Mehr als eine Klinik – Ein sicherer Ort für Körper und Seele in Srebrenica

Aleyna Işık

Die Krankenstation in Srebrenica ist für viele Menschen weit mehr als eine medizinische Einrichtung – sie ist ein wichtiger Anker im Alltag. Im Zeitraum von September 2025 bis Februar 2026 wurden Gehälter in Höhe von insgesamt 18.414 Euro für eine Ärztin für Allgemeinmedizin sowie für einen Krankenpfleger durch muslimehelfen übernommen. Beide sind in der Krankenstation in Srebrenica tätig, die von unserer Partnerorganisation in Bosnien und Herzegowina betrieben wird. Dank der übernommenen Gehälter konnte die medizinische Versorgung für die lokale Bevölkerung aufrechterhalten werden.

Die Klinik war an jedem Werktag von 8:00 bis 16:00 Uhr geöffnet und bot medizinische Grundversorgung durch regelmäßige Sprechstunden mit der Ärztin an. In diesem sechsmonatigen Zeitraum wurden insgesamt 444 Patientinnen und Patienten behandelt. Das medizinische Angebot umfasste Vorsorgeuntersuchungen, fachärztliche Konsultationen, Hausbesuche sowie regelmäßige Besuche im nahegelegenen Altenheim für ältere Mütter, die während des Krieges ihre Liebsten verloren haben. Alle Leistungen wurden kostenlos angeboten. Die Krankenstation stellt eine wichtige, leicht zugängliche Anlaufstelle dar, die allen Menschen unabhängig von Herkunft offensteht. Ergänzt wird das Angebot durch ehrenamtliche Fachärztinnen und -ärzte, die wöchentlich kostenlose Sprechstunden in verschiedenen Fachbereichen anbieten.

Die Begünstigten stammen überwiegend aus sozial und wirtschaftlich benachteiligten Verhältnissen. Viele sind bosnische Rückkehrer, die nach dem Krieg und dem Völkermord von 1995 nach Srebrenica zurückgekehrt sind. Zahlreiche Menschen haben während des Krieges schwere Gewalt erlebt, waren in Lagern interniert oder haben Angehörige verloren. Diese Erfahrungen wirken bis heute nach und führen zu chronischem Stress, Angstzuständen, Depressionen und einem tiefen Misstrauen gegenüber Institutionen. Für viele Betroffene ist der Besuch öffentlicher Gesundheitseinrichtungen emotional sehr belastend oder kaum möglich.

Vor diesem Hintergrund bietet die Klinik ein sicheres und vertrauensvolles Umfeld, in dem Patientinnen und Patienten ohne Angst oder Unsicherheit medizinisch betreut werden können. Ein wichtiger Faktor hierfür ist, dass sowohl die Ärztin als auch der Krankenpfleger aus Srebrenica stammen.

Ein großer Teil der Begünstigten sind ältere Menschen, von denen viele allein leben. Nach dem Krieg sind jüngere Familienmitglieder häufig in andere Regionen oder ins Ausland gezogen, sodass familiäre Unterstützung oft fehlt. Viele Betroffene verfügen lediglich über geringe Renten oder Sozialhilfe, die kaum für den Lebensunterhalt ausreichen.

Nura, 73 Jahre alt, erzählt als Patientin: „Ich kann Ihnen sagen, dass diese Klinik uns sehr viel bedeutet. Manchmal tut mir etwas weh oder ich brauche einfach ein Rezept – dann komme ich hierher, setze mich hin und alles wird erledigt. Die Ärztin und der Krankenpfleger kennen uns und sie bemühen sich immer, uns zu helfen. Jedes Mal, wenn ich hierherkomme, fühle ich mich wie zu Hause – sicher und gut aufgehoben. Für uns ältere Menschen ist das ein wahrer Schatz, denn wir müssen keine kilometerlangen Wege zurücklegen, um die Hilfe zu bekommen, die wir brauchen.“

Auch Menschen aus abgelegenen Dörfern rund um Srebrenica gehören zu den Patientinnen und Patienten. Aufgrund fehlender Infrastruktur und eingeschränkter öffentlicher Verkehrsmittel ist der Zugang zu größeren Krankenhäusern in Städten wie Tuzla oder Sarajevo oft mit großen finanziellen und organisatorischen Hürden verbunden. Die Krankenstation schließt diese Lücke und bietet vielen Menschen eine dringend benötigte, nahe und verlässliche medizinische Unterstützung.

 

Bosnien: Ältere Dame während der Behandlung durch den Krankenpfleger.
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