Das Fest der Freude
... Jeder Muslim weiß, dass der Ramadan der wichtigste Monat im islamischen Jahr ist. Gott sagt über diesen Monat im Koran: „Der Monat Ramadan ist der, in welchem der Koran herabgesandt wurde als eine Weisung für die Menschheit mit deutlichem Beweis der Leitung und Unterscheidung!“ (2:185)
Darüber hinaus glauben wir Muslime, dass mit dem im Monat Ramadan geoffenbarten Gesetz die gesamte Menschheit das Geschenk einer natürlichen Ordnung von Gott erhalten hat. Bis zum heutigen Tag gibt es keine einleuchtendere Gesetzgebung, die alle Aspekte menschlichen Seins umfasst. Die Verschiedenheit rassischer und völkischer Mentalität ist in der islamischen Weltordnung eingeschlossen, die Menschen aller Kontinente sind von Geburt her eigentlich Brüder und Schwestern im Islam.
Der vergangene Monat stand besonders deutlich im Zeichen des göttlichen Wortes: „Ich bin nahe. Ich antworte dem Gebet des Bittenden, wenn er zu MIR betet . So sollen sie auf MICH hören und an MICH glauben, auf dass sie den rechten Weg wandeln mögen!“ (2:186)
Die Gemeinschaft aller fastenden Muslime hatte während dieser Zeit aber auch gleichzeitig genug Gelegenheit, sich auf das höchste und größte Fest, das Fest des Fastenbrechens zu freuen. Unsere Religion gibt bekanntlich der Freude – auch der an den irdischen Dingen dieser Welt – einen weiten Raum in ihren Lehren. Dieser Umstand hat oft genug dazu geführt, dass der Islam missverstanden worden ist.
Tatsächlich betont der Islam den Wert der Askese bei weitem nicht in dem Maß, in dem es andere religiöse Lehren für richtig halten. Wir Muslime sind jedoch zu sehr Kinder dieser Welt, als dass wir die Gaben Gottes – auch die materieller Art – nicht mit Freuden genießen würden. Ja, wir sind stolz darauf, das ohne Hemmungen und Verkrampfung tun zu können. Deshalb feiern wir auch das Fest des Fastenbrechens mit der ganzen Vitalität, die uns zur Verfügung steht.
Alles was Küche und Keller in diesen Tagen hergeben, wollen wir uns und unseren Freunden zum Lobe Gottes gönnen. Die schönsten Kleider ziehen wir uns an und die fröhlichsten Lieder singen wir in dem Bewusstsein, Gottes Liebe erfahren zu haben. Mit Geschenken wollen wir den Menschen, die unserem Herzen am nächsten stehen, besonders gut sein. Und in diesen Tagen sollen unserem Herzen ja alle Brüder und Schwestern im Islam am nächsten stehen. Keine Tränen sollen fließen, kein Leidtragender ungetröstet aus unserem Hause gehen.
Das Fest des Fastenbrechens gilt uns Muslimen auch als das Fest der Versöhnung. In der Hochstimmung gemeinsamer Festfreude läst sich so manche alte Schuld wieder gut machen. Lang gehegter Groll gegen einen Mitmenschen sollte in diesen Tagen endgültig begraben werden. Unsere Seelen müssen frei sein von Hass und Zorn für die kommende Zeit des Jahres, die manchem sicherlich genug Sorgen und Kummer bereithält. Die Freude, die uns jetzt ganz erfüllt, wird dann auch das übrige Jahr ausstrahlen und selbst trüben Tagen noch etwas von ihrem festlichen Glanz mitgeben.
Nehmen wir also bitte eine Verpflichtung mit in die kommende Zeit: Froh sein und Freude machen, dann wird Gottes Gnade nicht ausbleiben.
Inschallah!
Aus: Al-Islam, Ramadan 1379 n. H., 1960 n.Chr.
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