Burundi – von Waisen, der Schule und Waqf

Jusuf v.Denffer

Südlich des Äquators inmitten des afrikanischen Kontinents am Tanganyika-See gelegen, befindet sich Burundi. Wie bei uns in Deutschland leben auch in Burundi die Muslime in einer Minderheit. Im Gegensatz zu uns in Deutschland sind die Lebensbedingungen für sie jedoch sehr schwer, da sie unter machtpolitischen Unruhen, kriegerischen Auseinandersetzungen und einer maroden Wirtschaftslage leiden. Die meisten Menschen in Burundi leben unterhalb der Armutsgrenze. Bei muslimehelfen ist Burundi als das ärmste Projektland aufgelistet. Seit dem Jahr 2003 werden in Burundi für die Belange der Waisenkinder Projekte als Unterstützung umgesetzt. Zu Beginn dieser Unterstützung von muslimehelfen waren AIDS und HIV leider ein sehr aktuelles Thema. Viele Kinder in Burundi sind durch den Tod ihrer Eltern daran zu Waisenkindern geworden und einige von ihnen selbst sind daran erkrankt. Aus diesem Grund stand bei der Unterstützung der Waisenkinder in Burundi von muslimehelfen von Anfang an das Wesentliche im Vordergrund: die Betreuung und Verpflegung der Waisenkinder.

Die Anzahl der Waisenkinder in Burundi ist mit den Jahren nicht kleiner geworden, ihre Situation hat sich jedoch etwas verändert. Die Waisenhilfe von muslimehelfen in Burundi ist mittlerweile fest etabliert und Projekte werden kontinuierlich umgesetzt. Neben den grundlegenden Bedürfnissen der Waisenkinder nach Betreuung und Verpflegung rückt die Bildung immer mehr in den Vordergrund. So wurde beispielsweise im Jahr 2010 in Bujumbura, der ehemaligen Hauptstadt von Burundi, ein von muslimehelfen finanziertes Waisenzentrum eröffnet. Noch im selben Jahr, im Herbst, wurden dort die ersten vier Klassen der „Muslime Helfen Primary School” (Grundschule) für den Schulunterricht eingerichtet. Mit jedem darauffolgenden Jahr wurde die Schule um eine Klasse erweitert. Im Jahr 2018 fand eine von muslimehelfen finanzierte Instandsetzung der bisherigen Räumlichkeiten statt und das Gebäude des Waisenzentrums wurde für den Schulbetrieb der „Muslime Helfen School“ nun bis zur neunten Klasse ausgebaut.

Aktuell werden durch zwei fortlaufende größere Projektumsetzungen von muslimehelfen die Waisenkinder in Burundi unterstützt: die Waisenhilfe und der Schulbetrieb der Muslime Helfen School. Bei beiden Projekten ist der seit 2008 aktive und gut arbeitende Partner in Bujumbura stets ein verlässlicher Ansprechpartner, denn beide Projekte laufen seit 15 Jahren durchgehend und ohne Unterbrechung bei muslimehelfen. Die aktuelle Waisenhilfe von muslimehelfen in Burundi ist vielseitig und umfasst die Finanzierung von Lebensmitteln, Schulgebühren, Gesundheitskosten und Betreuung für die Waisenkinder. So erhielten über das Jahr 2025 verteilt 400 Waisenkinder mit ihren Familien insgesamt je 72 kg Reis, 72 kg Bohnen und 24 kg Zucker. Für rund 70 Waisenkinder, die nicht die Muslime Helfen School besuchen, sondern an anderen Schulen am Unterricht teilnehmen, wurden die Schulgebühren bezahlt. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr auch für 900 Waisenkinder die Kosten für ärztliche Behandlungen und medizinische Versorgung übernommen. Das Mädchenwaisenhaus Kiyange bei Bujumbura wurde im vergangenen Jahr mit 5.400 kg Reis, 3.600 kg Maniokmehl, 2.520 kg Bohnen, 360 l Speiseöl und 750 kg Zucker versorgt. Dies reicht für etwas mehr als 60 Waisenkinder. In der Waisenhilfe von muslimehelfen in Burundi sind auch die Kosten für die Betreuung der Waisenkinder und ihrer Familien enthalten. Beispielsweise kümmern sich eine Krankenschwester, eine Sozialarbeiterin oder auch Mitarbeiter unseres Partners direkt und regelmäßig um das Wohl der Waisenkinder und ihrer Familien und stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Burundi: Lebensmittel für Waisenhilfe.

Der Schulbetrieb der Muslime Helfen School in Bujumbura ist das andere große und langfristige Projekt von muslimehelfen in Burundi. In dieser Schule können sich die Waisenkinder in einer angenehmen und sicheren Umgebung auf das Lernen konzentrieren. In Burundi gibt es eine neunjährige obligatorische Schulzeit. Die Schule verfügt seit ihrer Instandsetzung und Erweiterung im Jahr 2018 über Klassenzimmer für die Klassen 1 bis 9. Zu den Schulfächern gehören die Landessprache Kirundi und weitere Sprachen wie Französisch, Englisch und Kiswahili, aber auch Mathematik sowie in den höheren Klassen Gesellschaftskunde, Chemie, Biologie, Physik und Technik. Neben dem Schulunterricht werden die Schulkinder täglich mit warmen Mahlzeiten versorgt. Die laufenden Kosten für den Schulbetrieb werden von muslimehelfen finanziert, darunter sind Lebensmittel für das Schulessen, Schulmaterial und Schuluniformen für rund 250 Schulkinder, Gehälter für elf Lehrkräfte und weiteres Schulpersonal, Strom- und Wasserrechnungen, die Miete für die Küche, Löhne für die Köche und weitere Helfer sowie administrative Ausgaben.

Burundi: Im Innenhof der Muslime Helfen School in Bujumbura.

Wenn man Nachrichten wie die des 11-jährigen Issa liest: „Assalam Alaikum Warahmatullah Warabarakatuh. Ich bin Issa und ich danke Euch, dass Ihr mir die Chance gegeben habt, an der Muslime Helfen School zu lernen! Wir bekommen kostenloses Essen, können kostenlos lernen und auch die Behandlungen sind kostenlos. Wir danken Euch von unseren Herzen und beten dafür, dass Ihr uns und noch vielen anderen wie uns weiterhelft.,” dann wird deutlich, welche Bedeutung die Muslime Helfen School in Bujumbura für die Waisenkinder hat. Die Schule ist für die Waisenkinder nicht nur ein Ort des Lernens, sondern fast schon wie ein zweites Zuhause geworden, an dem sie gerne Zeit verbringen. Für muslimehelfen war es ein großes Anliegen, die Waisenhilfe in Burundi auch vor Ort mit eigenen Mitteln zu unterstützen.

Burundi: Das im Jahr 2011 errichtete Lagerdepot in Rugombo.

Ein paar Monate nach der Eröffnung des Waisenzentrums in Bujumbura und kurz nach Beginn des ersten Schuljahres für die ersten vier Klassen an der Muslime Helfen School erwarb muslimehelfen im Jahr 2010 drei Grundstücksflächen für die agrarwirtschaftliche Nutzung und übergab sie dem Partner vor Ort als Waqf-Land. Im darauffolgenden Jahr 2011 finanzierte muslimehelfen auch den Bau eines Lagerdepots zur Aufbewahrung der Ernteerträge. Ziel der beiden Projekte war es, durch die agrarwirtschaftliche Nutzung des Waqf-Landes Einnahmen zu erzielen und damit einen Beitrag zur Unterstützung der Waisenhilfe und des Schulbetriebs der Muslime Helfen School zu leisten.

Bereits drei Jahre nach Erhalt des Waqf-Landes war es unserem Partner möglich, das Jahresgehalt zweier Lehrer der Muslime Helfen School selbstständig zu finanzieren. Seit 2019 beteiligt er sich an der Zahlung der Jahresgehälter von sechs der 17 angestellten Lehrkräfte der Muslime Helfen School. Er versucht, sich auch an den weiteren Kosten der Schule zu beteiligen und die Einnahmen aus dem Waqf-Land direkt für die Waisenhilfe zu nutzen. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage im Land ist dies nicht leicht zu bewältigen, aber immerhin ist es gelungen, mit den verfügbaren Mitteln selbstständig einen Beitrag zur Unterstützung der Waisenkinder zu leisten …

… Im Oktober 2025 hatte ich im Rahmen einer Projektreise nach Burundi, Ruanda und in die Demokratische Republik Kongo die Gelegenheit, mir vor Ort ein aktuelles Bild von Burundi und den dort umgesetzten Projekten zu machen. Einige der dargelegten Informationen über Burundi und die dort umgesetzten Projekte waren mir durch meine Arbeit als Projektadministrator bei muslimehelfen bereits bekannt. Ich war aber auch auf neue Details und Situationen gespannt, die mir zuvor nicht bekannt waren. Die Verhältnisse in Burundi sind nicht gut. Die oft erlebten Motive der sehr langen Autoschlangen vor leeren Tankstellen und der vielen Fahrräder, die mit meist zwei senkrechten Holzpfählen auf dem Gepäckträger montiert waren, um daran größere Gegenstände oder auch Personen zu transportieren, verdeutlichten diesen Eindruck noch mehr. Normalerweise verbrachte ich die Abende während einer Projektreise im Hotelzimmer damit, mir Notizen für den nächsten Tag zu machen, Nachrichten nach Hause zu schicken und dem Büroteam von den Neuigkeiten der Projektreise zu berichten. In Burundi war mir das aufgrund der häufig auftretenden Stromausfälle jedoch nicht möglich. Eines Abends saß ich wieder im Dunkeln im Hotelzimmer. Ich merkte, dass nicht einmal von außen das Licht der Straßenlaternen hereinschien, da das gesamte Viertel um das Hotel vom Stromausfall betroffen war. Von solchen Verhältnissen war ich zuvor noch nie direkt betroffen gewesen, aber für ein paar Nächte würde ich damit schon zurechtkommen. Die Menschen in Burundi müssen jedoch ständig damit zurechtkommen, wenn die Stromausfälle nicht nur nachts, sondern auch tagsüber mehrere Stunden andauern und so vieles im Lebensalltag zum Erliegen kommt.

Burundi: Eine große und eine kleine Ölpalmenfrucht.

In Burundi besuchte ich mit dem Team unseres Partners die drei Grundstücke, die vor 15 Jahren von muslimehelfen erworben wurden. Nach einer 90-minütigen Autofahrt von Bujumbura aus erreichten wir den Ort Rugombo, wo sich das erste Stück Land befindet. Wir hielten neben dem im Jahr 2011 von muslimehelfen errichteten Lagerdepot für die Ernteerträge an. Es befindet sich an der Zufahrt zu einem Ölpalmenfeld. Das Lagerdepot war bereits leer, da die Ernte verkauft worden war. Am Boden des Lagers befanden sich aber hier und da noch kleine Haufen Erntereste. Ich pickte mir einige Früchte heraus, um sie mir genauer anzuschauen. Das Team unseres Partners bemerkte, was ich getan hatte, und erklärte mir, dass die Ernte in diesem Jahr nicht die beste gewesen sei und sich die Qualität der Ölpalmenfrüchte erheblich unterschied. In meiner Hand konnte ich diesen Unterschied sehen, da ich zwei unterschiedlich große Ölpalmenfrüchte aufgehoben hatte. Die größere der beiden Früchte war fast dreimal so groß wie die kleinere.

Burundi: Die Ölpalmen auf dem vor 15 Jahren erhaltenem Waqf-Land in Rugombo.

Das Team des Partners fuhr mit seiner Erklärung fort: Vor 15 Jahren hatte man auf dem Waqf-Land Ölpalmen gepflanzt. Der Erlös aus dem Verkauf der Ernteerträge hatte nicht nur ausgereicht, um einen Teil der Lehrergehälter der Muslim Helfen School zu finanzieren, sondern auch den Kauf eines Schulbusses und den Erwerb eines zweiten Feldes für die Anpflanzung weiterer Ölpalmen ermöglicht. Diese zusätzlichen Informationen über den Schulbus und das zweite erworbene Feld hatte ich in unseren Projektunterlagen so nicht vorgefunden. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass es sich beim Ölpalmenfeld am Lagerdepot, um das vor 15 Jahren erhaltene Waqf-Land handelte. Tatsächlich handelt es sich jedoch um das zweite erworbene Ölpalmenfeld unseres Partners. Nach der Besichtigung des Lagerdepots gingen wir noch etwa 200 Meter durch das schattige Ölpalmenfeld weiter, vorbei an einem brachliegenden Feld, zu dem Ölpalmenfeld, dem ersten Stück Waqf-Land, das muslimehelfen damals an unseren Partner übergeben hatte. Erst jetzt fiel mir der Unterschied zu dem zuvor besichtigten Ölpalmenfeld beim Lagerdepot auf. Die Stämme der Ölpalmen waren dicker, aber kürzer, und der Boden um die Palmen herum war von Gräsern und weiteren Pflanzen bedeckt. Hier stammte also die größere Ölpalmenfrucht her, die die Grundlage für die Lehrergehälter, den Schulbus und das zweite Ölpalmenfeld beim Lagerdepot bildete. Diese Eindrücke und Erkenntnisse kann man nicht bei der Aktenschau der Projektunterlagen oder im E-Mail-Verkehr erlangen. Das ist nur möglich, wenn man vor Ort ist und der Partner einem die gesamte Entwicklung persönlich schildern kann.

Gemeinsam haben wir uns noch die beiden weiteren zwei Stücke Waqf-Land in der Umgebung von Rugombo angeschaut. Auch darüber könnte ich noch einiges erzählen, aber ich möchte die Aufmerksamkeit auf eine wichtige Angelegenheit aus der Reise nach Burundi lenken. In Burundi habe ich mehrere Waisenhäuser sowie die Muslime Helfen School mit seinen neun Schulklassen, 250 Schülern, 17 Lehrkräften und weiterem Schulpersonal besucht und die dort anwesenden Begünstigten getroffen. Insgesamt entsprachen die erlebten Eindrücke und Erfahrungen den Informationen aus den Projektunterlagen. Etwas Wichtiges war den Projektunterlagen jedoch nicht zu entnehmen und ist mir erst vor Ort aufgefallen. Sowohl beim Besuch der Waisenhäuser als auch bei dem am darauffolgenden Tag erfolgten Besuch der Muslime Helfen School wurde erst am späten Nachmittag die Stromversorgung wiederhergestellt. Das bedeutete, dass während meines Besuchs bei den Waisenkindern in den Waisenhäusern und bei den Schulkindern in der Muslime Helfen School vom frühen Vormittag an bis zum späten Nachmittag kein Strom zur Verfügung stand. Das sind wirklich extrem schwere Lebensbedingungen, und ich habe großen Respekt davor, wie die Betroffenen damit umgehen.

Zuletzt möchte ich den Blick erneut auf die Eröffnung des Waisenzentrums und der heutigen „Muslime Helfen School” in Bujumbura am 19. August 2010 richten. Damals konnten alle eingeladenen Gäste und Teilnehmer der Eröffnung erst nach dem Abendgebet gemeinsam etwas essen und trinken, da der Ramadan 1431 wenige Tage zuvor begonnen hatte.

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