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Yunis und das Opferfest - eine Kindergeschichte zum Vorlesen

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23 Oct 2012
Opferfest, Kurban, Id-ul-Adha

Eine Vorlesegeschichte für Kindergartenkinder

Opferfest, Kurban, Id-ul-Adha

Als Yunis eines Morgens aus dem Bett hüpfte, merkte er sofort, dass etwas anders war als sonst. Das ganze Haus roch nach frisch gebackenen Keksen!
„Mama, warum backst du denn morgens schon Kekse?“ fragte er, als er in die Küche kam.
„Guten Morgen!“ meinte seine Mama lächelnd, „ich muss früh genug anfangen mit dem Backen. Weißt du, wie viele Gäste wir erwarten?“
Ja,  Yunis wusste wie viele Gäste bald kommen wollten. Alle Tanten, Onkels, Cousinen und Cousins, ein Opa, ein Großonkel und noch ein paar Freunde und Bekannte. „Aber die kommen doch erst übermorgen“, sagte Yunis und setzte sich an den Küchentisch, wo Mama schon seinen Kakao hingestellt hatte.
„Genau“, zwinkerte Mama, „und bis dahin muss ich eine Menge Kekse backen. Es soll doch für alle reichen. “
Aus dem Nebenzimmer hörte Yunis, wie Oma den Fernseher einschaltete. „Mama, darf ich mit Oma fernsehen?“
„Aber nur ganz kurz“ sagte Mama, „du musst dich gleich für den Kindergarten fertig machen!“

Yunis nahm seinen Kakao und setzte sich neben Oma. Auf dem Bildschirm sah er eine lange Straße, die über und über mit Menschen gefüllt war. Alle in Weiß. Die Männer hatten alle nur weiße Badetücher um, und die Frauen weiße Kleider und Tücher. Es sah aus, wie eine riesengroße weiße Ameisenstraße.
„So viele Leute!“ staunte Yunis.
„Ja, ja“ sagte Oma, und lächelte „es sind jedes Jahr ein paar mehr.“
„Das ist Mekka, stimmt’s Oma?“ Yunis hatte das mit Papa schon in einem Bilderbuch angesehen. Aber so im Fernseher sah es viel aufregender aus.
„Ja, das ist Mina. Mina ist bei Mekka„
„Warum sehe die eigentlich alle gleich aus?“
Oma lachte kurz, „Weißt du, die Reise nach Mekka erinnert uns daran wie klein wir Menschen eigentlich sind, und wie unendlich groß Allah ist. Alle beten das gleiche Gebet, und alle tragen die gleiche Kleidung, siehst du das?“
„Ja“ staunte Yunis.
„Sie kleiden sich alle gleich, damit sie nicht vergessen, dass wir für Gott alle gleich wichtig sind. Die Leute dort: sie sind reich oder arm, sie sind Groß oder Klein. Dort  sind Männer und Frauen, und sie kommen von überall auf der ganzen Welt her. Aber keiner ist wichtiger als der andere. Verstehst du?“
„Ja.“ Sagte Yunis.

Im Kindergarten sah alles wie immer aus, aber auch irgendwie anders. Yunis musste an das denken, was seine Oma gesagt hatte. Da gab es Kinder mit neuen Rucksäcken, und welche die die Tasche von ihren Geschwistern hatten. Da waren Kinder mit Mamas und Papas, die hier in Deutschland groß,  geworden waren, und welche deren Eltern nur ganz wenig Deutsch konnten, weil sie ganz woanders her kamen. Manche der Kinder hatten dunkle Haut, andere ganz helle, manche hatten  ganz schmale Augen und, und, und… und alle sind für Allah gleich wichtig? Wirklich alle?
Als er so überlegte, hörte Yunis plötzlich aus dem Nebenraum ein leises Schluchzen. Nanu? Vorsichtig schlich Yunis ins Zimmer um nachzusehen. Da saß Kevin in einer Ecke und weinte bitterlich. Als er Yunis sah, wischte er sich schnell die Tränen weg.
„Was hast du denn?“ fragte Yunis.
Kevin sagte nichts. Er schaute nur traurig auf seine Frühstückstasche neben der seine leere Brotdose lag.
„Hast du dein Frühstück vergessen?“ fragte Yunis, „das ist nicht schlimm, die haben doch Müsli und so Sachen in der Küche.“
„Ich hab mein Brot nicht vergessen“ sagte Kevin leise, „ich hab es gegessen.“
„Aber das ist doch nicht schlimm.“ sagte Yunis.
„Doch“, sagte Kevin, „jetzt hab ich nichts mehr fürs Mittagessen.“
Yunis fiel erst jetzt wirklich auf, dass Kevin schon seit Wochen nicht mehr mit den anderen zu Mittag gegessen hatte. Seine Mama holte ihn immer vorher ab, und brachte ihn später wieder. „Isst du denn nicht Zuhause zu Mittag?“ wollte er wissen.
Kevin schüttelte traurig den Kopf. „Ich gehe zu Mama auf die Arbeit und esse dort mein Brot. Mama sagt, wir haben nicht genug Geld für das Kindergartenessen.“   
„Oh“, Yunis setzte sich neben Kevin, „das ist ja doof.“  
Kevin packte seine leere Dose in die Tasche.
„Weißt du was?“ sagte Yunis plötzlich und stand auf, „Nimm einfach mein Brot mit.“
„Und was isst du dann zum Frühstück?“ fragte Kevin.
„Müsli“ grinste Yunis, „und ich krieg doch später Nudeln mit Tomatensoße.“

Als Yunis an diesem Tag Zuhause ankam, sah er wie sein Papa mehrere Tüten Fleisch auf den Küchentisch ablud. „Zum Grillen!“ sagte Papa zufrieden, „das wird ein Fest, was Yunis?“
„Hast du an die Salate gedacht?“ wollte Mama wissen, „und an die Gewürze für die Soßen?“
„Hol ich gleich“ beruhigte Papa, „die sind noch im Kofferraum.  Brot habe ich auch besorgt. Nur die Getränke muss ich noch holen!“
„Alhamdulillah“ sagte Mama, „und Yunis hilft mir sicher noch die Deko zu basteln, stimmt’s Yunis?“
„Du Mama? Papa?“, Yunis sah seine Eltern interessiert aufschauen, „darf ich noch jemanden zum Fest einladen?“
„Jetzt noch?“ fragte Mama erstaunt und auch Papa meinte, „Wer soll denn noch alles kommen? Die ganze Familie wird da sein, inschallah, und die müssen alle in unserem Garten Platz finden.“
„In Mekka sind auch ganz viele Leute“ meinte Yunis, „und die haben auch alle Platz.“
„Naja“ grummelte Papa, „Mekka ist auch ein ganzes Stück größer wie unser Garten.“
„Aber alle sind gleich wichtig, hat Oma gesagt!“ Yunis zeigte auf seine Oma die gerade in die Küche kam. „Egal wo sie herkommen, und egal wer sie sind, stimmt’s Oma?“
„Worum geht es denn?“ fragte Oma vorsichtig.
„Hast DU ihm gesagt, er soll noch Leute einladen?“  fragte Papa etwas genervt.
„Ich?“, Oma schaute Yunis verwirrt an, „Nein, wir haben uns heute Morgen nur über die Pilgerfahrt nach Mekka unterhalten.“
„Genau“ sagte Yunis, „und Oma hat gesagt, dass für Allah alle Menschen gleich wichtig sind. Das heißt doch auch, das ALLE sich zum Fest freuen sollen, oder?“
„Aber es bedeutet doch nicht, dass wir jetzt alle einladen müssen!“ brummte Papa, „so viel Fleisch können wir gar nicht grillen.“
„Ich will ja auch nur EINEN einladen, Papa“ bettelte Yunis, „bitte, bitte, der Kevin hatte heute wieder nur Brot zum Mittagessen und ich möchte ihm eine Freude machen.“
Plötzlich wurde es ganz still in der Küche. Mama, Papa und Oma sahen sich nachdenklich an.
„Der Kevin aus dem Kindergarten?“ fragte Mama plötzlich.
Yunis nickte und erzählte seinen Eltern und seiner Großmutter, was im Kindergarten passiert war. Oma hatte Tränen in den Augen. „Lad ihn gleich ein, mein Junge“ sagte sie, „und seine Eltern mit dazu.“
„Ja? Darf ich?“ Yunis schaute zu seinen Eltern.
Mama zuckte lächelnd mit den Schultern und Papa musste lachen:  „Manchmal sind Kinder schlauer als die Erwachsenen. Tolle Idee von dir, Kevin einzuladen. Er soll sich zum Fest auch freuen. Da hast du vollkommen Recht.“
Dieses Jahr freute sich Yunis umso mehr auf das Opferfest. Er freute sich auf die große Familie, auf das leckere Essen, auf Mamas Keksen und auf die Geschenke. Aber am meisten freute er sich, dass er dieses Jahr all diese schönen Dinge mit jemand teilen durfte, der so etwas sonst nicht hatte.  Das machte dieses Fest hundertmal schöner als sonst, denn nichts macht mehr Freude, als Freude mit anderen zu teilen.

Nadia Naji

freie Autorin

Das Team der grünenbanane wünscht allen muslimischen Familien ein gesegnetes Opferfest.

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