KAPITEL 217
Die Pflicht im Ramadan zu fasten, seine Tugendhaftigkeit und Themen, die in Bezug dazu stehen
Hadith 1215
Abu Huraira (r)berichtete, dass der Gesandte Allahs (s) gesagt hat: „Allah, erhaben ist Er, sagte: ‚Jede gute Tat des Sohnes Adams tut er für sich und sie wird entsprechend belohnt, außer dem Fasten, denn es ist für Mich, und Ich gewähre die Belohnung dafür.’
Das Fasten ist ein Schutz. Wer fastet, soll keine ungehörigen Reden führen und sich nicht ungehalten verhalten. Und wenn jemand gegen einen Fastenden vorgeht oder ihn beleidigt, soll dieser sagen: „Ich faste!“ Bei Dem, in Dessen Hand meine Seele ist! Der Mundgeruch des Fastenden ist noch angenehmer als der Duft von Moschus. Dem Fastenden stehen zwei Freuden bevor: Wenn er sein Fasten bricht, freut er sich, und wenn er seinem Herrn begegnet, freut er sich über sein Fasten.“
(Buchari, Sawm 9; Muslim, Siyam 163)
Die aufgeführte Version ist eine wörtliche Version von Buchari. In einer anderen Version von ihm (Sawm, 3) steht auch: „Denn mir zuliebe verzichtet er auf Essen und Trinken und auf geschlechtliche Begierden. Das Fasten ist für Mich, und Ich werde es vergelten, und die gute Tat wird zehnfach belohnt werden.“
Laut einer Version von Muslim (Siyam 164) heißt es: „Jede gute Tat des Sohnes Adams wird zehn- bis sieben hundertmal vervielfacht. Allah, der Erhabene, sagte: ‚Mit Ausnahme des Fastens, denn es ist für Mich, und Ich werde es (entsprechend) vergelten. Der Fastende verzichtet Meinetwegen auf seine Begierden und auch auf sein Essen.’ Dem Fastenden stehen zwei Freuden bevor: Eine Freude beim Fastenbrechen und eine Freude bei der Begegnung mit seinem Herrn, und wahrlich der Mundgeruch des Fastenden ist Allah angenehmer als der Duft von Moschus.“
Erläuterung:
Der Hadith, der aus verschiedenen Überlieferungen zusammengesetzt ist, erläutert die unterschiedlichen Seiten des Fastens im Vergleich zu anderen Gottesdiensten (Ibadaat).
Eine Sicht ist, dass das Fasten eine Ibadah ist, die nur um Allahs Wohlgefallen unternommen wird, d.h. wenn der Fastende nicht selbst mitteilt, keiner von außen erfahren kann, dass einer fastet. Dies macht das Fasten zu einer Ibadah ohne Riya und Schein. Denn es gibt keine sichtbare Seite des Fastens wie bei den übrigen Ibadaat. Es gab wohl bei den Muschrikun in der Geschichte hindurch kein Fasten, das sie als eine Art des „Gottesdienstes“ durchführten, um sich ihren Göttern zu nähern. Unter diesem Aspekt ist das Fasten auch eine Art der Ibadah, die nur für Allah allein unternommen wird.
Ein weiterer Aspekt des Fastens im Vergleich zu den anderen Ibadaat ist, dass die Belohnung – viel mehr über den vorher bekannt gegebenem Maß hinaus – von Allah bestimmt werden wird.
Beide Eigenschaften reichen aus, um zu verstehen, welche Vortrefflichkeit und überragende Rolle das Fasten als Gottesdienst besitzt.
Zudem wird in dem Hadith auf eine Feststellung, eine Haltung, eine Begebenheit und eine frohe Botschaft bezüglich dem Fasten aufmerksam gemacht. Die angesprochene Haltung ist niemandem ein schlechtes Wort zu sagen oder anzugreifen. Wenn jemand einen anfahren und beschimpfen sollte, so soll er ihm auf höfliche Weise entgegnen: „Greife mich bitte nicht an, ich faste“. Somit schützt er sich mit dem Schutzschild des Fastens. Denn das Fasten ist für den Fastenden wie ein Schutzschild für die Sünden im Diesseits und für die Pein des Höllenfeuers im Jenseits.
Die Begebenheit kann folgendermaßen erläutert werden: Bei dem Fastenden macht sich, (besonders in langen heißen Sommertagen) aufgrund des Hungers Mundgeruch bemerkbar. Dieser Geruch ist für Allah viel angenehmer als Moschus, der unter den Menschen als der angenehmste Geruch bekannt ist. Aber diese Tatsache darf einen nicht daran hindern, diesen Mundgeruch durch das Benutzen eines Miswaks oder einer Zahnbürste zu beseitigen.
Die Erlösung und Freude beim Iftar und bei der Begegnung mit Allah: Die Erlösung und Freude in einem der Fälle ist materiell, sichtbar und vergänglich, die andere geistig und ewig. Beide bestehen nur für den Fastenden. Die Entlastung und Erlösung beim Iftar wird hier als ein sicherer Beleg für die Erlösung bei Allah angeführt. So wie es Wirklichkeit ist, dass der Fastende mit dem Iftar entlastet wird, genauso echt ist die Erlösung wenn der Fastende seinem Herrn begegnet.
Der Hadith stellt fest und gibt bekannt, dass die Belohnung, die dem Fastenden zuteil wird, außerhalb und über der Belohnung und Entlohnung liegt, die im Islam zehn- bis siebenhundertfach betragen kann. Sie liegt völlig im Ermessen Allahs, Des Erhabenen. Somit werden natürlicherweise die besondere Stellung und die äußerst hohe Überlegenheit des Fastengottesdienstes offen gelegt. Die Überlegenheit des Fastens rührt daher, dass Allah, der Erhabene, dies mit der Aussage „um Meinetwillen“ auf sich Selbst bezieht und mit dem Ausdruck „Ich werde es (entsprechend) vergelten“. Somit öffnet Er dem Fastenden das Tor Seiner Gnade und Güte weit. Solch eine Ehrung und Zuwendung steht über allen Dingen. Und das macht in dem Hadith die frohe Botschaft aus.
Durch die Aussage „Jede gute Tat des Sohnes Adams tut er für sich“ wird festgestellt, dass der Mensch bei jeder Ibadah - außer beim Fasten - einen Aspekt vorfinden wird, die ihm Vergnügen bereitet, eine Seite, die er vor anderen nicht verbergen kann und selbst eine Seite vorhanden sein wird, die er vorzeigen will. Dass diese Aspekte nur bei dem Fasten nicht vorhanden sind, zeigt was für eine reine und unverfälschte Ibadah sie ist. Das ist die Hauptfeststellung des Hadith.
Lehren aus dem Hadith:
- Die einzige Ibadah, von der Allah, der Erhabene, sagt: „Ich werde es vergelten“ ist das Fasten.
- Kein Opfer und keine gute Tat, die für Allah unternommen wird, bleiben ohne Anerkennung.
- Der Fastende ist jemand, der gegen Sünden und Dschahannam eine Schutzrüstung trägt. Denn das Fasten ist „ein Schutzschild“.
Hadith 1216 und 1217
Hadith 1216:
Abu Huraira (r) berichtete: Der Gesandte Allahs (s) hat gesagt: „Wer um die Sache Allahs ein Paar spendet (bzw. stiftet), dem wird (am Tage des Gerichts) von den Toren des Paradieses zugerufen: „O Diener Allahs! Das ist besser (für dich, willkommen!). So wird jeder (nach Leistung) zum Eintreten aufgerufen: Gehörte er zu den wahren Betenden, so wir er aus dem Tor des Gebetes aufgerufen, zählte er zu den wahren Mudschahidin, so wird er aus dem Tor des Dschihads aufgerufen, zählte er zu den wahren Fastenden, so wird er aus dem Rayyan-Fasten-Tor gerufen, und gehörte er zu den wahren Mildtätigen, so wird er aus dem Tor der Mildtätigkeit aufgerufen.“
Daraufhin sagte Abu Bakr (r) „O Gesandter Allahs! Mein Vater und meine Mutter seien dir geopfert! Es gibt zwar keine Notwendigkeit für denjenigen, der aus einem der Tore gerufen wird, von anderen Toren gerufen zu werden, aber wird auch jemand aus all jenen Toren gerufen?“ Er (s) sagte: „Ja, und ich hoffe, dass du zu ihnen zählen wirst.“
(Buchari, Sawm4, Dschihad 37, Bad’ul-Halq 9, Fadailu Ashaban-Nabi 5; Muslim, Zakat 85,86; siehe auch: Tirmidhi, Manaqib 16; Nasai, Zakat 1, Dschihad 20; Siyam 43).
Hadith 1217:
Sahl Ibn Sa’d (r) berichtete: Der Prophet (s) hat gesagt: „Eines der Tore des Paradieses heißt Ar-Rayyan. Durch dieses Tor werden nur die Menschen, die das Fasten eingehalten haben, am Tage der Auferstehung ins Paradies eintreten dürfen, so wird gefragt werden: „Wo sind diejenigen, die gefastet haben? Die Genannten werden sich erheben, und niemand außer ihnen wird durch dieses Tor ins Paradies eintreten dürfen. Und wenn sie eingetreten sind, wird es verschlossen werden, und niemand wird es mehr passieren können.“
(Buhari, Sawm 4; Muslim, Siyam 166; siehe auch: Nasai, Siyam 43; Ibn Madscha, Siyam 1)
Erläuterungen:
Das Paar von Sadaqah, das in dem Hadith erwähnt wird, werden in manchen Überlieferungen als zwei Schafe, zwei Rinder, zwei Dirham, also zwei Spenden von der gleichen Ware bzw. Art, erläutert. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass dies sich auf Personen bezieht, die nach Möglichkeit mit dem Geben der Sadaqah fortfahren. Diese Ansicht scheint eher zuzutreffen.
Die Personen, die das Geben der Sadaqah und das gute Handeln zu einer Art Gewohnheit gemacht haben, werden aus jedem einzelnen der verschiedenen Paradiestore eingeladen werden. Das bedeutet, dass die, die regelmäßig die Ibadaat wie das Gebet, den Dschihad und die Sadaqah und die guten Taten vollführen, aus den Toren gerufen werden, die für diese Gottesdienste eingeteilt sind. Dass die Fastenden oder anders ausgedrückt diejenigen, die besonders bedacht waren zu fasten und die viel fasteten, aus dem Tor Rayyan gerufen werden, bedeutet eine besondere Ehrerweisung. Denn Rayyan bedeutet das genaue Gegenteil von „atschaan“. Atschaan bedeutet „vor Durst brennen“; Rayyan „den Durst gelöscht haben“. Es ist eine Erhöhung, die es wert ist, beneidet zu werden, dass nur diejenigen durch dieses Tor gehen werden, die im Diesseits aufgrund ihres Fastens gedürstet haben. Niemand außer ihnen wird dann auch durch dieses Tor hineingehen so wie es zweiten Hadith erwähnt wird. Es wird sogar die klare Mitteilung gegeben, dass die, die durch dieses Tor gehen, niemals wieder Durst verspüren werden „Wer durch dieses Tor durchgeht, wird bis zur Ewigkeit keinen Durst verspüren.“ (siehe: Ibn Madscha, Siyam 2; Nasai, Siyam 43). Ohne Zweifel zeigt dieser Unterschied die Stellung und den Wert des Fastengottesdienstes gegenüber anderen Ibadaat auf.
Im ersten Hadith stellt Abu Bakr, der bei fast allen verschiedenen Arten der guten Tat und Wohltaten einen Anteil besitzt, eine Frage, die tatsächlich angebracht ist: Ob es Personen geben wird, die von gleichzeitig allen Toren des Paradieses gerufen werden (obwohl im Ergebnis den Einlass ins Paradies nicht beeinflussen wird). Dass der Gesandte Allahs (s) eine positive Antwort auf die Frage gibt und dass er besonders betont, dass Abu Bakr zu diesen Glücklichen gehören wird, ist sowohl für ihn eine frohe Botschaft als auch eine große Motivation für die Umma.
Lehren aus dem Hadith:
- Personen, die von der gleichen Art von Waren ständig Sadaqah geben und somit Gutes tun, werden von verschiedenen Toren gebeten, ins Paradies einzutreten.
- Nur die Fastenden werden durch das Paradiestor „Rayyan“ eintreten.
- Abu Bakr (r) ist einer der Glücklichen, der von allen Paradiestoren gleichzeitig gerufen werden wird.
Hadith 1218
Abu Huraira (r) berichtete: Der Prophet (s) hat gesagt: „Wer immer aus tiefem Glauben heraus und in der Hoffnung auf die Belohnung Allahs den Ramadan fastet, dem werden seine vergangnen Verfehlungen vergeben.“
(Buchari, Iman 28, Sawm 6; Muslim, Siyam 203; Musafiriin 175. Siehe auch: Abu Dawud, Ramadan, 1, Sawm 57; Tirmidhi, Sawm 1, Dschanna 4; NAsai, Siyam 39; Ibn Madscha, Iqama 173; Siyam 2, 33.)
Erläuterung:
Der Hadith, der aus verschiedenen Überlieferungen zusammengesetzt ist, erläutert die unterschiedlichen Seiten des Fastens im Vergleich zu anderen Gottesdiensten (Ibadaat).
Eine Sicht ist, dass das Fasten eine Ibadah ist, die nur um Allahs Wohlgefallen unternommen wird, d.h. wenn der Fastende nicht selbst mitteilt von außen keiner erfahren kann, dass jemand fastet. Dies macht das Fasten zu einer Ibadah ohne Riya und Schein. Denn es gibt keine sichtbare Seite des Fastens wie bei den übrigen Ibadaat. Es gab wohl bei den Muschrikun in der Geschichte hindurch kein Fasten, das sie als eine Art des „Gottesdienstes“ durchführten, um sich ihren Göttern zu nähern. Unter diesem Aspekt ist das Fasten auch eine Art der Ibadah, die nur für Allah unternommen wird.
Ein weiterer Aspekt des Fastens im Vergleich zu den anderen Ibadaat ist, dass die Belohnung – viel mehr über den vorher bekannt gegebenem Maß hinaus – von Allah bestimmt werden wird.
Beide Eigenschaften reichen aus, um zu verstehen welche Vortrefflichkeit und überragende Rolle das Fasten als Gottesdienst besitzt.
Zudem wird in dem Hadith auf eine Festsstellung, eine Haltung, eine Begebenheit und eine frohe Botschaft bezüglich des Fastens aufmerksam gemacht. Die angesprochene Haltung ist niemandem ein schlechtes Wort zu sagen oder anzugreifen. Wenn jemand einen anfahren und beschimpfen sollte, so soll ihm auf höfliche Weise entgegnen: „Greife mich bitte nicht an, ich faste“. Somit schützt er sich mit dem Schutzschild des Fastens. Denn das Fasten ist für den Fastenden wie ein Schutzschild für die Sünden im Diesseits und für die Pein des Höllenfeuers im Jenseits.
Die Begebenheit kann folgendermaßen erläutert werden: Bei dem Fastenden macht sich, (besonders in langen heißen Sommertagen) aufgrund des Hungers Mundgeruch bemerkbar. Dieser Geruch ist für Allah viel angenehmer als Moschus, der unter den Menschen als der angenehmste Geruch bekannt ist. Aber diese Tatsache darf einen nicht daran hindern, diesen Mundgeruch durch das Benutzen eines Miswaks oder einer Zahnbürste zu beseitigen.
Die Erlösung und Freude beim Iftar und bei der Begegnung mit Allah: Die Erlösung und Freude in einem dieser beiden Fälle ist materiell, sichtbar und vergänglich, die andere geistig und ewig. Beides bestehen nur für den Fastenden. Die Entlastung und Erlösung beim Iftar wird hier als ein sicherer Beleg für die Erlösung bei Allah angeführt. So wie es Wirklichkeit ist, dass der Fastende mit dem Iftar entlastet wird, genauso echt ist die Erlösung eine Realität, wenn der Fastende seinem Herrn begegnet.
Der Hadith stellt fest und gibt bekannt, dass die Belohnung, die dem Fastenden zuteil wird, außerhalb und über der Belohnung und Entlohnung liegt, die im Islam zehn- bis siebenhundertfach betragen kann. Sie liegt völlig im Ermessen Allahs, Des Erhabenen. Somit werden natürlicherweise die besondere Stellung und die äußerst hohe Überlegenheit des Fastengottesdienstes offen gelegt. Die Überlegenheit des Fastens rührt daher, dass Allah, der Erhabene, dies mit der Aussage „um Meinetwillen“ auf sich Selbst bezieht und mit „Ich werde es (entsprechend) vergelten“. Somit macht Er dem Fastenden das Tor Seiner Gnade und Güte weit auf. Solch eine Ehrung und Zuwendung steht über allen Dingen. Und das macht in dem Hadith die frohe Botschaft aus.
Durch die Aussage „Jede gute Tat des Sohnes Adams tut er für sich“ wird festgestellt, dass der Mensch bei jeder Ibadah, außer beim Fasten, einen Aspekt vorfinden wird, die ihm Vergnügen bereitet, eine Seite, die er vor anderen nicht verbergen kann und sogar ein Aspekt vorhanden sein wird, die er vorzeigen will. Dass diese Dinge nur bei dem Fasten nicht vorhanden sind, zeigt was für eine reine und unverfälschte Ibadah sie ist. Das ist die Hauptfeststellung des Hadith.
Lehren aus dem Hadith:
1. Die einzige Ibadah, von der Allah, der Erhabene, sagt: „Ich werde es vergelten“ ist das Fasten.
2. Kein Opfer und keine gute Tat, die für Allah unternommen wird, bleiben ohne Anerkennung.
3. Der Fastende ist jemand, der gegen Sünden und Dschahannam eine Schutzrüstung trägt. Denn das Fasten ist „ein Schutzschild“.
Hadith Nr. 1220
Abu Huraira (r) berichtete: Der Gesandte Allahs (s) hat gesagt: „Wenn der Monat Ramadan beginnt, werden die Tore des Paradieses weit geöffnet und die Tore der Hölle verschlossen. Und die Teufel werden in Ketten gelegt.“
(Buchari, Sawm 5; Bad’ul Halq 11; Muslim, Siyam 1,2,4,5)
Erläuterungen:
Der Hadith drückt mit drei Sätzen aus, dass der Monat Ramadan unser geistiges Leben fördert und uns dadurch Barmherzigkeit und Schönheit in unserem Alltagleben gibt. Somit bereitet er uns sowohl auf die Atmosphäre des Ramadans und die Saison des Fastens vor, erwärmt uns als auch dafür und ist ein Mittel dazu, dass wir Hoffnung entwickeln.
Die „Tore des Paradieses“, die im ersten Teil erwähnt sind, werden in anderen Überlieferungen als „Tore der Barmherzigkeit“ oder „Himmelstore“ bezeichnet. Die drei Bezeichnungen sind im Grunde unterschiedliche Erläuterungen für ein und dieselbe Tatsache. Denn im Ergebnis sind die Himmelstore die Tore der Barmherzigkeit und die Tore der Barmherzigkeit symbolisieren die Paradiestore. Die natürliche Folge von dem Vorgang ist das Verschließen der Höllentore. Das Verschließen der Tore der Hölle bedeutet, dass der Handlungsraum für den Schaitan, der in die Hölle einlädt, eingeengt und sein Einfluss verringert werden. Und diese sind in einer gewissen Weise der Grund und auf der anderen Weise das Ergebnis dafür, dass im Monat Ramadan damit begonnen wird den lauteren Glauben gemeinsam und in der Gesellschaft tiefer und breiter zu leben.
Im Ergebnis erläutert der Hadith die Atmosphäre des Ramadan, den Gewinn der Veränderung des materiellen und geistigen Lebens der Gläubigen und die Stimmung der Barmherzigkeit, des Segens und der Freude. Die Tugend einer Saison, in der die Ergebung des Knechtes größer ist, zeigt sich dadurch, dass man die Möglichkeit besitzt sich den negativen Einflüssen des Schaitans zu einem Großteil zu entziehen, von den Sünden fernzuhalten und zur Barmherzigkeit zu gelangen. In diesem Falle wäre es wahrscheinlich das Klügste von dieser geeigneten Atmosphäre möglichst viel Nutzen zu ziehen. Wir finden die Quelle in diesem Hadith, wenn wir uns fragen, woher im Ramadan das Gute, den Segen und die geistige Atmosphäre für die muslimische Gemeinschaft entspringt. Die Punkte, die aus diesem Grunde im Hadith erwähnt werden, besitzen sehr große Wichtigkeit aus der Sicht unseres Imans, unseres Leben und des Glück für Jenseits und Diesseits. Uns selbst fällt dann die Aufgabe zu, Handlungen durchzuführen, die den Ramadan in unserem Leben in einem größeren Maße Effektivität verleihen.
Lehren aus dem Hadith:
- Der Ramadan ist ein Monat und eine Zeit, in der die Vergebung, Barmherzigkeit und die Belohnung vermehrt, der Einfluss und die Irreleitung der Schaitane verringert wird und demzufolge die Tore der Hölle geschlossen werden.
- Mit der Ergebung als Knecht Allahs, kann man die Barmherzigkeit und den Segen in intensiven Zeiten und an bestimmten Orten, mit gemeinschaftlichen Mühen noch weiter steigern.
Kapitel 218
Das großzügige, das Verrichten von Wohltaten während des Monats Ramadan mehr als sonst und die nochmalige Steigerung in seinen letzten zehn Tagen.
Hadith 1222 und 1223
Hadith 1222:
Von Ibn Abbas (Allahs Wohlgefallen auf ihnen beiden), der gesagt hat:
„Allahs Gesandter (Allah Heil und Frieden auf ihm) war im Ramadan der freigiebigste aller Menschen. Und er war noch freigiebiger (als sonst) im Ramadan, wenn Gabriel zu ihm gekommen war. Und Gabriel pflegte jede Nacht im Ramadan zu ihm zu kommen und mit ihm den Koran zu rezitieren, und Allahs Gesandter (s) war, wenn Gabriel zu ihm gekommen war, noch freigiebiger als der Wind, der die Regenwolken treibt.“
(Buchari, Badu’l-wahiy 5,6, Sawm 7, Manaqib 23, Bad’ul-Haq, Fadail’ul-Qur’an 7. Adab 39; Muslim, Fadail 48, 50ß. Sieh auch: Tirmidhi, Dschihad 15; Nasai, Siyam 2; Ibn Madscha Dschihad 9)
Hadith1223:
Von A’ischa (Allahs Wohlgefallen auf ihr), die gesagt hat:
„Der Prophet (s) pflegte, in den letzten zehn (Nächten) des Ramadan, sein Gewand (zum Gebet) herzurichten und die Nacht über zu wachen und seine Familie aufzuwecken, und sich von seinen Frauen fernzuhalten.“
(Buchari, Lailat-ul Qadr 5; Muslim, I’tikaf 7. Siehe auch: Abu Dawud, Ramadan 1; Nasai, Qiyamu’l-Lail; Ibn Madscha, Siyam 57)
Erläuterungen:
Wenn jemand eine Angelegenheit, eine gute Tat und eine Ibadah zur richtigen Saison oder in der geeigneten Zeit unternimmt, ist sie aus zwei Gründen bedeutsam: Erstens, weil es etwas Gutes und eine Ibadah ist und zweitens, weil sie „genau zur rechten Zeit“ unternommen wird.
Auf der anderen Seite ist es sicher, dass der Prophet (s), wie bei jeder Angelegenheit, auch bei der Bewertung dieser beiden Sachen vor allen anderen Menschen ist. Ibn Abbas (r) übermittelt in dieser Überlieferung eine Beobachtung vom Propheten (s) bezüglich seiner Freigiebigkeit und nachdem er bemerkt, dass er der Freigiebigste aller Menschen war, berichtet er über die Zeit, wann diese Freigiebigkeit ihre Höhenpunkt erreichte und informiert uns auch über ihren Beweggrund. Und der war der Monat Ramadan und dass der Engel Dschibril jede Nacht zu ihm kam und mit ihm den Koran las. Ibn Abbas vergleicht die Erhöhung dieser Freigiebigkeit unseres Propheten (s) mit dem schnell wehenden Wind, der keine Hindernisse kennt. Dieser Vergleich, dass „in der Freigiebigkeit schneller war als der Wind“, entspringt daraus, weil die Winde die Wolken der Barmherzigkeit rascher zusammentragen und es denen übergeben, die es bedürfen. Dies ist ein sehr treffender Vergleich. Die Besonderheit der Eigenschaft des Windes, der ruhelos weht, entspringt aus der Tatsache, dass der schnelle Wind in kurzer Zeit eine größere Strecke hinter sich legt und viele Orte schneller erreicht.
Es ist eine bekannte Tatsache, dass unser geliebter Prophet (s) im Monat Ramadan sich im wahrsten Sinne des Wortes als „Ibadullah“, als Knecht Allahs, vorbereitete und seinen Dhikr (Gottgedenken), sein Koranlesen, sein Spenden und seine guten Werke vermehrte. In den letzten zehn Tagen begab er sich zum I’tikaf. Diese seine Gepflogenheit wird uns von vielen seiner Gefährten übermittelt. Die Mütter der Gläubigen, Aischa (r), berichtet uns, was sie beobachtet hat, folgendermaßen: Allahs Gesandter (s) pflegte mit dem Beginn der letzten zehn Tage des Monats Ramadan, die Nacht betend zu verbringen, seine Familie dafür aufzuwecken, und sich von seinen Frauen fern zu halten.“
Wenn wir kurz nochmals erwähnen, hat die Steigerung Freigiebigkeit des Gesandten Allah (s) im Monat Ramadan zwei Hauptgründe. Das erste, dass er Dschibril begegnete. Zweitens, dass er mit Dschibril den Koran las d.h. sie den Koran gegenseitig vortrugen. Ein weiterer Grund seinen Gottesdienste in den letzten Tagen des Ramadan zu steigern, war der, dass in diesen die Lailat-ul Qadr in den letzten ungeraden Nächten befand, der „besser als tausend Monate“ ist und weil er seine Umma auf die Belebung dieser Nacht aufmerksam machen wollte.
In diesen beiden Ahadith, bringt die Sunna bezüglich der Handlung unseres Propheten (s), Klarheit darüber wie wir uns im Ramadan verhalten sollen.
Lehren aus dem Ahadith:
- Der Gesandte Allahs (s) war der freigiebigste der Menschen.
- Die Freigiebigkeit steigerte sich im Ramadan noch mehr.
- Es gibt große Belohnung im Ramadan gute Menschen zu besuchen und mit ihnen den Koran zu lesen.
- Es ist mustahab im Ramadan mehr Koran als sonst zu lesen.
- Man soll versuchen in den letzten zehn Tag des Ramadan jegliche gute Tat und Ibadah zu steigern und die Nächte zu beleben und erwecken. Damit folgt man dem Propheten (s).
Kapitel 221
Die Vortrefflichkeit des Sahur-Frühstücks und dessen Späteinnehmen, solange man sicher ist, dass dies vor Tagesanbruch geschieht
Hadith 1229 bis 1232
Hadith 1229:
Anas (r) berichtete: Der Gesandte Allahs (s) hat gesagt: „Nehmt vor dem Tagesanbruch (in der Fastenzeit) die Sahur-Mahlzeit ein, denn im Sahur ist ein Segen.“
(Buchari, Sawm 20; Muslim, Siyam 45. siehe auch: Tirmidhi, Sawm 17; Nasai, Siyam 18,19; Ibn Madscha, Siyam 22)
Hadith 1230:
Zaid Ibn Thabit (r) berichtete: “Wir nahmen mit dem Gesandten Allahs (s) zusammen die Sahur-Mahlzeit ein, dann standen wir zum Frühgebet auf.“ Man fragte ihn: „Wie viel Zeit verging zwischen den beiden?“ Er sagte: „Ungefähr die für das Rezitieren von fünfzig ayaat nötige Zeit.“
(Buhari, Sawm 19; Muslim, Siyam 47; siehe auch: Tirmidhi, Sawm 14; Nasai, Siyam 21,22; Ibn Madscha, Siyam 23)
Hadith 1231:
Ibn ’Umar (r) berichtete: Der Gesandte Allahs (s) hatte zwei Gebetsrufer: Bilal und Ibn Umm Maktum (r), da sagte er (s): „Bilal ruf während der Nacht, so esset und trinkt bis Ibn Umm Maktum zum Gebet ruft.“ Ibn ’Umar fügte hinzu: „Und zwischen den beiden war nur, sobald der eine absteigt, steigt der andere darauf.“
(Buchari, Athan 11, 13; Schahdaat 11; Sawm 17; Muslim; Siyam 36-39. Siehe auch: Tirmidhi, Salat 35; Nasai, Athan 9-10; Ibn Madscha, Siyam 30)
Hadith 1232:
Amr Ibn-ul-’As (r) berichtete: Der Gesandte Allahs (s) habe gesagt: “Der Unterschied zwischen unserem Fasten und dem Fasten des Volkes der Schrift ist die Mahlzeit vor dem Tagesanbruch.“
(Muslim, Siyam 46; siehe auch: Abu Dawud 15; Tirmidhi, Sawm 17; Nasai, Siyam 27)
Erläuterungen:
Eines der Dinge, die das Fasten im Ramadan unserem Alltagsleben bereichert, ist sicherlich das Aufstehen zum Sahur. Das Ziel dieses Aufstehens ist es Sahur zu machen, auch wenn es nur mit „einem Schluck Wasser“ sein sollte. Der Prophet (s), der diese Mahlzeit in der Nacht als „eine gesegnete Mahlzeit“ bezeichnete, motivierte zu dieser Mahlzeit und empfahl sie an, wie wir das im ersten Hadith sehen können. Als Grund wird angegeben, dass das Aufstehen zum Sahur und die Einnahme dieser Mahlzeit Segen und Überfluss mit sich bringt. Baraka (Segen), das mit einem Wort Vermehrung bedeutet, kann der Baraka der Zeit vor dem Morgengrauen sein, als auch die Baraka des gesamten guten Handlungen und der Belohnungen der Person, die zum Sahur aufsteht und sich mit Ibadaat, Dhikr und übrigen guten Handlungen beschäftigt. Selbst sich nach dem Ratschlag des Gesandten Allahs (s) gerichtet zu haben, ist von sich aus ein Mittel zu Baraka und zu Khayr. Zudem kann die Nahrung, die man bei der Sahur-Mahlzeit zu sich nimmt, als eine Art von Segen betrachtet werden, da sie eine Hilfe beim Fasten bedeutet. Denn der Prophet sagte in einem anderen Hadith (Ibn Madscha, Siyam 23; Hakim, Mustadrak, I, 425) „Zieht Nutzen für das Fasten am Tage durch die Sahur-Mahlzeit und von dem Mittagsschlaf (qailula) für das Mitternachtsgebet.“ Zum Sahur aufzustehen und etwas zu essen und zu trinken ist weder fard noch wadschib. Die Anweisung diesbezüglich ist als Empfehlung zu verstehen. Aus diesem Grund ist es Sunna zum Sahur aufzustehen. D. h. es ist auch möglich zu fasten ohne für den Sahur aufzustehen. Aber, man soll, auch wenn es nur ein Glas Wasser wäre, aufstehen und den Sahur durchführen, um vom Segen, die in dieser Mahlzeit vorhanden ist und die der Prophet (s) uns mitgeteilt hat, etwas zu erhalten.
Wann ist nun die Zeit des Sahur? Diese Frage beantwortet der zweite und dritte Hadith. Der große Sahabi Zaid bin Thabit teilt mit, dass sie einmal mit dem Propheten (s) die Sahur-Mahlzeit eingenommen haben und danach aufgestanden sind und das Morgengebet verrichtet haben. Der andere Sahabi Anas b. Malik (r), der seine Erfahrung überlieferte, fragte ihn, wie viel Zeit zwischen der Sahur-Mahlzeit und dem Morgengebet lag. Und Zaid teilte ihm mit, dass eine Zeit von fünfzig ayaat, die weder zu lang, noch zu kurz waren, mit einer angemessenen Geschwindigkeit gelesen, als Zeitspanne verstrichen waren. Obwohl angemerkt wurde, dass dies eine Zeitdauer von vier Minuten bedeutet, wird heute angenommen, dass nach dem Imsaq 18 Minuten die erste Zeit des Frühgebets, das wahre Morgengrauen (al-fadschr as-sadiq), anbricht. Die angemesserene Zeit für das Frühgebet, ist 50 Minuten nach dem Imsaq. Diese zwei Dinge (d.h. die erste und die angemesserene Zeit des Frühgebets) wurden früher in manchen Ramadankalendern (imsaqiyya) aufgeführt. Heutzutage werden oft nur der Imsaq und der Sonnenaufgang angezeigt.
Der zweite Hadith zeigt, dass bei der Bestimmung der Zeit die Körperbewegungen als Grundlage genommen werden können. Die Araber schätzten und bestimmten die Zeit im Grunde allgemein mit der Zeitspanne des „Melkens eines Schafes“. Dass Zaid bin Thabit (r) in diesem Hadith die verstrichene Zeit zwischen der Sahur-Mahlzeit und dem Morgengebet, mit dem Lesen der ayaat (qiraa) bestimmte, entspringt daraus, weil diese Zeit eine Zeit der ’Ibadah ist. Dies ist weises Wissen und besitzt Feinsinn.
Im dritten Hadith sehen wir eine Praxis unseres Propheten (s) bezüglich der Zeit des Sahur. Der eine der beiden Muaddhins Bilal, rief ein wenig früh den Adhan und weckte so diejenigen auf, die zum Sahur aufstehen wollten. Sein zweiter Muaddhin Ibn Umm Maktum, rief den Adhan weil die Zeit des Sahurs vorbei war und die Zeit zum Morgengebet angebrochen war. Diese beiden Vorgehensweisen, waren höchstwahrscheinlich die Grundlage dafür, dass in manchen muslimischen Ländern Kanonen gefeuert werden, wenn mit dem Sahur begonnen und beendet wird und zwischen diesen beiden Kanonenfeuern die Muslime durch eine Ramadantrommel zum Sahur aufgeweckt wurden.
Aber man muss über die Aussage des Rawi’s Ibn Omars „Und zwischen den beiden war nur (eine kurze Weile), sobald der eine (vom Dach) absteigt, steigt der andere darauf.“ innehalten. Die Aussage ist richtig. Aber die Umsetzung ist unterschiedlich. Wie wir wissen stieg Bilal (r) mitten in der Nacht, wenn er den Adhan rief, auf eine Anhöhe und setzte sich nach dem Adhan hin, beobachtete indem er Dhikr und Duas machte den Himmel und wartete bis das Frühlicht anbrach. Als das Frühlicht anbrach, stieg er hinab und teilte dem blinden Ibn Umm Maktum mit, dass die Zeit gekommen war. Daraufhin stieg dieser hinauf und rief den Adhan, das bekannt gab, dass die Zeit des Sahurs vorbei war und die Zeit des Morgengebets angebrochen war. So war zwischen diesen beiden Adhan Zeit für die, die aufstehen und sich baden, die Sahur-Mahlzeit einnehmen mussten und Ibadaat und Dhikr durchführen zu können. Sonst ist die Zeit, wie die Aussage von Ibn Omar äußerlich zu verstehen ist, nicht die Zeit gewesen, die Bilal hinab- und Ibn Umm Maktum hinaufstieg, was nur zwei oder drei Minuten gewesen wären.
Wie wir aus diesen beiden Ahadith verstehen, ist es in dieser Angelegenheit angebrachter den Sahur möglichst zu verzögern. Wie wir bereits wissen, zog Allahs Gesandter (s) die Praktiken, die seiner Umma leichter fielen, vor und empfahl sie ihnen. Überlegen wir einmal, wenn er überhaupt keine Sahur-Mahlzeit eingenommen hätte, würde dies den Muslimen sehr schwer fallen. Besonders in an heißen Sommertagen fiele es den Muslimen schwer die Pflicht des Fastens durchzuführen. Wenn er inmitten der Nacht die Sahur-Mahlzeit eingenommen hätte, würde das die Erschwernis nicht aufheben und es fiele vielen schwer zu dieser Nachtzeit aufzustehen. Aus diesem Grund ist es angebracht, diese Situationen vor Augen halten, sich nach der Sunna zu richten und die Sahur-Mahlzeit bis Ende der erlaubten Zeit zu verzögern.
Der vierte Hadith berichtet darüber, dass die Sahur-Mahlzeit nur eine Praxis der Umma Muhammads ist. Zwischen dem Volk der Schrift d.h. den Juden und Christen und uns Muslimen ist das Zeichen der Unterscheidung die Sunna der Sahur-Mahlzeit. Aus diesem Grund gewinnt es auch an Bedeutung, wenn wir zum Sahur aufstehen und wenn es auch nur ein Glas wäre, sie praktizieren. Eine Vortrefflichkeit des Sahur ist es auch, dass sie den Muslimen eigen ist. Wenn wir die Sahur unter diesem Blickpunkt betrachten, dann können wir diese Erlaubnis und der segensreiche Gabe als eine Art Dankbarkeit betrachten.
Lehren aus dem Hadith:
- Es ist Sunna in den Nächten des Ramadan zum Sahur aufzustehen und etwas zu essen und zu trinken.
- Sahur ist eine Besonderheit der Umma Muhammads.
- Es ist dem Ziel angebrachter die Sahur-Mahlzeit bis zum Beginn der Zeit des Morgengebets verzögern.
- Die Sahur-Mahlzeit ist der größte Unterschied zwischen dem Fasten vorangegangener Umma und unserem Fasten.
- Die Sahur-Mahlzeit zeigt, dass der Islam Erleichterung gibt.
- Es ist an sich eine Baraka sich nach der Sunna des Gesandten Allahs (s) zu richten.
Kapitel 222
Die Vortrefflichkeit, das Fasten rechtzeitig zu brechen, was man zum Fastenbrechen einnimmt und was man nach dem Fastenbrechen sagt
Hadith 1233 bis 1236
Hadith 1233:
Sahl Ibn Sadr (r) berichtete: Der Gesandte Allahs (s) hat gesagt: „Den Menschen wird es gut gehen, solange sie ihr Fasten rechtzeitig brechen“
(Buchari, Sawm 45; Muslim, Siyam 48, Siehe auch Tirmidhi, Sawm 13; Ibn Madscha, Siyam 24)
Hadith 1234:
Abu ’Atiyya (r) berichtete: Masruq und ich besuchten ’Aischa (r), da fragte Masruq sie: „Zwei Gefährten Muhammads (s) vernachlässigen beide nicht, das Gute zu verrichten: Der eine drängt darauf, das Fasten zu brechen und das Abendgebet zu verrichten, während der andere das Gebet und das Fastenbrechen hinauszögert“ Sie sagte: „Wer (von ihnen) drängt auf das Abendgebet und das Fastenbrechen?“ Er antwortete: „Abdullah Ibn Mas’ud“ Sie sagte: „Ebenso pflegte der Gesandte Allahs (s) es zu tun.“
(Muslim, Siyam 49-50. Siehe auch Abu Dawud, Sawm 21; Tirmidhi, Saum 13, NAsai, Siyam 23)
Hadith 1235:
Abu Huraira (r) berichtete: Der Gesandte Allahs (s) hat gesagt: „Allah, der Erhabene, sagt: ‚Der liebste Meiner (fastenden) Diener ist der schnellste mit dem rechtzeitigen Fastenbrechen.’“
(Tirmidhi, Sawm 13)
Hadith 1236:
’Umar Ibn-ul-Khattab (r) berichtete: Der Gesandte Allahs (s) hat gesagt: „Wenn die Nacht an dieser Seite (Osten) hereinbricht und der Tag auf jener Seite (Westen) dahinschwindet und die Sonne untergeht, dann bricht der Fastende das Fasten.“
(Buchari, Sawm 43; Muslim, Siyam 51-52. Siehe auch Tirmidhi, Sawm 12)
Erläuterungen:
Es ist eine Sunna des Propheten Muhammad (s), die sowohl mündlich, als auch durch seine Praxis bestätigt ist, dass man sich mit dem Iftar d.h. dem Fastenbrechen beeilen und die Sahur-Mahlzeit verzögern soll. Die Ahadith zu diesen beiden Themen sind alle sahih (zuverlässig überliefert). Imam Nawawi hat von diesen Ahadith nur vier ausgewählt.
Der erste Hadith berichtet, dass wenn die Muslime fortfahren sich mit dem Fastenbrechen zu beeilen, es ihnen in ihrem Leben wohl ergehen wird. Denn dieses Handeln zeigt in erster Linie die Verbundenheit zu der Sunna des Gesandten Allahs (s). Danach ist dies eine Opposition gegenüber dem Volk der Schrift, die mit ihrem Fastenbrechen bis zum Erscheinen der Sterne im Himmel wartete. Leider haben sich auch unter den Muslimen Bid’a-Gruppen breit gemacht, die den Iftar verzögern und dies zu einer Angewohnheit machen. Da dies zu einer Abwendung von der Sunna führen würde, ist es nicht angebracht das Fastenbrechen zu verzögern, nur aufgrund des Wunsches den eigenen Nafs zügeln zu wollen. Es besteht kein Hindernis dafür, mit einem Schluck Wasser das Fasten zu brechen und so seinen Nafs durch das Verzögern der Mahlzeit zu zügeln. Zudem ist die beste Handlungsweise die, sich nach dem Propheten (s) zu richten. Wer sich von der Sunna des Propheten (s) abwendet, befindet sich im Irrtum, auch wenn er eine Art der ’Ibadah durchführt. Aus diesem Grund beeilten sich die geehrten Gefährten mit dem Iftar und verzögerten den Sahur.
Wenn man den Iftar gleich nach Sonnenuntergang durchführt, ist das ein Anzeichen dafür, dass diese Umma sich in Khayr befindet. Man sollte nicht denken „Was ist denn schon dabei, den Iftar einige Minuten zu verzögern.“ Derjenige, der in jeder Angelegenheit das Tugendhafteste und das Beste empfahl, ist der Prophet Muhammad (s). Demnach ist der eigentliche Khayr (Gute) sich nach dem geliebten Propheten (s) zu richten.
Im zweiten Hadith lernen wir die unterschiedliche Praxis zu diesem Thema kennen. Abu Atiyya von den wichtigen der Generation der Tabi’un und Masruq, einer der Personen, die in der Zeit der Dschahiliyya lebten und obwohl sie in der Zeit des Propheten Muhammad (s) zugegen waren, sie dennoch die Eigenschaft eines „Gefährten“ nicht erhielten. Diese beiden gingen gemeinsam zur Mutter der Gläubigen, ’Aischa, um eine Angelegenheit, die sie beobachtet hatten, zu erfragen und zu lernen. Da die beiden Gefährten des Propheten (s) in ihrem Handeln stets auf das Richtige bedacht waren, konnten sie sich die unterschiedlichen Praktiken nicht erklären und fragten welcher von beiden sich nach der Sunna richten würde. Die Mütter der Gläubigen ’Aischa fragte nach dem, wer recht handelte d.h. wer sich beim Iftar beeilen würde, anstatt zu fragen, wer diese beiden denn seien. Die Haltung‚’Aischas (r) zeigt, dass das allgemeine Benehmen in der Weise sein sollte, dass man sich positiv zu etwas äußert und diejenigen, die sich richtig verhalten, anerkennt. Als Masruq ihrer Frage mit „Abdullah Ibn Mas’ud“ entgegnet, sagt sie „Auch der Gesandte Allahs (s) machte es so“. Somit entschied und richtete sie mit der Sunna des Propheten (s). Eine weitere Angelegenheit, die hier auffällt ist, dass die Mütter der Gläubigen nicht etwa sagt „Ich finde, den, der dies so oder so macht, für richtig“, sondern bringt direkt die Praxis des Gesandten Allahs (s) vor. Dies bedeutet eine Vorgehensweise, einen Beleg anzubringen, gegen den man keinen Einwand vorbringen kann. Es gibt keinen anderen Weg Meinungsverschiedenheiten (ikhtilaf) zu lösen. Zudem sehen wir nochmals wie die ersten Generationen der Muslime bedacht waren die Praxis des Propheten (s), d.h. die Sunna, zu lernen.
Der dritte Hadith ist ein Hadith Qudsi. Man sieht auch hier wie wichtig es ist, sich mit dem Fastenbrechen zu beeilen. Denn unser Herr, der Erhabene, sagt: „Der liebste Meiner (fastenden) Diener ist der schnellste mit dem rechtzeitigen Fastenbrechen.“. Aus diesem Hadith folgt, dass das Befolgen der Sunna ein Grund ist, die Liebe Allahs (muhabbatullah) zu erhalten. Denn in der ayah sagt Allah: „Sag: Wenn ihr Allah liebt, so folgt mir, dann liebt euch Allah…“ (Al-i Imran (3):31). Man muss das Bewusstsein besitzen, dass man in jeder Angelegenheit, ohne gering oder höher zu unterscheiden, sich gemäß der Sunna zu verhalten. Das ist ein Mittel das Wohlgefallen und die Liebe Allahs zu erlangen. Und das kann auch das Fastenbrechen zur rechten Zeit sein. Eine Haltung, die ausdrückt, dass es unwichtig wäre sich nach der Sunna zu richten, kann und darf es nicht geben.
Im vierten Hadith wird die Methode des Propheten (s) erläutert, wie man erkennt, dass Abend geworden ist. Wenn die Dunkle der Nacht aus dem Osten drängt und die Helle des Tages aus dem Westen verschwindet und die Sonne vollständig untergeht, dann ist das die Zeit des Iftars. Diese drei Ereignisse verdeutlichen den gleichen Sachverhalt. Dies sind drei Anzeichen, die voneinander abhängig sind. Man könnte sich fragen, warum man sich nicht nur mit einer von diesen begnügt hat. Um Sicherheit zu besitzen, dass es Abend ist, ist es selbstverständlich zufrieden stellender, dass es mehrere Anzeichen gibt. Zudem kann es sein, dass man die Sonne aufgrund von geographischen Unebenheiten nicht immer durchgängig beobachten kann. Auch die Helle des Tages kann aufgrund von unterschiedlichen Gründen zustande kommen. Aber die Dunkle der Nacht unterscheidet sich von allen Finsternissen. Wenn sie dann auch noch aus dem Osten kommt, zeigt dies, dass die Sonne untergegangenen ist.
Außerdem drückt die Aussage „die Sonne untergeht“ die Tatsache aus, dass sie vollständig untergegangen ist und nicht teilweise oder nicht ein großer Teil.
Der Ausdruck „dann bricht der Fastende das Fasten“ ist ein Ausdruck der Mitteilung und meint „dann soll der Fastende das Fasten brechen und es nicht weiter verzögern“. Denn mit dem Sonnenuntergang ist die Nacht hereingebrochen. Und die Nacht ist aber nicht die Zeit des Fastens. Wir sehen in diesem Hadith, wie wir auf die natürlichste Weise und auf die leichte Art die Zeit des Sonnenuntergangs feststellen können, wenn wir außerhalb der Stadt, auf dem Feld, auf der Reise befinden oder bei klarem Wetter, wenn keine Instrumente und Hilfsmittel wie Kalender oder Uhr vorhanden sind.
Lehren aus den Ahadith:
- Es ist Sunna sich mit dem Fastenbrechen zu beeilen.
- Das Fastenbrechen zu verzögern, würde bedeuten dem Volk der Schrift zu ähneln. Dieses Vorgehen ist deswegen keinesfalls richtig.
- Wenn man sich beim Fastenbrechen beeilt, ist dies ein Grund, dass Allah einen liebt.
- Wenn sich jemand wie bei allen Dingen auch beim Fastenbrechen nach der Sunna richtet, dann ist das ein Mittel dafür, dass ein Muslim nach dem Gutem lebt.
Hadith 1238 und 1239
Hadith 1238:
Salman Ibn ’Amir Ad-Dabbi (r), ein Gefährte des Propheten (s) berichtete: Der Prophet (s) hat gesagt: “Wenn einer von euch sein Fasten bricht, dann soll er es mit einigen Datteln tun, und wenn er keine Dattel findet, dann mit einem Schluck Wasser, denn es ist rein.”
(Abu Dawud, Sawm 21; Tirmidhi, Zakat 26, Sawm 10)
Hadith 1239:
Anas (r) berichtete: „Der Gesandte Allahs (s) pflegte, bevor er das Abendgebet verrichtet hatte, sein Fasten mit einigen frischen, reifen Datteln zu brechen. War dies nicht vorhanden, dann mit einigen trockenen Datteln und wenn nicht, dann mit einigen Schlucken Wasser.“
(Abu Dawud, Sawm 21, Tirmidhi, Sawm 10)
Erläuterungen:
Die erste dieser beiden Ahadith, die uns mitteilt mit was man das Fasten brechen soll, bringt uns die mündliche Empfehlung des Gesandten Allahs (s) näher und die zweite berichtet uns von seiner praktischen Sunna.
Je nach Saison wird das Fasten, wenn vorhanden, mit frischen Datteln, wenn keine frischen vorhanden sind, mit trockenen Datteln und wenn auch das nicht vorhanden ist mit Wasser, gebrochen.
Es ist keine Bedingung das Fasten mit Datteln zu brechen. Es ist nur eine Empfehlung für Länder, in denen Datteln angebaut wird oder leicht zu besorgen ist. Ansonsten kann man das Fasten mit Wasser, das in jedem Land und Gebiet vorhanden ist, brechen. Denn im Hadith ist mit der Erwähnung „Wasser ist rein“ durch den Propheten (s) selbst ausgedrückt, dass es empfohlen ist, das Fasten mit Wasser zu brechen. Als Grund für die Dattel wird in einem Hadith angegeben, dass sie ein „Segen“ ist. Es kann sein, dass weil Datteln Nährstoffe erhalten, die direkt ins Blut übergehen, sie vorrangig empfohlen werden.
Die Empfehlung für Datteln und Wasser wurden von manchen auch derart gedeutet, dass im Winter Datteln und im Sommer Wasser empfohlen wird.
Im zweiten Hadith wird uns berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) das Fasten bevor er das Abendgebet verrichtete, brach. Diese Situation verdeutlicht die Regel sich beim Fastenbrechen zu beeilen, die wir davor zu erläutern versuchten. Es widerspricht sowohl der mündlichen, als auch der praktischen Sunna des Propheten (s), das Abendgebet zu verrichten und erst danach das Fasten zu brechen. Es ist angemessener zunächst das Fasten mit Datteln oder Wasser zu brechen, danach das Gebet zu verrichten und dann die Abendmahlzeit zu sich zu nehmen.
Worte, die nach dem Iftar gesprochen und Bittegebete, die gemacht werden sollen: Obwohl Nawawi zu Beginn des Kapitels eine Überschrift über Duas gibt, die man nach dem Iftar machen soll, hat er seltsamerweise keinen Hadith diesbezüglich überliefert. Um das wettzumachen, möchten wir hier zwei Übersetzungen der Hadith zu diesem Thema hier anführen:
Wie in Abu Dawud (Siyam 22) vermerkt hat, berichtet Ibn ’Umar, dass der Prophet (s) nach dem Iftar folgendes gesagt hat: „Der Durst ist vorbei, die Adern sind gekühlt und inschallah ist die Belohnung eingetreten.“ Es wird an gleicher Stelle überliefert, dass der Prophet (s) folgendes gesagt hat: „O Allah! Ich habe nur um Deinetwillen gefastet und habe mit der Versorgung, die Du mir gegeben hast, mein Fasten gebrochen.“
Lehren aus dem Hadith
- Es ist Sunna das Fasten mit frischen Datteln, wenn nicht vorhanden mit trockenen Datteln und wenn das nicht vorhanden ist, mit Wasser zu brechen.
- Es ist angebracht das Abendgebet zu verrichten, nachdem man das Fasten gebrochen hat.
- Es gab stets völlige Übereinstimmung beim Propheten (s) mit dem, was er sagte und dem, was er tat. Das, was er seiner Umma anriet, führte er selbst durch.
- Es ist Sunna kurz und gehaltvoll mit dem Iftar ein Bittgebet zu Allah zu sprechen.
Kapitel 223
Ermahnung des Fastenden, seine Zunge zu hüten, seine Glieder von Übertretungen fernzuhalten und sich nicht an Streitereien u.ä. zu beteiligen
Hadith 1240 und 1241
Hadith 1240:
Abu Huraira (r) berichtete: Der Gesandte Allahs (s) hat gesagt: „Wenn einer von euch einen Fastentag einlegt, so soll er weder sinnliche Begierde noch Trubel treiben. Und wenn ihn jemand beschimpft oder gegen ihn vorgeht, so soll er erwidern: ‚Ich faste!’.“
(Buchari, Sawm 9, Muslim, Siyam 163; siehe auch Nasai, Siyam 42)
Hadith 1241:
Abu Huraira (r) berichtete: Der Prophet (s) hat gesagt: „Wer vom falschen Aussagen und Handeln nicht ablässt, von dem braucht Allah nicht, dass er auf Essen und Trinken (als Fastender) verzichtet.“
(Buchari, Sawm 8, Adab 51. Sie auch: Abu Dawud, Sawm 25; Tirmidhi, Sawm 16; Ibn Madscha, Siyam 21)
Erläuterungen:
Das Fasten ist im Grund ein vollständiger Imsaq. D.h. es ist die Kontrolle des eigenen Nafs, indem man nichts isst, trinkt und keinen geschlechtlichen Kontakt hat. Es ist eine natürliche Folge des Begriffs Imsaq darüber hinaus sich mit der Zunge vor Lügen zu hüten, sich von schlechten Aussagen zu enthalten, Abstand vor übler Nachrede zu nehmen, andere anzugreifen und ihnen Schaden zuzufügen und so die restlichen Organen unter Kontrolle zu halten.
Auch wenn das Lügen, die üble Nachrede, das Beleidigen anderer und das Fluchen formal das Fasten nicht bricht, verhindert dies jedoch die Lauterkeit und das Erreichen des eigentlichen Ergebnisses, das beim Fasten erwartet wird. Es ist ein Ergebnis, das von einem, der sich an die Anweisungen Allahs richtet und sich vom Essen, vom Trinken und den geschlechtlichen Beziehungen enthält und somit fastest, sicherlich erwartet werden kann, dass auch sein Zunge im Zaum gehalten wird. Imsaq ist erst dann Realität geworden, nachdem man das erfolgreich umgesetzt hat.
Unser Herr war mit uns barmherzig, indem Er uns mitteilte, dass nur mit dem Essen, Trinken und bei geschlechtlichen Beziehungen das Fasten gebrochen wird. Wenn alle verbotenen Fälle das Fasten brechen würden, wie viele Menschern würden da noch in der Lage sein zu fasten? Mit diesem wird eigentlich darauf abgezielt, dass mit dem Fasten eine starker Wille und Widerstand erzeugt wird, um gegen die restlichen Verbote ankämpfen zu können. Es ist natürlich angebrachter, dass man während dem Fasten bezüglich der Verbote viel sensibler reagiert als sonst. Es ist die Wirklichkeit dieser Tatsache, die im zweiten Hadith zum Ausdruck kommt: Wenn deshalb jemand das Lügen und Betrügen nicht unterlässt, besitzt dessen Hungern und Dursten bei Allah keinen Wert. Dieser Mensch hätte zwar die Pflicht des Fastens erfüllt, aber er kann nicht die Vollkommenheit und Tugendhaftigkeit, die man von einem Fasten erwartet, erlangen.
Der Fastende verhält sich sensibel in dieser Art von Dingen und wenn jemand kommt, sich mit anlegt und mit ihm streiten will, dann soll er diesem nichts entgegnen und auf eine äußerst höfliche Weise sagen “Bitte, lass mich, ich faste“ und soll ihn somit höflich von sich weisen. Dies bedeutet eine vollkommene Willenserziehung. Der Fastende soll sich nicht nur mit seinem Fasten, sondern auch mit der Disziplin des Imsaq, das sich auf all seine Handlungen auswirkt, zum Vorschein treten.
Lehren aus dem Hadith:
- Der Fastende soll sich in eine vollständige Disziplin des Imsaq begeben und seine Zunge und seine sonstigen Organe vor dem Haram schützen.
- Auch wenn Verbote wie Lüge, Ghiyba oder Lästerei das Fasten formal nicht brechen, verhindert es doch seine Tugendhaftigkeit und Belohnung.
- Das Fasten, das bei Allah einen Wert besitzt, ist das Fasten, das einer durchführt, der es schafft sich von allen Verboten fernzuhalten.
Kapitel 231
Die Vortrefflichkeit desjenigen, der einen Fastenden mit Essen für das Fastenbrechen versorgt und die Vortrefflichkeit des Fastenden als Gastgeber und die Fürbitte des Gastes für den einladenden Gastgeber
Hadith 1265 bis 1267
Hadith 1265:
Zaid Ibn Khalid Al-Dschuhaniy (r) berichtete: Der Prophet (s) hat gesagt: „Wer einen Fastenden mit Essen zum Fastenbrechen versorgt, dem wird der gleiche Lohn des Fastenden berechnet, ohne jegliche Minderung des Lohnes für den Fastenden.“
(Tirmidhi, Sawm 82; siehe auch: Nasai, Dschihad 44; Ibn Madscha, Siyam 45)
Hadith 1266:
Umm ’Umara Al-Ansariya (r) berichtete, dass der Prophet (s) sie besuchte, da bot sie ihm Essen an. Er sagte zu ihr: „Iss mit!“ Sie erwiderte: „Ich faste.“ Da sagte er (s): „Die Engel beten für den Fastenden, solange man bei ihm isst, bis man mit dem Essen fertig ist.“ Sie berichtete, er (s) habe vielleicht gesagt: „bis man satt ist.“
(Tirmidhi, Sawm 66, Sieh auch: Ibn Madscha, Siyam 46)
Hadith 1267:
Anas (r) berichtete: Der Prophet (s) besuchte Sa’d Ibn ’Ubada (r), da bot dieser ihm Brot und Olivenöl an. Nachdem der Prophet (s) gegessen hatte, betete er: „Mögen die Fastenden bei euch ihr Fasten brechen und mögen die Rechtschaffenen eure Speisen verzehren und mögen die Engel für euch beten“
(Abu Dawud, At’ima 54, siehe auch: Ibn Madscha, Siyam 45)
Erläuterungen:
Bis hierhin haben wir in den Ahadith gesehen, welchen Wert und welche Bedeutung das Fasten besitzt. Hier sehen wir hingegen, die frohe Botschaft unseres geliebten Propheten (s) für diejenigen, die, ganz gleich ob sie selbst fasten oder nicht, irgendeinen Fastenden zum Iftar einladen. Im ersten Hadith wird die frohe Botschaft gegeben, dass ein Mensch, der einem Freiwillig- oder Pflichtfastenden Essen zum Iftar anbietet, genauso viel Belohnung erhält, wie derjenige, der fastet. Zudem wird mitgeteilt, dass dies nicht heißt, dass derjenige einen Anteil an der Belohnung des Fastenden erhält, sondern, dass die Belohnung des Fastenden sich nicht vermindern wird.
Auf der anderen Seite bedeutet die Einladung zum Iftar nicht, dass derjenige, der gefastet hat unbedingt gesättigt werden muss. Wie wir in einer anderen Überlieferung im Sahih von Ibn Huzaima (III, 192-193) erfahren, teilten die Sahaba dem Propheten (s) mit, dass nicht jeder von ihnen die Möglichkeit besitzt, einen Fastenden zu sättigen. Daraufhin sagte der Gesandte Allahs (s): „Allah, gepriesen sei Er, gibt diese Belohnung auch demjenigen, wenn einer dem Fastenden eine Dattel oder ein Schluck Wasser oder ein wenig Milch zum Iftar gibt.“ So genügt es, wenn man nur mit der Absicht einem Fastenden den Iftar zu ermöglichen, etwas zur Verfügung steht, um die gleiche Belohnung zu erhalten wie der Fastende. Es hat keinen Wert bei dieser Sache in Luxus, Verschwendung oder sogar in Prahlerei oder Selbstlob zu verfallen. Die Verantwortung für solche Handlungen wiegt schwer.
Im zweiten Hadith wird der Gewinn eines Fastenden erläutert, wenn jemand bei ihm eine Mahlzeit zu sich nimmt. Die Engel werden für den fastenden Gastgeber Dua machen und für ihn um Vergebung bitten, bis die Gäste die Mahlzeit beendet oder sich satt gegessen haben. Diese Dua der Engel ist keine Bedingung dafür, dass die Speise von einem Fastende angeboten werden. Das Essen mag von einem Fastenden angeboten worden sein oder es mag sein, dass die Gäste alle gemeinsam zu Gast zu jemand anderem gekommen waren. Zwar bietet in unserem Hadith die Speise Ummu ’Umara selbst an, aber der Ausdruck in der Aussage des Propheten (s) ist allgemein gehalten. D.h. es gibt keinen Ausdruck dafür, der zeigt, dass die Dua, die von den Engeln gemacht wird, von der Bedingung abhängt, dass der Gastgeber gefastet haben sollte.
Dass der Prophet (s) Ummu ’Umara mit den Worten „Iss mit!“ auffordert, mitessen, ist wahrscheinlich ein Hinweis dafür, dass wenn der Gastgeber an der Mahlzeit teilnimmt, für den Gast angenehmer sein wird, das Essen zu verspeisen. Wenn man fastet, ist dies ein akzeptabler und legitimer Grund, dass der Gastgeber nicht an der Mahlzeit teilnimmt. Zudem ist es kein Hindernis dafür, dass man bis zum Ende der Mahlzeit die Dua der Engel erhält. Demnach ist es aufgrund der Belohnung, die dem Gastgeber durch jemand zukommt, nicht richtig, sich mit der Begründung zurückzuhalten, nicht in Anwesenheit eines Fastenden essen zu wollen.
Im dritten Hadith hingegen, sehen wir das Wort, das nach der Mahlzeit dem Gastgeber gesagt werden soll und ein Beispiel für eine Dua, die für ihn als eine Art Dank durchgeführt werden kann. Sa’d Ibn ’Ubada (r) ist ein Sahaba, der für seine Freigiebigkeit bekannt war. Er hat dem Propheten (s), der ihn besuchen kam, Brot und Oliven - die Dinge, die sich gerade im Haus befanden - angeboten. Dies ist eine sehr natürliche und aufrichtige, gastfreundliche Bewirtung. Es ist unnötig in Aufregung bzw. fast in Verzweiflung zu geraten, wenn Gäste kommen. Es genügt, dass anzubieten, was man in den Händen und im Haus hat. Und wenn der Gast der Prophet (s) ist, konnte er mit innerer Ruhe das anbieten, was ihm Verfügung stand. Denn er kannte die Lage sehr gut und zeigte das größte Verständnis. Denn der Gesandte Allahs (s) hat die gastfreundliche Bewertung dieses wertvollen Sahabis angenommen und seine Zufriedenheit mit dem Dua „Mögen die Fastenden bei euch ihr Fasten brechen und mögen die Rechtschaffenen eure Speisen verzehren und mögen die Engel für euch beten“ zum Ausdruck gebracht.
Diese Dua unseres Propheten (s) bedeutet, dass man hofft, dass das Gute und die gut Handelnden sich zu jeder Gelegenheit in der Gesellschaft vermehren. Damit die erwarteten Entwicklungen und die Güte in den menschlichen Beziehungen verwirklicht werden können, ist es notwendig die Erziehung zu erhalten gegenüber den Gläubigen respektvoll zu sein. Die Belohnung, die einige durch ihre Ibadaat (Gottesdienste) erhalten, können manch andere genauso bekommen, indem sie ihnen Respekt entgegenbringen und kleine Dinge als Bewirtung anbieten. Der Mensch sollte einfach dies beabsichtigen und den Anstand und die Höflichkeit für diesen Sachverhalt besitzen.
Lehren aus den Hadith:
- Wenn jemand einen Fastenden zum Iftar einlädt, dann bekommt dieser soviel Belohnung wie der Fastende selbst.
- Wenn man neben einen Fastenden eine Mahlzeit zu sich nimmt, dann machen die Engel bis zum Ende der Mahlzeit Dua für den Fastenden.
- Der Gast sollte dem Gastgeber, der ihn bewirtet, mit Dua und Dank entgegnen.
- Es gibt unzählige Möglichkeiten und Anlässe, um Belohnung zu erhalten. Man muss davon Nutzen ziehen.
Kapitel 232
Der Vorrang des I’tikaf
Hadith 1268 bis 1270
Hadith 1268:
Ibn ’Umar (r) berichtete: Der Gesandte Allahs (s) pflegte in den letzten zehn Tagen des (Monates) Ramadan, sich (in der Moschee) zurückzuziehen und sich eifrig mit dem Gebet zu beschäftigen.
(Buchari, I’tikaf 1, 6: Muslim, I’tikaf 1-4; siehe auch: Abu Dawud, Sawm 77, 78; Tirmidhi, Sawm 71; Ibn Madscha, Siyam 58)
Hadith 1269:
’Aischa (r) berichtete: Der Prophet (s) pflegte in den letzten zehn Tagen des (Monates) Ramadan, sich (in der Moschee) zurückzuziehen, bis Allah, Erhaben sei Er, ihn sterben ließ. Danach pflegten sich auch seine Witwen zurückzuziehen.
(Buchari, I’tikaf 1: Muslim, I’tikaf 5; siehe auch: Abu Dawud, Sawm 77)
Hadith 1270:
Abu Huraira (r) berichtete: Der Prophet (s) pflegte, sich in jedem Ramadan zehn Tage zurückzuziehen, jedoch im Ramadan des Jahres, in welchem er starb, zog er sich (in der Moschee) zwanzig Tage zurück.
(Buchari, I’tikaf 17; siehe auch: Abu Dawud, Sawm 78; Ibn Madscha, Siyam 58)
Erläuterungen:
I’tikaf bedeutet nach dem Wörterbuch absolut an einem Ort, materiell oder geistig, stehen bzw. auf eine Sache, positiv oder negativ, mit Nachdruck bestehen. Als islamischer Fachbegriff bedeutet I’tikaf, der Aufenthalt in der Moschee für eine bestimmte Zeit mit der Absicht des Gottesdienstes und der Annährung zu Allah. Wie man in den Ahadith sieht, wurde der I’tikaf seither eher als das Zurückziehen in der Moschee im Ramadan und während man fastet, praktiziert. Wenn man tagsüber mit dem Fasten, die Nächte mit Ibadaat und Dhikr in der Masdschid verbringt, bedeutet das im eigentlichen Sinne, sich für Knechtschaft vorzubereiten. Der I’tikaf, - die Bemühung, außer für die notwendigsten Bedürfnisse, nicht die Masdschid zu verlassen - war auch ein Bestandteil des Gottesdienstes früherer Religionen. Man weiß, dass der Prophet (s) jedes Jahr insbesondere im Ramadan sich zum I’tikaf zurückzog. Aus diesem Grund ist der I’tikaf Sunna.
Im ersten Hadith wird uns mitgeteilt, dass der Prophet (s), in den letzten zehn Tagen des Ramadans sich zum I’tikaf zurückzog. Es ist äußerst wichtig sich in diesen Tagen zum I’tikaf zurückzuziehen. Dies, weil man gleichzeitig die Möglichkeit erhält, die Lailat-ul Qadr, die in diesen letzten Tagen zu finden und die besser als tausend Monate ist, zu beleben. Es bedeutet gleichzeitig die Nutzung einer ungeahnten Möglichkeit. Es gibt sogar Überlieferungen, die andeuten, dass der Prophet (s) sich davor in der Mitte des Ramadan zum I’tikaf zurückzog, aber als er über die Lailat-ul Qadr Nachricht erhielt, begann er sich in den zehn letzten Tagen zum I’tikaf zurückzuziehen.
Die Mütter der Gläubigen, ’Aischa (r) erläutert im zweiten Hadith offen, dass der Prophet (s) bis zu seinem Tod weiter fortfuhr sich in den letzten zehn Tagen des Ramadans zum I’tikaf zurückzuziehen und nach ihm das Gleiche seine geehrten Ehefrauen zu tun pflegten. Wie man weiß, waren die Räume der Ehefrauen des Propheten (s) direkt an der Prophetenmoschee. Wenn der Gesandte (s) sich zum I’tikaf zurückziehen wollte, ging aus den Räumen heraus und zog sich, nachdem er das Morgengebet verrichtet hatte, an die Stelle zurück, die in der Masdschid für ihn vorbereitet war. Nafi, einer der Überlieferer des ersten Hadith, äußerte sich mit großer Zufriedenheit darüber, dass Abdullah Ibn Omar (r) ihm die Stelle gezeigt hatte, an dem der Prophet (s) sich in der Masdschid zurückgezogen hatte (siehe: Muslim, I’tikaf 2).
Die Ehefrauen des Propheten (s) zogen sich in ihren Gemächern zum I’tikaf zurück. Denn unter dem Wissen, die uns durch die Überlieferungen erreichen, ist, dass der Prophet (s) die I’tikaf -Zelte, die für seine Ehefrauen im Masdschid aufgebaut waren, wieder abbauen ließ. Und er zog sich in diesem Jahr nicht im Ramadan, sondern im Monat Schawwal zum I’tikaf zurück. Aus diesem Grund sah man es als angebracht an, dass die muslimischen Frauen sich nicht in der Moschee, sondern in ihren Häusern – an den Stellen, die sie als Masdschid benutzen- zum I’tikaf zurückziehen.
Unsere geistigen Mütter, die wir Ummuhat-ul Mu’miniin (Mütter der Gläubigen) nennen, setzen den I’tikaf, den der Prophet Muhammad (s) jedes Jahr verwirklichte, nach ihm weiter fort. Das war einer ihrer Anstrengungen seine Sunna zu beleben. Der Umma fällt deswegen die Aufgabe zu, dieselbe Anstrengung zu zeigen und diese Sunna auch zu beleben.
Im dritten Hadith wird zunächst die Aussage, die in den ersten Ahadith gegeben wurde, nämlich dass der Prophet (s) in den letzten Tagen des Ramadan zum I’tikaf zurückzog, bestätigt und bekräftigt. Danach wird mitgeteilt, dass der Gesandte Allahs (s) im letzten Ramadan seines Lebens den I’tikaf mit zwanzig Tagen verwirklichte. Der Prophet (s), der im Ramadan vor seinem Tod den Koran mit Dschabrail zweimal durchgelesen hatte, erhöhte die Tage des I’tikaf auf das zweifache. Dies zeigt, dass man gegen Ende seines Lebens die guten Taten und die Ibadaat vermehren sollte. Denn mit seinen Aussagen in der Abschiedswallfahrt gab er seinen Gefährten das Gefühl, dass es an der Zeit war von diesem Leben Abschied zu nehmen. Als natürliche Folge von dieser Kenntnis, die er besaß, versuchte er seinen letzten Ramadan möglichst mit vermehrtem Gottesdienst zu verbringen und zeigte seinen Gefährten und seiner Umma somit auf, wie man seine letzten Tage verbringen sollte.
Lehren aus den Ahadith:
- Es ist Sunna sich in den letzten Tagen des Ramadan zum I’tikaf in die Masdschid zurückzuziehen.
- Der Prophet (s) zog sich jedes Jahr zum I’tikaf zurück.
- Man kann sich in die Moscheen, in denen die tägliche fünf Gebeten verrichtet werden, zum I’tikaf zurückziehen.
- Es ist angebracht in jeder Stadt bzw. an jedem Ort mindestens in einer Moschee die Sunna des I’tikaf zu beleben.
- Die Frauen können sich Zuhause zum I’tikaf zurückziehen.
- Die Moscheen können, um Gottesdiensten wie dem I’tikaf Gelegenheit zu geben, Zelte aufschlagen oder besondere Räume herrichten.
- Wenn jemand ein Gelübde gemacht hat sich für den I’tikaf in die Moschee zurückzuziehen, so ist es wadschib für ihn dieses Gelübde zu erfüllen.
- Ganz gleich wie lange die Zeit in der Masdschid sein mag, die man mit der Absicht für den I’tikaf verbleibt, sie wird als wertvoll angesehen.
- Geschlechtliche Beziehungen widersprechen und dem I’tikaf, annullieren den I’tikaf. Die folgende ayah ist der Beleg für diese Hukm „…wohnt ihnen nicht bei, wenn ihr euch in den Moscheen aufhaltet. Dies sind die Grenzen Allahs, also kommt ihnen nicht nahe…“ (al-Baqara (2):187)
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