte war wirklich gut für Jackson.

Malawi: Ein brachliegendes Feld während der anhaltenden Dürre in Santhe.
Malawi: Maiskolben aus der Ernte.

Bei einem weiteren Kleinbauern konnte ich Ähnliches beobachten. Zuvor, so teilte er mir mit, war er ohne die Unterstützung von muslimehelfen in der Lage gewesen, 20 Säcke zu je 50 kg Mais zu ernten. Das reichte für ihn und seine Familie aber kaum zum Leben aus. In diesem Jahr konnte er 60 Säcke Mais zu je 50 kg ernten – maschallah diese Ernte war wirklich reichlich. Bei meinem kurzen Besuch in Santhe konnte ich nicht alle begünstigten Kleinbauern besuchen. Die stichprobenartige Durchsicht der Ernteerträge lieferte mir jedoch Zahlen, die wir in der Projektabteilung von muslimehelfen zuvor nicht hatten, und gewährte uns einen zusätzlichen Einblick, wie wirkungsvoll und hilfreich die Kleinbauernhilfe von´muslimehelfen in Malawi doch gewesen ist.

Malawi: Maiskerne aus der Ernte.

Im August dieses Jahres besuchte ich unseren Partner in der kenianischen Küstenstadt Malindi, um über die Projektumsetzungen und die Situation der Begünstigten vor Ort zu erfahren. Die Zusammenarbeit mit unserem Partner in Kenia besteht seit dem Jahr 2000 und 25 Jahre Unterstützung der Bedürftigen in Kenia sind, maschallah und alhamdulillah, eine beachtliche Zeit! Wie bereits in den vergangenen Ausgaben geschildert, ist das Tawfiq Hospital in Malindi für muslimehelfen ein langfristiges Projekt. Während meines Besuchs in Malindi hatte ich die Gelegenheit, das Tawfiq Hospital zu besichtigen. Ich war wirklich vom Ausmaß der vorhandenen medizinischen Versorgungsmöglichkeiten beeindruckt.

Kenia: Außenansicht auf das Tawfiq Hospital in Malindi.
Kenia: Im Behandlungsraum für die Chemotherapie im Tawfiq Hospital in Malindi.

In mehreren miteinander verbundenen, vierstöckigen Gebäuden sind neben der Anmeldung und einer eigenen Hausapotheke zahlreiche unterschiedliche Kliniken und Stationen untergebracht. So befinden sich eine Zahnklinik, eine Augenklinik, eine chirurgische Abteilung, eine allgemeine Arztpraxis, eine gynäkologische Abteilung, eine Entbindungs- und Neugeborenenstation, eine MutterKind-Station, eine Krebsstation, eine Dialysestation, eine Physiotherapieabteilung, eine Röntgenabteilung, mehrere Operationssäle sowie eine Notaufnahme mit einem Krankenwagen auf dem Gelände des Tawfiq Hospitals. In vielen dieser Bereiche hat muslimehelfen in den letzten Jahren zahlreiche medizinische Geräte, Instrumente, Zubehör und den Krankenwagen wie auch die Einrichtung von Kliniken und Stationen finanziert und somit wesentlich zur medizinischen Versorgung in Malindi und Umgebung beigetragen.

Daneben hat in den letzten fünf Jahren die Bedeutung der Hungerhilfe bei den Projekten in Kenia zugenommen. Die Begünstigten erhalten Lebensmittelpakete, da sie aufgrund von Naturkatastrophen wie Überflutungen und anhaltender Dürren ihre Dörfer verlassen mussten und sich als Viehzüchter und Bauern nicht mehr selbst versorgen können. Bei den Begünstigten handelt es sich oft um Dorfbewohner, die von der Regierung umgesiedelt wurden. Während meines Besuchs in Kenia hatte ich die Gelegenheit, einige dieser Begünstigten im Ort Minjila im Tana River Distrikt zu treffen. Unser Partner in Kenia hat dort auf Anfrage der umgesiedelten Dorfbewohner während einer Verteilung der Hilfsgüter für die Hungerhilfe zwei kleine Moscheen und zwei Brunnen errichtet. 

Am Freitag, dem 22. August, wusch ich mir in Minjila am Brunnen neben der Al Thureya Moschee die Hände. Das Team unseres kenianischen Partners hatte mich bereits vorgewarnt, dass das Wasser an diesem Brunnen salzig ist und sich zwar für die Gebetswaschung, jedoch nicht als Trinkwasser eignet. Während ich mir die Hände wusch, probierte ich etwas von dem Wasser. Tatsächlich war es sehr salzig und als Trinkwasser ungeeignet. Bevor das Freitagsgebet begann, wollte ich noch mit Bruder Mohamed sprechen. Er untersucht im Auftrag der kenianischen Regierung die Lebensbedingungen der umgesiedelten Dorfbewohner und die klimatischen Verhältnisse im Tana River Distrikt.

Zunächst bedankte er sich für die seit fünf Jahren geleistete Unterstützung von muslimehelfen bei der Hungerhilfe in den verschiedenen Regionen Kenias. Er fügte hinzu, dass für die nächsten Unterstützungsmaßnahmen von muslimehelfen bei der Hungerhilfe neben der Bereitstellung von Lebensmitteln auch die Bereitstellung von Medikamenten dringend erforderlich ist. Zwar habe die Dürre in diesem Jahr eine kleine Pause eingelegt, für die kommenden Jahre verhießen die klimatischen Prognosen jedoch nichts Gutes und man müsse mit einer sehr langen und schwerwiegenden Dürre rechnen. Mit diesen
Informationen begab ich mich zum Freitagsgebet. Im anschließenden Gespräch mit den Begünstigten waren Lebensmittel und Medikamente erneut ein Thema. 

Auch von der Noor Al Islam Moschee, der anderen Moschee in Minjila, wurden wir zu einem Gesprächsaustausch mit den Begünstigten gebeten. Ich sprach die benötigten Lebensmittel und Medikamente für die nächste Unterstützung von muslimehelfen bei der Hungerhilfe an. Einer der Begünstigten entgegnete mir freundlich: „Das Wasser am Brunnen hier können wir nicht trinken. Lebensmittel und Medikamente sind auch wichtig, aber ohne Trinkwasser können wir hier nicht lange bleiben.“ Ich bedankte mich sofort für diesen wichtigen Hinweis und gab ihm voll und ganz recht. Als Begünstigter und direkt
Betroffener wusste er am besten, was am dringendsten zu tun war und welche Unterstützung muslimehelfen leisten sollte. Zwar hatte ich vor dem Freitagsgebet das salzige Wasser probiert, allerdings war aber mir dabei noch nicht das gesamte Ausmaß der Auswirkungen für die Betroffenen vor Ort klar.

Kenia: Der Brunnen bei der Al Thureya Moschee in Minjila.

Mit diesen Eindrücken und Berichten möchte ich das Erlebte auf den Projektreisen wiedergeben und gleichzeitig aufzeigen, wie wertvoll und nützlich die gemachten Erfahrungen aus den direkten Gesprächen mit den Partnern und insbesondere mit den Begünstigten für die Vorbereitung und Umsetzung von Projekten bei muslimehelfen sind. Dies ist jedoch nur möglich, wenn Reisen zu den Partnern und Begünstigten vor Ort stattfinden, bei denen solche
Gespräche und Erkenntnisse entstehen. Die nächsten Reisen sind auch schon in der Planung und inschallah können mir die Begünstigten vor Ort dann wieder verdeutlichen, was für eine Hilfe sie konkret benötigen.

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Berichte und Erfahrungen aus den Projektreisen – Malawi und Kenia

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