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Albanien

Hoffnung für Kinder und Frauen in Gerdec

Jenseits der Hauptverkehrsstraße nach Durres, etwa sechs Kilometer nordwestlich von Tirana, liegt Gerdec, ein kleines Dorf, eingebettet in einem Tal zwischen den vielen Erhebungen der albanischen Alpen.

 

Im Kindergarten des Zentrums werden teilweise verwaiste Kinder täglich betreutLupe
Im Kindergarten des Zentrums werden teilweise verwaiste Kinder täglich betreut

Am 15. März vergangenen Jahres explodierte hier ein amerikanisches Munitionslager. Experten suchen die Ursache der Katastrophe im menschlichen Versagen: Vermutlich war es zu Fehlern bei der Entschärfung alter Munition gekommen. Als sich das Unglück ereignete, war es gerade Mittag, das Lager mitten im Betrieb. Hunderte Menschen wurden damals verletzt, Dutzende verloren ihr Leben, darunter auch zahlreiche Frauen und Kinder.

Gerdec zählt knapp 1.200 Einwohner. Die meisten Bewohner dieses kleinen Ortes haben keinen festen Arbeitsplatz. Vor allem ältere Dörfler sind auf finanzielle Hilfe von außen angewiesen. Oftmals sind Gelder ihrer auswärts lebenden Kinder ihre einzige Einkommensmöglichkeit. Unter der jüngeren Generation sind für gewöhnlich Männer für das Familieneinkommen zuständig. Dennoch reicht dieses häufig nicht aus, um die monatlichen Bedürfnisse ihrer Familien zu decken. Es mangelt an allen Ecken.

Diese Armut war es auch, die zahlreiche Frauen und Jugendliche genötigt hatte, im Lager zu arbeiten: Frauen, weil sie sonst nicht im Stande wären, ihre Familien zu ernähren und Jugendliche, um ihren armen Eltern bei der Durchbringung ihrer Familie unter die Arme zu greifen. Dies geschah stets schwarz und ohne das nötige Fachwissen im Umgang mit Sprengstoffen. Bei der Explosion wurden zehn Frauen in den Tod gerissen, insgesamt starben 28 Menschen.

Auf unmittelbare Initiative unserer Partner, der albanischen Hilfsorganisation „Vizion O.J.F.“, leitete muslimehelfen im Mai ein Projekt zur Unterstützung hinterbliebener Opfer ein. Nach einer kurzen Vorbereitungsphase konnte im Juni der Bau eines dorfeigenen Zentrums begonnen werden, das vielfältige Aufgaben bei der Unterstützung bedürftiger Kinder und Frauen in Gerdec übernehmen sollte. Und alhamdulillah, mit Allahs Hilfe gelang es, den Bau nach nur wenigen Monaten fertig zu stellen. Die Dorfbewohner beteiligten sich fleißig und unterstützten das Projekt nach Kräften und Möglichkeiten, sei es auch nur durch das Hin- und Hertragen von Baumaterial. Anfang Dezember wurde das „Haus der Hoffnung“ in Anwesenheit zweiter mh-Mitarbeiterinnen feierlich eingeweiht. Am 15. Dezember nahm es schließlich seine Arbeit auf.

Das 100 Quadratmeter große Gebäude ist zentral im Dorf gelegen und von allen Seiten gut erreichbar. Es steht unmittelbar neben der Dorfschule, die bei der Katastrophe - wie auch viele andere Häuser - in Mitleidenschaft gezogen und seitdem außer Betrieb ist. Der Bau enthält drei funktionell getrennte Räumlichkeiten. Neben einer psychologischen Praxis zur posttraumatischen Behandlung der Hinterbliebenen steht eine Räumlichkeit für diverse Bildungskurse bereit. Hier werden unter anderem Handarbeits-, Computer- und Sprach-Kurse abgehalten. So haben hier beispielsweise Frauen, die bei der Katastrophe ihre Ehemänner und damit jegliche Einkunftsquellen verloren haben, die Möglichkeit, Fähigkeiten zu erwerben, mit denen sie kleinere Arbeiten verrichten und sich ein wenig Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen können. Auch erhalten Jugendliche und Schulkinder, darunter auch Waisen, hier zusätzliche Qualifikationen, die für ihr späteres Arbeitsleben von Nutzen sein können. Schüler, denen Mittel fehlen, um die Schule zu besuchen, erhalten im Zentrum kostenloses Schulmaterial. Für die Kleinen und zum teil Verwaisten ist ein Kindergarten eingerichtet worden. Zusätzlich wird in der hauseigenen Küche für sie täglich frisches Essen gekocht.

Derzeit profitieren etwa 140 Menschen vom Projekt.

mh finanzierte den Bau mit 24.000 Euro. Der gegenwärtige Betrieb des Zentrums wird mit 12.000 Euro unterstützt.

ALBA56701-01P08,ALBA56701-02P08
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