Die Begünstigten bedanken sich

Fidya: Eine Ersatzleistung mit sozialer Verantwortung

Von Soufian El Khayari

Ramadan ist eine Zeit der Selbstreflexion, Spiritualität und Enthaltung. Während Gläubige weltweit fasten, gibt es Situationen, in denen das Fasten aus gesundheitlichen Gründen nicht für jeden möglich ist. Damit sind keine temporären Umstände wie z.B. eine Reise, eine vorübergehende Krankheit, Menstruation oder eine Schwangerschaft gemeint, sondern wir sprechen von Fällen, in denen das Fasten chronisch verhindert wird und ein Nachholen der Fastentage somit unmöglich wird. In solchen Fällen tritt das Konzept der Fidya als Ersatzleistung in den Vordergrund.

Die Entscheidung, auf das Fasten zu verzichten, wird von individuellen Gesundheitszuständen beeinflusst. Medizinische Beratung ist dabei empfehlenswert und unser Schöpfer fordert von niemandem mehr als er zu leisten vermag.

Die Möglichkeit der Fidya ist Ausdruck der Barmherzigkeit Allahs (swt) und beweist die Flexibilität der Glaubenspraxis.

Denn diese Ersatzleistung für das nicht durchgeführte Fasten ermöglicht Gläubigen, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind, dennoch ihre religiösen Pflichten zu erfüllen. 

Mit der Fidya gilt es ersatzweise Bedürftige zu speisen. Es wird daher in Form von Lebensmitteln verteilt. Aus praktischen Gründen wird die Fidya häufig auch in Form von Geld übergeben. Wir empfehlen dabei aktuell 10 Euro pro versäumten Fastentag. Dies kann auch schon vorab oder am Anfang von Ramadan geschehen.

Die Fidya wird somit auch zur Unterstützung Bedürftiger genutzt. Durch die Integration sozialer Verantwortung in die religiöse Praxis wird die Fidya zu einem bedeutenden Instrument, das Brücken zwischen der Pflicht des Einzelnen und sozialem Engagement schlägt. Wenn Du die Fidya leisten musst, stehen wir Dir zur Seite und kümmern uns um die Abwicklung. Nutze dafür Fidya als Verwendungszweck.

Möge Allah (swt) Deine Spende annehmen
Fidya: Eine Ersatzleistung mit sozialer Verantwortung

Zugehöriges Projekt

Ramadan-Rückblick 2023

Von Miriam Laiouar

In der vergangenen Ramadansaison 2023 führte muslimehelfen erfolgreich 21 Ramadanprojekte in 17 Ländern durch. Aufgrund des weltweiten Anstiegs der Lebensmittelpreise hatte sich auch die Anzahl der Bedürftigen erhöht. Dank Spenden in Höhe von insgesamt 344.424 € konnten 13.434 bedürftige Familien während des Fastenmonats Ramadan unterstützt werden. Im Folgenden wird die Ramadanhilfe in den verschiedenen Ländern näher vorgestellt.

Insgesamt wurden 11 der 21 Ramadan-Hilfsprojekte in Asien durchgeführt. Die Länder, in denen diese Projekte umgesetzt wurden, sind Pakistan, Bangladesch, Indien, Sri Lanka, Indonesien, Kambodscha und Libanon. In jedem dieser Länder wurden die Lebensmittelpakete entsprechend den lokalen Essgewohnheiten zusammengestellt. Das Ziel war es, den bedürftigen Familien Lebensmittel bereitzustellen, die nicht nur sättigend und nahrhaft sind, sondern auch den kulinarischen Vorlieben entsprechen. Da sich die Essgewohnheiten in benachbarten Ländern oft ähneln, wiesen auch die Ramadanpakete dieser Länder viele Gemeinsamkeiten auf. Zum Beispiel enthielten die Pakete in Pakistan, Bangladesch, Indien und Sri Lanka neben Reis und Mehl auch häufig Linsen, da die Zubereitung von linsenbasierten Gerichten in diesen Regionen beliebt ist. Linsen schmecken nicht nur gut, sondern dienen auch als ausgezeichnete pflanzliche Protein- und Eisenquelle.

Ein Beispiel für ein Ramadanpaket für eine bedürftige Familie in Pakistan umfasste 20 kg Weizenmehl, 7 kg Reis, 5 kg Kichererbsenmehl, 3 kg rote Linsen, 3 kg Kichererbsen, 4 kg Kidneybohnen, 5 kg Ghee, 1 kg Tee und 3 kg Zucker. Obwohl Zucker an sich nicht sättigend ist, trinken die Begünstigten ihren Tee mit Zucker, und bereiten gerne Süßspeisen zu Ramadan und den Festtagen zu. Bei der Zusammenstellung der Pakete versucht muslimehelfen also auch auf die Wünsche der Begünstigten einzugehen. Insgesamt 321 bedürftige Familien im Distrikt Peshawar erhielten im vergangenen Ramadan dieses zusammengestellte Lebensmittelpaket.

Pakistan: Ramadanhilfe im Jahr 2023 im Distrikt Peshawar
In Indonesien und Kambodscha werden neben Reis auch gerne Nudeln gegessen. In einem der beiden Ramadanhilfen in Indonesien wurden an insgesamt 500 arme Familien in der Provinz Aceh Besar folgende Lebensmittel verteilt: 10 kg Reis, 2 kg Reismehl, 600 g Maisnudeln, 2 Liter Speiseöl, 425 g Fischkonserven, 1 kg Zucker, 400 g Margarine und 500 g Salz. In Kambodscha bestanden die verteilten 1.146 Lebensmittelpakete jeweils aus 14 kg Reis, 10 Päckchen Instant-Nudeln, 2 Dosen Milch, 1 kg Zucker und einer Flasche Milo. Milo ist ein Kakaomalzgetränk, das mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert ist und in vielen Ländern ein sehr beliebtes Getränk ist. Nicht nur in Asien, sondern auch in einigen afrikanischen Ländern genießt das Getränkepulver eine hohe Beliebtheit. Daher wurde Milo im letzten Ramadan auch in Togo verteilt.

Lebensmittel für Geflüchtete in Asien

Zum Beginn des Ramadans im letzten Jahr finanzierte muslimehelfen auch Lebensmittelpakete für geflüchtete Menschen. Im Distrikt West Bekaa im Libanon sind viele syrische Flüchtlinge in Camps untergebracht. Aufgrund beschränkter Arbeitsmöglichkeiten und fehlender finanzieller Unterstützung seitens des Staates sind sie auf Hilfsorganisationen angewiesen. Insgesamt erhielten 474 syrische Flüchtlingsfamilien jeweils 10 kg Reis, 5 kg Mehl, 4 kg Bulgur, 3 Liter Sonnenblumenöl, 3 kg Linsen, 660 g Tomatenmark, 400 g Sesampaste, 750 g Butterschmalz, 2 Packungen Spaghetti, 1 kg Milchpulver, 1 kg Zucker, 1 kg Salz, 600 g Fadennudeln und 250 g Tee. Mit den übrig gebliebenen Projektmitteln und einem Zuschlag durch unsere Partnerorganisation wurden außerdem jeweils ein Kilogramm Datteln für die syrischen Familien gekauft. Nach der Sunnah des Propheten (saw) wird das Fasten nämlich mit einer Dattel oder Wasser gebrochen.
Neben der Unterstützung für syrische Flüchtlinge wurden auch zwei Projekte für Rohingya-Flüchtlinge umgesetzt. Cox’s Bazar im Südosten Bangladeschs beherbergt derzeit das größte Flüchtlingslager der Welt. Es befindet sich an der Grenze zu Myanmar, aus dem die Rohingya, eine muslimische Minderheit, vertrieben wurden. In einem der vielen Flüchtlingscamps in Cox’s Bazar konnte Ramadanhilfe für 600 Rohingya-Familien bereitgestellt werden. Zusätzlich wurden aufgrund gesetzlicher Vorschriften 200 einheimische bangladeschische Familien berücksichtigt. In Bangladesch ist gesetzlich festgelegt, dass mindestens 25% der Hilfe an Einheimische gehen müssen, um gesellschaftliche Spannungen zu vermeiden und bedürftige einheimische Familien nicht zu vernachlässigen. Jede der insgesamt 800 Familien erhielt 2 kg Weizenmehl, 2 kg gepufften Reis, 2 kg Kichererbsen, 2 kg Kartoffeln, 1 kg Trockenfisch, 1 kg Zucker und 1 kg Milchpulver.
Das zweite Ramadanhilfsprojekt für Rohingya wurde in Indien durchgeführt. Viele der geflohenen Rohingya haben dort Schwierigkeiten Arbeit zu finden, vor allem aufgrund von Sprachbarrieren. Auch in Indien wurden neben den Rohingya-Familien zusätzlich einheimische Familien in die Hilfe einbezogen. Die Unterstützung richtete sich jedoch hauptsächlich an Rohingya-Familien im Distrikt Hyderabad. Insgesamt erhielten 1000 Familien jeweils 12 kg Reis, 5 kg Mehl, 2 Liter Speiseöl, 2 kg rote Linsen, 2 kg Zucker, 250 g Tee, 1 kg Fadennudeln und 250 g Trockenfrüchte mit Nüssen.

Rahmatullah, ein 49-jähriger Rohingya-Flüchtling, bedankte sich bei muslimehelfen mit folgenden Worten: „Ich lebe mit meiner Familie im Flüchtlingscamp Cox’s Bazar. Aus Angst um unser Leben sind wir 2017 in dieses Land geflohen, nachdem die myanmarische Armee unser Haus niedergebrannt hat. Seitdem wir hier sind, leben wir die meiste Zeit mit einem Mangel an Unterkunft, Nahrung und Wasser. Ich bin sehr froh über dieses Lebensmittelpaket, das den Ramadan für mich und meine Familie etwas leichter macht. Ich bete, dass Allah (swt), der Allmächtige, eure Wohltaten akzeptiert. Amin.“

Indien, Hyderabad: Rohingya-Familie freut sich über Ramadanpaket.

Ramadanhilfe in Afrika

In Afrika führte muslimehelfen insgesamt acht Ramadanhilfsprojekte in verschiedenen Ländern durch, um Familien zu unterstützen, die unter extremen Bedingungen leben. In der Demokratischen Republik Kongo erhielten 200 bedürftige Familien Lebensmittelpakete. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 27 Millionen der rund 99 Millionen Einwohner in der DR Kongo auf humanitäre Hilfe angewiesen. Über fünf Millionen Menschen sind aufgrund von Gewalt und internen Konflikten im Land auf der Flucht. Tausende Flüchtlinge haben die DR Kongo verlassen und sind in das Nachbarland Burundi geflohen, wo ebenfalls ein Ramadan-Hilfsprojekt umgesetzt wurde. Burundi, gemessen am BIP pro Kopf das ärmste Land der Welt, kann diesen Flüchtlingen jedoch keine besseren Perspektiven bieten.

In Malawi richtete sich die Ramadanhilfe an 290 Familien, die Opfer des Zyklons Freddy wurden, der im März 2023 zu erheblichen Schäden und mindestens 1000 Todesopfern führte. In Ruanda konnten letztes Jahr 1100 Familien mit Lebensmittelpaketen erreicht werden. Dort lebt etwa die Hälfte der Bevölkerung in extremer Armut. Weitere 700 mittellose Familien wurden in Südafrika berücksichtigt, wo die Bevölkerung immer noch mit den Folgen des Apartheid-Regimes kämpft. Obwohl sich mittlerweile eine schwarze Mittel- und Oberschicht gebildet hat, leidet ein Großteil der schwarzen Bevölkerung weiterhin unter Armut und Arbeitslosigkeit.

In Togo konzentrierte sich die Ramadanhilfe hauptsächlich auf Menschen mit Behinderungen, die Schwierigkeiten haben eine Arbeit zu finden und daher häufig von Armut betroffen sind. Auch in Simbabwe wurde bei der Verteilung der Lebensmittelpakete ein besonderes Augenmerk auf Menschen mit Behinderungen, Alte und chronisch Kranke gelegt. Schließlich erreichten wir 1035 hungernde Familien in Kenia, wo die schlimmste Dürre seit 40 Jahren herrscht. Das Lebensmittelpaket für jede begünstigte Familie in Kenia umfasste 5 kg Weizenmehl, 5 kg Maismehl, 3 kg Reis, 3 Liter Speiseöl, 2 kg Bohnen, 1 kg Butterschmalz, 2 kg Zucker und 1 kg Salz.

Kenia: Lebensmittelpaket, das an 1035 bedürftige Familien im Ramadan verteilt wurde

Ramadanhilfe in Europa

Bei der letzten Ramadanhilfe wurden zwei europäische Länder berücksichtigt: Albanien und die Ukraine. Die Ukraine ist seit zwei Jahren ein Kriegsgebiet auf europäischem Boden. Hauptsächlich sind der Osten und Süden des Landes von den Angriffen aus Russland betroffen. Im nicht angegriffenen Westen und Norden des Landes leben viele Ukrainer, die aus den Kriegsgebieten geflohen sind. 250 Familien aus Kiew, Lwiw und Odessa konnte muslimehelfen im letzten Ramadan mit Lebensmittelpaketen versorgen. Jede Familie erhielt 5 kg Reis, 5 kg Mehl, 5 kg Buchweizen, 5 kg Nudeln, 5 kg Zucker, 3 Liter Öl und 400 g Tee. Dabei wurden Binnenflüchtlinge sowie arme und ältere Menschen berücksichtigt.

Albanien zählt zu den ärmsten Ländern Europas und kämpft trotz einiger Fortschritte in den letzten Jahren weiterhin mit wirtschaftlichen Herausforderungen. Armut und Arbeitslosigkeit sind in einigen Regionen Albaniens weit verbreitet. Im Rahmen der letzten Ramadanhilfe erhielten insgesamt 280 bedürftige Familien eine sorgfältig zusammengestellte Versorgung. Diese bestand aus 10 kg Mehl, 5 kg Nudeln, 4 kg Reis, 4 kg Bohnen, 3 kg Zucker, 2 Liter Öl, 300 g Kaffee, 200 g Salz und einer zusätzlichen Packung Biskuit-Kekse, die von unserer Partnerorganisation in Albanien gespendet wurde. Ein derartiges Lebensmittelpaket reichte einer Familie mit 3 – 4 Personen für den gesamten Monat aus. Besondere Berücksichtigung fanden Familien, die aufgrund von Krankheit oder Beeinträchtigung keiner Erwerbstätigkeit nachgehen können und daher auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Ebenso wurden Familien einbezogen, die Kinder mit Behinderungen oder ältere Angehörige pflegen. Auch alleinlebende ältere Menschen wurden bei der Verteilung berücksichtigt.

Wir danken jedem Spender für die großzügige Unterstützung der letzten Ramadanprojekte. Dank Eurer Hilfe konnten sich bedürftige Familien auf ihren Gottesdienst im gesegneten Monat Ramadan konzentrieren, ohne sich um die nächste Mahlzeit sorgen zu müssen. Möge Allah (swt) auch Dich vor Sorgen bewahren und Dich reichlich belohnen.

Verteilung von Lebensmitteln

Der Zusammenhang zwischen Lebensmitteln und Winterhilfe scheint nicht sofort schlüssig zu sein, jedoch sind alle Personen und Familien, die unsere Hilfe erhalten, arm und bedürftig, dass es ihnen im Winter nicht nur an warmer Kleidung und Heizmöglichkeiten fehlt, sondern auch an grundlegenden Lebensmitteln. Für viele stellt die Beschaffung von ausreichend Nahrung für ihre Familie eine große Bürde dar. In Anbetracht der erheblich gestiegenen Lebensmittelpreise in den letzten Jahren ist dies nicht erstaunlich. Laut dem Food Price Index der Food and Agriculture Organization sind die Lebensmittelpreise im Jahr 2023 weltweit um 26,8 Prozent höher ausgefallen als im Vergleichszeitraum 2014 bis 2016.

Selbst in Europa gibt es Menschen, die in Armut leben. In Albanien sind vor allem alte Menschen und Angehörige von Minderheiten von Armut betroffen. Genau dieser Zielgruppe haben wir im Rahmen der letzten Winterhilfe im Dezember 2022 geholfen. 400 Familien im Kreis Dibra und Durres, die Angehörige mit einer Behinderung haben, sich um alte Familienmitglieder kümmern oder um Waisenkinder, bekamen jeweils eine warme Decke und finanzielle Unterstützung in Form von Lebensmitteln. Jede Familie erhielt 10 kg Mehl, 5 kg Nudeln, 4 kg Reis, 4 kg Bohnen, 2 Liter Speiseöl, 3 kg Zucker und 200 g Salz.

Auch in Indien versorgten wir Tagelöhner mit Grundnahrungsmitteln während der letzten Wintersaison. Die Mehrheit der begünstigten 397 Familien arbeitet auf Kaffee- und Paprikaplantagen in den Palani-Bergen. Sie sind auf den täglichen Lohn angewiesen, um ihre Familien zu ernähren. Im Winter wird es jedoch an manchen Tagen so kalt im Gebirge, dass sie den ganzen Tag über nicht arbeiten können. Damit die finanzielle Not der Familien gelindert wird, versorgten wir sie mit 15 kg Reis, 10 kg Mehl, 5 kg Linsen, 2 Liter Speiseöl, 2 kg Zucker, 1 kg Salz, 1 kg Teepulver und 500 g Masala-Gewürz. Um sich warm zu halten, bekamen sie zusätzlich jeweils eine Decke und eine Bodenmatratze.

Wir danken unseren Spendern für ihre großzügige und gütige Unterstützung, die es uns Jahr für Jahr ermöglicht, zahlreichen Menschen über Kontinente hinweg durch den harten Winter zu helfen. Möge Allah Euch reichlich belohnen und mit Euch zufrieden sein.

Ramadan-Rückblick 2023

Zugehöriges Projekt

Rückblick auf die letzte Winterhilfe-Saison

Von Miriam Laiouar

Die Winterhilfe ist seit Jahren ein fester Bestandteil der humanitären Hilfe von muslimehelfen. Auch in der vergangenen Wintersaison war es uns ein großes Anliegen, bedürftigen Menschen zu helfen, die kalten Wintermonate zu überstehen. Insgesamt konnten 16 Winterhilfeprojekte umgesetzt werden, wodurch 8124 Familien beziehungsweise circa 40.000 Menschen insgesamt in den Ländern Albanien, Bosnien, Ukraine, Bangladesch, Indien, Nepal, Pakistan, Libanon, Südafrika und Simbabwe geholfen werden konnte. Je nach Region und Umständen der Menschen fiel die benötigte Hilfe jedoch etwas anders aus. Im Folgenden werden die verschiedenen Winterhilfeprojekte der letzten Wintersaison mit ihren unterschiedlichen Facetten vorgestellt.

Verteilung von Decken und Kleidung

In der letzten Wintersaison haben wir verstärkt in den südasiatischen Ländern Indien, Pakistan, Bangladesch und Nepal geholfen. In dieser Region herrscht über das Jahr hinweg überwiegend ein warmes Klima. Die Menschen dort sind daher viel besser auf hohe Temperaturen als auf niedrige Temperaturen adaptiert. Sie besitzen überwiegend leichte, luftige Kleidung, die ihnen im Winter aber zu wenig Wärme schenkt. Besonders arme Familien können es sich nicht leisten, extra für die Wintertage neue Kleidung oder warme Decken zu kaufen.

In Pakistan waren mit Anbetracht der Flutkatastrophe im Sommer 2022 noch mehr Familien als sonst der Winterhilfe bedürftig. Nur wenige Monate, nachdem sie durch die Flut ihre Häuser und gesamten Besitz verloren haben, mussten sich die Familien bereits auf den Winter gefasst machen. muslimehelfen begann mit der Winterhilfe in Pakistan daher bereits Mitte September 2022. An insgesamt 319 Familien wurden jeweils 3 Bodenmatratzen, 3 Steppdecken, 3 Kissen, 2 Wolldecken, 2 Pullover für Erwachsene – eins für Männer und eins für Frauen, 2 Schale für Frauen, 2 Schale für Männer, 1 Paar Wollhandschuhe, 3 Kinderpullover und 3 Kinderhandschuhe verteilt. Durch insgesamt 40.936 € konnten so ganze 1496 Kinder mitsamt ihren Familien für den Winter ausgerüstet werden. In einem zweiten Projekt in Pakistan verteilten wir ebenfalls jeweils 2 Steppdecken und warme Klamotten an insgesamt 450 weitere bedürftige Familien.

Auch in Nepal im Distrikt Kathmandu verteilten wir an 558 Familien jeweils eine warme Decke, eine Jacke oder einen Pullover und eine Mütze. Bei den Begünstigten handelte es sich vor allem um Mütter und Väter, die mit einer Mindestlohnarbeit sich und ihre Kinder zu versorgen versuchen. Sie arbeiten meist als Fabrikarbeiter, Hausmädchen, Reinigungskräfte oder Lohnarbeiter und können sich mit ihrem Gehalt nur einen sehr niedrigen Lebensstandard leisten. Auch Obdachlose waren Empfänger dieser Winterhilfe.

Nepal: Verteilung von Decke, Pullover und Mütze für den Winter.

In Indien und Bangladesch wurden jeweils zwei Winterhilfeprojekte durchgeführt, in denen Decken und warme Kleidung verteilt wurden. Eins für bedürftige Familien und eins für Rohingya-Flüchtlinge im Land. Im Südosten Bangladeschs in Cox’s Bazar existiert das zur Zeit größte Flüchtlingslager der Welt. Es liegt an der Grenze zum Nachbarland Myanmar, aus dem die Rohing-ya, eine muslimische Minderheit, vertrieben wurden. In einem der vielen Flüchtlingscamps in Cox’s Bazar konnte muslimehelfen an 1145 Rohingya-Familien jeweils eine große Decke und einen Schal verteilen. Da durch den starken Zustrom der Rohingya-Flüchtlinge die Lebensgrundlage der Gastgemeinden stark beeinträchtigt wurde, wurden auf behördliche Anweisung im Land auch Wintersachen an einheimische Familien verteilt. 375 bedürftige einheimische Familien erhielten ebenfalls jeweils eine Decke und einen Schal. Auch in Indien leben viele Rohingya-Flüchtlinge. Die meisten von ihnen arbeiten als Tagelöhner, um über die Runden zu kommen. Durch den coronabedingten Lockdown verloren viele jedoch ihre Arbeit und wurden noch bedürftiger. Im letzten Winter versorgten wir jeweils 1000 Rohingya-Familien in den Flüchtlingscamps des Distrikts Hyderabad in Indien mit einer dicken Decke, einem Pullover sowie einem großen Bettlaken mit Kissenbezügen. Die Projektkosten für die Rohingya-Winterhilfe in Indien und Bangladesch beliefen sich zusammengerechnet auf 53.194 €.

In Südafrika und Zimbabwe wurden bedürftige Familien ebenfalls mit Decken versorgt. In Zimbabwe haben 150 Kinder zusätzlich einen Trainingsanzug erhalten, der sie warm hält. Das Besondere an den Ländern im Süden Afrikas ist, dass der Winter bereits im Juni beginnt und bis zum August anhält. Dies liegt daran, dass sich diese Länder auf der Südhalbkugel befinden. Während bei uns Sommer ist, herrscht dort Winter. Dementsprechend wurden die Winterprojekte in Südafrika und Zimbabwe im Juni letzten Jahres durchgeführt.

Ein warmes Zuhause durch Heizmittel

Es gibt Länder, dort fehlt es den Bedürftigen im Winter an erster Stelle an Heizmitteln, um ihr Zuhause aufzuwärmen. Hier in Deutschland sind wir es alle gewohnt im Winter unsere Heizungen aufzudrehen, um eine angenehme Zimmertemperatur zu erreichen. In anderen Ländern, wie beispielsweise in Bosnien und Herzegowina, wird stattdessen noch viel mit Holz und Kohle geheizt. Für die Familien, die nicht in der finanziellen Lage sind, genügend Holz und Kohle für den kalten Winter zu beschaffen, haben wir im Oktober bis Dezember 2022 zwei Projekte umgesetzt. Im ersten Projekt konzentrierten wir uns auf Waisenfamilien, die unter der Armutsgrenze lebten, und im zweiten Projekt auf weitere bedürftige Familien, die die Hilfe ebenfalls benötigten. Mit 16.500 € konnten wir insgesamt 82 Waisenfamilien in den Kantonen Sarajevo, Tuzla und Zenica-Doboj mit jeweils 2 Raummeter vorgeschnittenem Holz versorgen. Insgesamt 164 Waisenkinder konnten dadurch den letzten Winter in einem warmen Zuhause verbringen. Mit zusätzlichen 10.350 € haben wir weitere 50 Familien mit 2 Raummeter Brennholz versorgen können. Darüber hinaus konnten 26 Tonnen Kohle an ein Aufnahmezentrum gespendet werden, in dem Obdachlose und Menschen mit Behinderungen aufgenommen und versorgt werden. So konnten 440 weitere Begünstigte durch den kalten Winter gebracht werden.

Bosnien: Ältere Frau erhält Brennholz, um ihr Zuhause aufwärmen zu können.

Auch in der Ukraine, die sich seit mehr als eineinhalb Jahren im Krieg mit Russland befindet, sorgen sich viele Menschen darum, wie sie sich im Winter warmhalten sollen. In der Region Kiew, Lwiw und Dnipro leisteten wir daher Winterhilfe an geflüchteten Familien, die ihr Zuhause verlassen mussten und in sichereren Regionen des Landes Unterschlupf suchen. Da sie ihr gesamtes Hab und Gut jedoch zurücklassen mussten, fehlt ihnen so gut wie alles. Um den betroffenen Familien zumindest die Wärme zurückzugeben, wurden an insgesamt 151 Familien jeweils ein elektrisches Heizgerät und eine warme Decke verteilt.

Noch nie war die Zahl der Menschen, die wegen Krieg, Konflikten und Verfolgung ihre Heimat verlassen mussten so hoch wie heute. Laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR waren Anfang 2023 weltweit 110 Millionen Menschen auf der Flucht. Dabei ist das Land, das im Vergleich zur eigenen Einwohnerzahl am meisten Geflüchtete aufgenommen hat, der Libanon. Die Mehrheit der Geflüchteten im Libanon ist vor dem Syrienkrieg geflüchtet. Nun leben sie in überfüllten Camps, Zelte sind zu ihrem Zuhause geworden und Abdeckplanen bilden das Dach über ihrem Kopf. Diese Wohnverhältnisse schützen leider kaum vor Kälte. Oft erhitzen sie Plastik, weil sie sich anderes Heizmaterial nicht leisten können. Die dabei freiwerdenden Dämpfe sind allerdings sehr gesundheitsschädlich. Um den Familien eine bessere Alternative zu bieten, hat muslimehelfen im letzten Winter an 474 Familien jeweils 34 Liter Heizöl verteilt. Das Heizöl verwenden die geflüchteten Familien für ihre Ölöfen, die unsere Partnerorganisation bereits in den Jahren davor verteilte.

Ein weiteres Problem neben dem Heizmaterial sind die undichten Abdeckplanen über ihren Köpfen. Die meisten Abdeckplanen sind brüchig und undicht, sodass die Familie nass wird bei Regen. Im Winter ist die Kombination von Kälte und Nässe besonders schlimm. Wir ersetzten daher die alten, undichten Planen von 97 Zelten durch Neue, die keinen Regen durchlassen. Insgesamt 128 geflüchtete, syrische Familien konnten so ein winterdichtes Dach erhalten. Unsere Partnerorganisation, mit der wir gemeinsam das Projekt umgesetzt haben, hat zusätzlich die Kosten für Abdeckplanen von 33 weiteren Zelten übernommen. Die Projektkosten für beide Winterprojekte im Libanon beliefen sich auf insgesamt 49.936 €.

Libanon: Zelte im Flüchtlingscamp wurden mit neuen Abdeckplanen ausgestattet.

Verteilung von Lebensmitteln

Der Zusammenhang zwischen Lebensmitteln und Winterhilfe scheint nicht sofort schlüssig zu sein, jedoch sind alle Personen und Familien, die unsere Hilfe erhalten, arm und bedürftig, dass es ihnen im Winter nicht nur an warmer Kleidung und Heizmöglichkeiten fehlt, sondern auch an grundlegenden Lebensmitteln. Für viele stellt die Beschaffung von ausreichend Nahrung für ihre Familie eine große Bürde dar. In Anbetracht der erheblich gestiegenen Lebensmittelpreise in den letzten Jahren ist dies nicht erstaunlich. Laut dem Food Price Index der Food and Agriculture Organization sind die Lebensmittelpreise im Jahr 2023 weltweit um 26,8 Prozent höher ausgefallen als im Vergleichszeitraum 2014 bis 2016.

Selbst in Europa gibt es Menschen, die in Armut leben. In Albanien sind vor allem alte Menschen und Angehörige von Minderheiten von Armut betroffen. Genau dieser Zielgruppe haben wir im Rahmen der letzten Winterhilfe im Dezember 2022 geholfen. 400 Familien im Kreis Dibra und Durres, die Angehörige mit einer Behinderung haben, sich um alte Familienmitglieder kümmern oder um Waisenkinder, bekamen jeweils eine warme Decke und finanzielle Unterstützung in Form von Lebensmitteln. Jede Familie erhielt 10 kg Mehl, 5 kg Nudeln, 4 kg Reis, 4 kg Bohnen, 2 Liter Speiseöl, 3 kg Zucker und 200 g Salz.

Auch in Indien versorgten wir Tagelöhner mit Grundnahrungsmitteln während der letzten Wintersaison. Die Mehrheit der begünstigten 397 Familien arbeitet auf Kaffee- und Paprikaplantagen in den Palani-Bergen. Sie sind auf den täglichen Lohn angewiesen, um ihre Familien zu ernähren. Im Winter wird es jedoch an manchen Tagen so kalt im Gebirge, dass sie den ganzen Tag über nicht arbeiten können. Damit die finanzielle Not der Familien gelindert wird, versorgten wir sie mit 15 kg Reis, 10 kg Mehl, 5 kg Linsen, 2 Liter Speiseöl, 2 kg Zucker, 1 kg Salz, 1 kg Teepulver und 500 g Masala-Gewürz. Um sich warm zu halten, bekamen sie zusätzlich jeweils eine Decke und eine Bodenmatratze.

Wir danken unseren Spendern für ihre großzügige und gütige Unterstützung, die es uns Jahr für Jahr ermöglicht, zahlreichen Menschen über Kontinente hinweg durch den harten Winter zu helfen. Möge Allah Euch reichlich belohnen und mit Euch zufrieden sein.

Rückblick auf die letzte Winterhilfe-Saison

Zugehöriges Projekt

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