Wissen & tun > Artikel > Opferfest 1430-2009
  1. Waisen und unsere Verantwortung als Muslime
  2. Anstiften zum Guten
  3. Spenden im Islam
  4. Geringes kann viel bewirken!
  5. Die letzten zehn Nächte des Ramadan
  6. I’tikaf in den letzten zehn Tagen des Ramadan
  7. 15 Praktische Tipps für die letzten zehn Tage des Ramadan
  8. Darf man Nichtmuslime zum Iftar einladen
  9. Darf man Koran beim Tarawihgebet in der Hand halten?
  10. Ramadan – Zeit zum Nachdenken, Handeln & für Veränderung
  11. Ramadan – eine Zeit der Tat!
  12. Das Fasten im Ramadan
  13. Die Ansprache des Propheten (s) zum Ramadan
  14. Wie können wir unseren Kindern den Ramadan näher bringen?
  15. Waisen: Uns allen von Allah (swt) und dem Propheten (s) anvertraut
  16. Die Bedeutung der Waisenhilfe im Islam
  17. Waisen im Koran
  18. Muharram und der Tag Aschura
  19. "Friede sei über Ibrahim"
  20. Isra’ und Miradsch
  21. Das Fasten im Islam - Mehr als eine Pflicht
  22. Lailat-ul-Bara’a (Berat Kandili)
  23. Fünf Nutzen der Sadaqa im Jenseits
  24. Was bringt uns der Ramadan?
  25. Die letzte Ansprache des Propheten (s) vor seinem Tod*
  26. Muharram 1426 n.H.
  27. Das Fasten: Eine Medizin für den Körper
  28. Scha'baan Vorbereitung auf den Ramadan
  29. Radschab 1425 – Chance für glücklichere Zeiten
  30. Prinzipien des Erfolgs im Lichte der Prophetenbiographie
  31. Beginn des Jahres 1425 n. H.
  32. Opferfest 1430-2009
  33. Ibrahim (as) opfert Ismail
  34. Die Vorzüge des Tages von Arafat
  35. Die ersten zehn Tage im Dhu l-Hiddscha
  36. Fest des Fastenbrechens
  37. Die letzten zehn Nächte des Ramadan und die Nacht der Bestimmung
  38. Ramadan – Monat der Wohltätigkeit
  39. Scha’baan
  40. Die Heiligen Monate und der Monat Radschab
  41. Das Tarawih-Gebet
  42. Die Abschiedspredigt
  43. Wahrhafte Liebe zum Propheten Muhammad (s)
  44. Maulidu n-Nabi - der Geburtstag des Propheten
  45. Beginn des neuen Jahres 1424 nach der Hidschra
  46. Kalender und Zeitrechung im Islam
  47. Kurban – das Schlachtopfer
  48. Takbir des Id
  49. Freiwillig helfen
  50. Gedenktage im Ramadan
  51. Ramadan in Berlin gegen Ende des 2. Weltkrieges
  52. 25 Fragen zum Fasten im Monat Ramadan
  53. Duas für die Nächte im Ramadan
  54. Duas für den Ramadan
  55. 10 Praktische Tipps für die Vorbereitung zum Ramadan
  56. Kapitel über Ramadan aus Riyad-us-salihin mit Kommentar und Lehrsätzen
  57. Eine Auswahl von Bittgebeten für den Ramadan und das Fasten
  58. Praktische Vorschläge für den Monat Ramadan
  59. Hinweise zum Fest
  60. Spenden im Ramadan
  61. Zwölf Dinge, die man in der Lailatu l-Qadr tun kann
  62. Anregungen für einen gesunden Ramadan
  63. Sieben Gründe, den glorreichen Koran zu lesen
  64. Das "In Ketten legen" der Teufel
  65. Was wird sein nach Ramadan?
  66. Das Fest der Freude
  67. Die Freude und die Dankbarkeit des Festes
  68. Was sind die Takbirat des Festes?
  69. Ramadan Selbstbewertung
  70. Weisheit und geistiger Nutzen der Hadsch
Opferfest 1430-2009

Opferfest 1430 - 2009

Gesellschaftlicher und menschlicher Wert des Opferfestes

LIEBE GESCHWISTER IM ISLAM, um den 27. November 2009 beginnt beginnt inscha´Allah das Große Fest - das Opferfest - und einen Tag zuvor stehen Hunderttausende von Muslimen von überall her auf der Welt am Berg von Arafat, flehten ihren Herren an und priesen Ihn. Nun begehen die Muslime überall auf der Welt den Freudentag des Opferfestes und teilen ihr Glück: Opfertiere werden geschlachtet, Spenden gegeben, die Familien und die Freunde besuchen sich, und die Menschen tragen ihre besten und schönsten Kleider. Doch was ist der gesellschaftliche und menschliche Wert dieses Festtages? Und wie sollte unser gesellschaftlicher Charakter an diesem Festtag aussehen?

Zum gesellschaftlichen Wert gehört, dass dieser Tag die Herzen zueinander führt, die Seelen mit Glückseligkeit erfüllt und die Körper mit Ruhe. Zum gesellschaftlichen Wert gehört, dass dieser Tag die Bande der Liebe zwischen Freunden erneuert, die Fürsorge zwischen Verwandten und den gegenseitigen Beistand unter den Menschen insgesamt. Denn am Opferfest nähern sich die Herzen in Liebe und Harmonie. Und am Opferfest vergessen die gutwilligen Seelen ihren Groll, versöhnen sich und reinigen sich somit, nachdem sie getrübt waren. Und an diesen Feiertagen reichen sich die Seelen die Hände, nachdem sie sich in Beklemmung verfangen hatten. Durch all dies wird die Verbundenheit der Mitglieder der Gemeinschaft auf das Stärkste durch Liebe, Treue und Brüderlichkeit erneuert.

Zum gesellschaftlichen Wert dieses Tages gehört auch, dass er die Gemeinschaft an die Rechte der Armen und Bedürftigen erinnert, damit die Freude dieses Festtages in jedem Haus Einzug halten kann und seine Gnade jede Familie umfasst. Auf diesen großartigen gesellschaftlichen Wert deutet auch das Schlachten und Verteilen der Opfertiere am Opferfest hin. Freigiebige Hände werden entfesselt zum Vollbringen guter Taten, damit jedes Gesicht in Lächeln erstrahlen kann.

Zum menschlichen Wert des Opferfestes gehört, dass es unzählige Menschen aus Ost und West, Nord und Süd in Feierlichkeit und Freude zu ein und derselben Zeit vereint. So sind die Menschen vereinigt in ihrem Gefühl der Glückseligkeit, und alle Geschwister dieser einen Umma (Gemeinschaft) nehmen Anteil an guten Zeiten so wie sie alle Anteil nehmen an Zeiten des Kummers und der Prüfungen. An diesem Tag werden auch die Bande der gemeinsamen ideellen und moralischen Werte gestärkt, die der Islam zwischen seinen Kindern aus den verschiedensten Nationen und trotz verschiedenster Sprachen knüpft.

Charakter einer Gemeinschaft

LIEBE GESCHWISTER, wenn jemand den Charakter einer Gemeinschaft erfahren möchte, so soll er sie an ihren Festtagen betrachten. Denn an diesen Tagen entfaltet sich ihr Wesen in ihrem reinsten Naturell, und ihre Neigungen und Gewohnheiten erscheinen in ihrer unverblümten Wirklichkeit. Und die glückliche Gemeinschaft ist gewiss die, deren gesellschaftlicher Charakter sich an ihren Festtagen zu den höchsten Gipfeln erhebt, und deren menschliches Mitgefühl sich an diesen Tagen durch Zusammenhalt, gegenseitige Hilfeleistung und Fürsorge am stärksten ausprägt, so dass jedes Herz am Opferfest schlägt vor Freude, Liebe und Güte. Doch was ist unser Anteil an diesen menschlichen Werten an unseren Festtagen heutzutage? Und wie sieht die Wirklichkeit unseres gesellschaftlichen Charakters an diesen Tagen aus?

Sicherlich, unsere Festtage zeichnen sich durch einige Merkmale gegenseitiger Unterstützung aus, doch diese Anzeichen sind gegenüber dem, wie es eigentlich sein sollte, verschwindend gering. Zu einer Zeit, als unsere Umma im Genuss glücklicherer Zeiten war, pflegten die Muslime am Vorabend des Festes an ihre Nachbarn zu denken, bevor sie an sich selbst dachten. So berichtete uns Al-Waqidy im zweiten Jahrhundert islamischer Zeitrechnung folgende Begebenheit:

„Ich hatte zwei Freunde, und wir waren wie eine Seele. Eines Tages befiel mich eine schlimme Geldnot, und dann kam das Opferfest. Da sagte meine Frau zu mir: ,Wir können uns in Geduld üben, aber der Gedanke an die Kinder zerreißt mir das Herz.’“ Al-Waqidy berichtet weiter: „Also schrieb ich in dieser Angelegenheit meinem ersten Freund, woraufhin er mir einen versiegelten Beutel mit eintausend Dirham schickte. Der Beutel war kaum in meiner Hand, als mich auch schon der Brief meines zweiten Freundes erreichte und er über die gleiche Sache klagte, über die ich geklagt hatte. So schickte ich ihm den Beutel ungeöffnet mit seinem Siegel und berichtete meiner Frau davon, und sie hieß meine Tat gut. Als ich mich nun in dieser Situation befand, kam plötzlich mein erster Freund mit dem Beutel in der Hand und sagte zu mir: ,Erzähl mir ehrlich darüber, was du mit diesem Beutel getan hast’, woraufhin ich ihm das Geschehene berichtete. Daraufhin sagte er mir: Als du mich um Geld batest, besaß ich nur diesen Beutel, den ich dir schickte. Dann schrieb ich unserem zweiten Freund über meine Lage, der mir wieder diesen Beutel zuschickte.’“ Al-Waqidy berichtet weiter: „Also teilten wir die tausend Dirham auf, für jeden von uns dreihundert Dirham, und meine Frau belohnten wir (für ihre Geduld) mit einhundert Dirham (für sich selbst).“

Dies, liebe Geschwister, ist der wahre Ausdruck charakterlicher Größe einer Gemeinschaft.

Die besten Vorbereitungen für das Fest

LIEBE GESCHWISTER IM ISLAM, es besteht kein Zweifel daran, dass Sie die besten Vorbereitungen für den Festtag getroffen haben an angemessenen Kleidern, Vergnügen und Speisen, so wie es diesem Tag gebührt. So fügen Sie Ihren Vorbereitungen eine weitere hinzu, die angesehener und würdiger ist bei Allah: Befreien Sie jemanden um Sie herum – einen Bedürftigen, Schwachen oder Vertriebenen – von seinem Kummer. Und wenn Sie dazu nicht imstande sind, dann vergessen Sie sie nicht in Ihren Bittgebeten. Und erinnern Sie sich ihrer, wenn Sie Ihre Kinder küssen und sich der Gesellschaft Ihres Ehegatten erfreuen. Erinnern Sie sich der Kinder, denen das Lächeln ihrer Väter entrissen wurde, und der Witwen, die der Liebe ihrer Gatten beraubt wurden. Erinnern Sie sich Unzähliger, die durch Tyrannei und Gewalt vertrieben wurden, deren Tränen sie trotz des Opferfestes fast ersticken, deren Schmerzen brennen wie Feuer und die nicht in den Genuss von Ruhe, Sicherheit und dauerhaftem Frieden kommen. Und erinnern Sie sich an das Wort des Propheten, auf dem der Friede Allahs sei, als er sinngemäß sagte: „Wer einen Gläubigen von einem Kummer dieser Welt befreit, den befreit Allah von einem Kummer des Jüngsten Tages. ... Allah hilft Seinem Diener, solange wie der Diener seinem Bruder hilft ... “ (Muslim). Und als er sinngemäß sagte: „Du wirst die Gläubigen sehen, wie sie barmherzig miteinander und einander in Liebe zugetan sind und liebevoll miteinander umgehen gleich einem Körper – wenn ein Glied leidet, setzt sich der ganze Körper mit Schlaflosigkeit und Fieber dafür ein“ (Buchari).

Selbstläuterung und rechtschaffenes Handeln

LIEBE GESCHWISTER, wir alle wissen, dass die islamische Welt schwere Zeiten durchlebt, Zeiten voller Not und Elend, Zeiten voller schwerer Prüfungen. Man braucht nur Augen und Ohren aufzusperren, um die Lage der Muslime überall auf der Welt zu erfahren, ihre Zukunft erscheint oft erschreckend und furchteinflößend. Diese bittere Realität hat viele Muslime zu Opfern der Verzweiflung und Mutlosigkeit gemacht, und somit zu Opfern der Trägheit und Tatenlosigkeit.

Aber inschaa’ Allah (so Gott will) ist die Wiedergeburt dieser Umma nahe. Und jede Geburt bringt Wehen mit sich, und jede Wehe geht mit Schmerzen einher. Doch am Ende des langen Tunnels tritt das Licht ans Licht. Aber damit Allah uns dieses Licht schenkt, müssen wir uns selbst läutern: „... Allah ändert ja nicht, was mit einem Volk ist, bis sie ändern, was mit ihnen selbst ist, ...“ (13:11).

Und Allah verspricht: „Allah hat denjenigen versprochen, die von euch glauben, und rechtschaffen handeln, dass Er sie ganz bestimmt als Nachfolger auf der Erde einsetzt, wie Er diejenigen vor ihnen als Nachfolger eingesetzt hat, und dass Er ganz bestimmt ihre Religion für sie stark macht, mit der Er zufrieden ist, und dass Er ihnen ganz bestimmt nach ihrer Furcht Sicherheit eintauscht. – Sie dienen Mir, sie geben Mir keine Mitgötter, und wer hiernach den Glauben verweigert, also diese, sie sind die Frevler.“ (24:55)

Nicht vergessen

LIEBE BRÜDER UND SCHWESTERN, beglückwünschen wir einander und erfreuen uns des Opferfestes. Doch denken wir auch daran, an unseren Festtagen als bewusste und besonnene Umma zu erscheinen, deren Erinnerungen an ihre liebsten Festtage sie nicht vom Gedanken an ihre Heimsuchungen und Prüfungen ablenkt. Vergessen wir nie das Bittgebet, den ganzen Einsatz und den Wunsch des Wohlergehens für die Menschen insgesamt.

O Allah, gewähre uns, dass wir Deine Gnaden danken. Lass uns den Rechten der brüderlichen Gemeinschaft nachkommen und Deinem Ruf zum Einsatz und zum Opfern folgen. Amin.