Was aus einer Chance werden kann

Was bedeutet Bildung für ein Kind, das ohne Unterstützung vielleicht nie die gleichen Chancen bekommen hätte?

Für manche Kinder beginnt der Schulweg mit einem neuen Rucksack, einem Paar Schuhe und den ersten eigenen Heften. Für andere bedeutet Bildung, über viele Jahre begleitet zu werden, eine Schule zu besuchen, einen Abschluss zu machen und schließlich den eigenen Weg zu gehen.

Die Formen der Unterstützung können ganz unterschiedlich sein. Das Ziel ist dasselbe: Kindern eine faire Chance auf Bildung und auf ihre eigene Zukunft zu geben.

Im Islam ist Gerechtigkeit eng mit diesem Gedanken verbunden. Im Koran heißt es:

„Allah trägt ja die Gerechtigkeit auf und das Gute tun und das Geben an die Verwandten, und Er untersagt das Abscheuliche und das Verwerfliche und die Gewalttätigkeit.“
(Sure 16:90, ungefähre Übersetzung)

Gerechtigkeit, ʿadl, bedeutet dabei auch Ausgewogenheit und den Ausgleich von Ungleichgewichten. Denn gerecht ist nicht immer, wenn alle dasselbe bekommen. Gerecht kann vielmehr bedeuten, dass jeder die Unterstützung erhält, die er braucht, um eine faire Chance zu haben.

Wie konkret das aussehen kann, zeigen zwei Bildungsprojekte von muslimehelfen.

Eine Chance, die ihn weit getragen hat

Als Masudi 2014 an der muslimehelfen Schule in Burundi begann, war noch nicht abzusehen, wohin sein Weg ihn einmal führen würde.

Er besuchte die Schule von der ersten bis zur neunten Klasse und blieb dort bis 2023. Für ihn war die Schule mehr als ein Ort, an dem Unterricht stattfand. Sie wurde zu einem Ort, an dem er sich fachlich, persönlich und auch in seinen Werten weiterentwickeln konnte.

Sein Weg war nicht selbstverständlich. Masudi wuchs als Waisenkind auf und musste Herausforderungen bewältigen, die anderen Kindern erspart bleiben. Unterstützung, Begleitung und die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen, eröffneten ihm Wege, die zuvor vielleicht unerreichbar schienen.

Jahre später hielt er sein High-School-Abschlusszeugnis in den Händen. 2026 schloss er die Evanston Township High School in den USA ab.

In seiner Nachricht an die Menschen, die ihn auf seinem Weg unterstützt hatten, schrieb er, dass die Schule in Burundi für ihn zu einem Zuhause geworden sei. Er sei dankbar für die Menschen, die an ihn geglaubt, ihn begleitet und ihm Möglichkeiten eröffnet hätten.

Heute blickt Masudi nach vorn. Er möchte seine Ausbildung fortsetzen, seine Chancen nutzen und mit dem, was er gelernt hat, auch anderen Menschen etwas zurückgeben.

Seine Geschichte erzählt deshalb nicht nur von einem Abschluss. Sie erzählt von einem Weg, der Jahre zuvor begonnen hat.

Talent ist überall vorhanden. Chancen sind es nicht.

Masudis Weg zeigt, was langfristige Bildungsförderung möglich machen kann: Nicht indem sie einem Menschen sein Leben abnimmt, sondern indem sie ihm die Möglichkeit gibt, seine eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und seinen eigenen Weg zu gehen.

Manchmal beginnt eine faire Chance mit einem Rucksack

Doch Bildungsförderung muss nicht immer eine jahrelange Begleitung sein. Manchmal beginnt sie mit etwas ganz Konkretem.

Im Distrikt Kathmandu in Nepal erhielten 322 Kinder eine vollständige Ausstattung für ihren Schulbesuch: Schuluniform, Schuhe, Socken, einen Rucksack und wichtige Schulmaterialien wie Hefte, Stifte und ein Geometrie-Set.

Für viele von uns klingt das nach einer kleinen Sache. Für Familien, die jeden Tag darum kämpfen müssen, ihren Lebensunterhalt zu sichern, können solche Ausgaben jedoch eine erhebliche Belastung sein.

Die Kinder stammen unter anderem aus Familien von Tagelöhnern, Müllsammlern, Fabrikarbeitern, Reinigungskräften und Hausangestellten. Auch Waisen, Flüchtlingskinder und Kinder alleinstehender Mütter wurden unterstützt.

Manika ist 13 Jahre alt und lebt mit ihren Geschwistern in Kathmandu. Ihre Mutter arbeitet hart auf einer Gemüsefarm. Als ihre Freunde nach den Ferien in neuer Kleidung zur Schule kamen, konnte ihre Mutter nur für ihren jüngeren Bruder etwas Neues anfertigen.

Manika beschwerte sich nicht. Sie wusste, wie schwierig die Situation ihrer Familie war.

Dann erhielt sie selbst eine neue Schuluniform, Schuhe, eine Tasche und Schreibwaren.

Für Manika bedeutete das nicht einfach nur neue Schulsachen. Es bedeutete, vorbereitet zur Schule gehen zu können und nicht wegen der finanziellen Situation ihrer Familie zurückzustehen.

Auch Anjali, 11 Jahre alt, erhielt Unterstützung. Sie lebt mit ihrer jüngeren Schwester allein und kümmert sich morgens um den Haushalt und macht sich anschließend auf den Weg zur Schule. Ihre ältere Schwester arbeitet im Ausland, um die Familie zu unterstützen. Die alte Schuluniform war bereits abgetragen.

Dank der neuen Ausstattung kann Anjali ihre Ausbildung weiterführen.

Und auch Muhammad, ein 14-jähriger Flüchtlingsjunge aus Myanmar, erlebt seine Situation als schwierig. Seine Familie ist auf Unterstützung angewiesen. Die Hilfe für seinen Schulbesuch brachte ihm in einer schweren Zeit Erleichterung und neue Hoffnung.

Ein Heft verändert nicht die Welt. Aber für ein Kind kann es den Unterschied machen, ob es vollständig am Unterricht teilnehmen kann.

Ein Rucksack kann bedeuten: Ich bin vorbereitet.

Ein Paar Schuhe kann bedeuten: Ich kann zur Schule gehen.

Eine Schuluniform kann bedeuten: Ich gehöre dazu.

Und eine langfristige Begleitung kann bedeuten: Ich bekomme die Zeit und den Raum, meine Fähigkeiten zu entwickeln.

Gerechtigkeit beginnt mit fairen Chancen

Burundi und Nepal sind weit voneinander entfernt. Auch die Unterstützung sieht unterschiedlich aus.

In Burundi wurde ein Bildungsweg über viele Jahre ermöglicht. In Nepal ging es um die ganz konkreten Dinge, die ein Kind für seinen Schulalltag braucht.

Doch hinter beiden Projekten steht dieselbe Idee:

Bildung darf nicht davon abhängen, wo ein Kind geboren wurde oder in welchen wirtschaftlichen Verhältnissen es aufwächst.

Gerechtigkeit bedeutet nicht, jedem Kind exakt dasselbe zu geben. Sie bedeutet, bestehende Ungleichgewichte wahrzunehmen und dort auszugleichen, wo Unterstützung gebraucht wird.

Denn jedes Kind bringt Fähigkeiten, Wünsche und Träume mit. Was fehlt, sind nicht immer Talent oder Motivation. Manchmal fehlt schlicht die Möglichkeit, dieses Potenzial zu entfalten.

Unsere Aufgabe kann es sein, ein solches Hindernis aus dem Weg zu räumen.

Vielleicht ist es ein Rucksack. Vielleicht sind es Schulmaterialien. Vielleicht ist es eine Schule, die ein Kind über viele Jahre begleitet.

Und vielleicht wissen wir erst Jahre später, was aus dieser einen Chance geworden ist.

Masudis Geschichte zeigt es eindrucksvoll.

Bildung ist mehr als Unterricht. Bildung ist eine Frage von Chancen, Würde und Gerechtigkeit.

Schenke faire Bildungschancen

Mit Deiner Unterstützung können wir Kindern den Zugang zu Bildung erleichtern und ihnen Möglichkeiten eröffnen, die ihr Leben langfristig verändern können.

Wassalam

Dein muslimehelfen-Team

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