Berichte und Erfahrungen aus den Projektreisen – Malawi und Kenia

Jusuf v.Denffer
Malawi: Wärmende Decken für die Begünstigten, 2025.

In diesem Jahr, 2025, hat alhamdulillah das Reisen zu den Partnern und den Begünstigten der Projekte von muslimehelfen im Ausland wieder begonnen. Darauf bin ich bereits in unserer letzten Ausgabe bei den Schilderungen zu den Dörfern Linge und Penaron in Aceh, Indonesien, eingegangen. Neben Indonesien hat die Projektabteilung von muslimehelfen aber auch Reisen nach Bosnien, Pakistan, Südafrika, Malawi, Simbabwe, Kenia und Tansania unternommen. Ziel der Reisen war es, sich vor Ort ein eigenes Bild von den Lebensumständen der Begünstigten und den Bedingungen für die Projektumsetzungen zu machen. Wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass die Reisen nach Bosnien und Pakistan von unserer Projektmanagerin Schwester Kashfa Butt durchgeführt wurden (auf S. 12-14) und ich die übrigen Reisen zu den afrikanischen Ländern getätigt habe. Die Reisen und Schilderungen darüber könnten allein bereits eine gesamte Ausgabe füllen. Doch ich möchte den Blick wesentlich auf zwei Länder und bestimmte Projektumsetzungen dort lenken: Malawi und Kenia.

Malawi wurde gemeinsam mit den Ländern Südafrika und Simbabwe im Monat Juli von mir besucht, als auf der Südhalbkugel Winter war. Anders als in unserem europäischen Winter mit Schnee, Eisregen und Minusgraden hat man es in den drei Ländern des südlichen Afrikas mit anderen Herausforderungen zu tun. Die Monate Juli und August sind in diesem Sinne die kältesten Monate des Jahres, da es zwar tagsüber bei Sonnenschein 20 Grad erreichen kann, die Temperaturen nach Sonnenuntergang jedoch beständig unter 10 Grad sinken. Die Tage sind im Winter wie bei uns von einer kurzen Tageslichtdauer geprägt und die niedrigen Temperaturen halten meistens länger als zwölf Stunden an. Zudem besitzen viele Menschen keine beheizte Unterkunft und werden bei den anhaltend niedrigen Temperaturen schnell krank. Einen Arztbesuch und die Einnahme von Medikamenten können sich nicht alle Betroffenen leisten, sodass sie krank bleiben und das führt leider oft zu Todesfällen.

Seit einigen Jahren setzt muslimehelfen in diesen drei Ländern Winterhilfe-Projekte mit seinen Partnern um (auf S. 5), bei denen wärmende Decken und teilweise auch wärmende Kleidungsstücke an Bedürftige verteilt werden. So bleibt den Betroffenen zumindest während der langanhaltenden kalten Tagesabschnitte die Wärme erhalten und sie können Erkrankungen vermeiden. In Malawi, Südafrika und Simbabwe konnte ich im Juli dieses Jahres bei den Verteilungen der wärmenden Decken vor Ort anwesend sein und mir so einen direkten Eindruck von den Lebensbedingungen der Begünstigten verschaffen.

Neben der Verteilung von Decken durch die Winterhilfe war Malawi auch deswegen interessant, weil muslimehelfen dort in den letzten fünf Jahren gemeinsam mit seinem Partner das Projekt zur Kleinbauernhilfe umgesetzt hat. Abgesehen von kleinen Unterschieden bestand das Projekt darin, die zu unterstützenden Kleinbauern mit Saatgut und Dünger zu versorgen, damit sie Mais für sich und ihre Familien anbauen und von den Ernteerträgen leben können. Der Mais ist ein Grundnahrungsmittel in Malawi, aber seit Jahren herrscht dort eine anhaltende Dürre, die die übliche Bewirtschaftung der Maisfelder sehr erschwert bis unmöglich macht. Die schwierige wirtschaftliche Lage des Landes und eine hohe Inflationsrate verhindern zusätzlich, dass sich die Kleinbauern den Kauf von Saatgut und Dünger überhaupt leisten können. Angesichts dieser Schwierigkeiten war die Kleinbauernhilfe von muslimehelfen in den letzten Jahren eine der wenigen Möglichkeiten, eine ausreichende Maisernte zu gewährleisten.

Malawi: Dünger und Saatgut für die Kleinbauern und ihre Familien, 2024.

Im Dezember 2024 konnten 85 Kleinbauernfamilien im Distrikt Kasungu in Malawi mit je 5 kg Maissamen sowie je 50 kg NPK- und UREA-Dünger unterstützt werden. Dadurch war es ihnen möglich, ihren Lebensunterhalt durch den Maisanbau und die anschließende Ernte zu sichern. Wenn man dann die Worte der 33-jährigen Dorothy liest: „Vielen Dank, dass ihr mir Samen und Dünger gegeben habt. Möge Allah Euch leiten und Euch das Beste in diesem und im nächsten Leben gewähren.“, spürt man ihre tiefe Dankbarkeit und weiß zugleich, dass die Kleinbauern in Malawi auf diese Unterstützung wirklich angewiesen sind. 

Ich wollte die Reise nach Malawi nutzen, um die Kleinbauern zu treffen und einen Einblick zu erhalten, wie die letzte Maisernte für sie ausgefallen war. Am 3. Juli 2025 kam ich gemeinsam mit unserem Partner aus Malawi nach einer 90-minütigen Autofahrt um 9:02 Uhr im Dorf Santhe im Distrikt Kasungu an. Dort waren im Dezember 2024 Saatgut und Dünger an die Kleinbauern verteilt worden und wir wurden bereits von den Dorfbewohnern erwartet. Der Dorfälteste Jackson hieß uns im Namen des Dorfes herzlich willkommen. Nach einem Austausch über die Verteilung im vergangenen Dezember bedankten sich die begünstigten Kleinbauern und baten zugleich darum, auch für die nächste Aussaat wieder Saatgut und Dünger zu erhalten. Anschließend begaben wir uns auf die umliegenden Felder. Wie erwartet lagen die Felder brach, da die Ernte bereits vor einigen Monaten eingefahren worden war. Trotzdem war ich etwas erstaunt über den Zustand der Felder, da sie aufgrund der Dürre sehr ausgetrocknet waren.

Nun wollte ich wissen, wie die Ernte ausgefallen war, und bat einige Kleinbauern, mir die Bestände in ihren Häusern zu zeigen. Jackson war sehr bereitwillig, mir seine Ernte zu zeigen und mir Auskunft zu geben. Bei ihm zu Hause angekommen, zeigte er mir zwei 50-kg-Säcke mit Maiskolben und zwei weitere mit geschroteten Maiskernen. Gewöhnlich erntete er vier Säcke zu je 50 kg, bevor er die Unterstützung von muslimehelfen erhielt. In diesem Jahr war es ihm möglich gewesen, zwölf Säcke Mais zu je 50 Kilogramm zu ernten. Davon hatte er bereits acht Säcke für den Lebensunterhalt seiner erwachsenen Kinder, weiterer Verwandter, für sich und seine Frau verwendet. Bis zur nächsten Ernte im Frühjahr würden die vier übrigen Säcke ausreichen, die zuvor eine ganze Jahresernte gewesen waren und zum Leben nicht ausgereicht hatten. In diesem Jahr konnte er sogar seine Verwandten unterstützen – alhamdulillah, diese Ernte war wirklich gut für Jackson.

Malawi: Ein brachliegendes Feld während der anhaltenden Dürre in Santhe.
Malawi: Maiskolben aus der Ernte.

Bei einem weiteren Kleinbauern konnte ich Ähnliches beobachten. Zuvor, so teilte er mir mit, war er ohne die Unterstützung von muslimehelfen in der Lage gewesen, 20 Säcke zu je 50 kg Mais zu ernten. Das reichte für ihn und seine Familie aber kaum zum Leben aus. In diesem Jahr konnte er 60 Säcke Mais zu je 50 kg ernten – maschallah diese Ernte war wirklich reichlich. Bei meinem kurzen Besuch in Santhe konnte ich nicht alle begünstigten Kleinbauern besuchen. Die stichprobenartige Durchsicht der Ernteerträge lieferte mir jedoch Zahlen, die wir in der Projektabteilung von muslimehelfen zuvor nicht hatten, und gewährte uns einen zusätzlichen Einblick, wie wirkungsvoll und hilfreich die Kleinbauernhilfe von´muslimehelfen in Malawi doch gewesen ist.

Malawi: Maiskerne aus der Ernte.

Im August dieses Jahres besuchte ich unseren Partner in der kenianischen Küstenstadt Malindi, um über die Projektumsetzungen und die Situation der Begünstigten vor Ort zu erfahren. Die Zusammenarbeit mit unserem Partner in Kenia besteht seit dem Jahr 2000 und 25 Jahre Unterstützung der Bedürftigen in Kenia sind, maschallah und alhamdulillah, eine beachtliche Zeit! Wie bereits in den vergangenen Ausgaben geschildert, ist das Tawfiq Hospital in Malindi für muslimehelfen ein langfristiges Projekt. Während meines Besuchs in Malindi hatte ich die Gelegenheit, das Tawfiq Hospital zu besichtigen. Ich war wirklich vom Ausmaß der vorhandenen medizinischen Versorgungsmöglichkeiten beeindruckt.

Kenia: Außenansicht auf das Tawfiq Hospital in Malindi.
Kenia: Im Behandlungsraum für die Chemotherapie im Tawfiq Hospital in Malindi.

In mehreren miteinander verbundenen, vierstöckigen Gebäuden sind neben der Anmeldung und einer eigenen Hausapotheke zahlreiche unterschiedliche Kliniken und Stationen untergebracht. So befinden sich eine Zahnklinik, eine Augenklinik, eine chirurgische Abteilung, eine allgemeine Arztpraxis, eine gynäkologische Abteilung, eine Entbindungs- und Neugeborenenstation, eine MutterKind-Station, eine Krebsstation, eine Dialysestation, eine Physiotherapieabteilung, eine Röntgenabteilung, mehrere Operationssäle sowie eine Notaufnahme mit einem Krankenwagen auf dem Gelände des Tawfiq Hospitals. In vielen dieser Bereiche hat muslimehelfen in den letzten Jahren zahlreiche medizinische Geräte, Instrumente, Zubehör und den Krankenwagen wie auch die Einrichtung von Kliniken und Stationen finanziert und somit wesentlich zur medizinischen Versorgung in Malindi und Umgebung beigetragen.

Daneben hat in den letzten fünf Jahren die Bedeutung der Hungerhilfe bei den Projekten in Kenia zugenommen. Die Begünstigten erhalten Lebensmittelpakete, da sie aufgrund von Naturkatastrophen wie Überflutungen und anhaltender Dürren ihre Dörfer verlassen mussten und sich als Viehzüchter und Bauern nicht mehr selbst versorgen können. Bei den Begünstigten handelt es sich oft um Dorfbewohner, die von der Regierung umgesiedelt wurden. Während meines Besuchs in Kenia hatte ich die Gelegenheit, einige dieser Begünstigten im Ort Minjila im Tana River Distrikt zu treffen. Unser Partner in Kenia hat dort auf Anfrage der umgesiedelten Dorfbewohner während einer Verteilung der Hilfsgüter für die Hungerhilfe zwei kleine Moscheen und zwei Brunnen errichtet. 

Am Freitag, dem 22. August, wusch ich mir in Minjila am Brunnen neben der Al Thureya Moschee die Hände. Das Team unseres kenianischen Partners hatte mich bereits vorgewarnt, dass das Wasser an diesem Brunnen salzig ist und sich zwar für die Gebetswaschung, jedoch nicht als Trinkwasser eignet. Während ich mir die Hände wusch, probierte ich etwas von dem Wasser. Tatsächlich war es sehr salzig und als Trinkwasser ungeeignet. Bevor das Freitagsgebet begann, wollte ich noch mit Bruder Mohamed sprechen. Er untersucht im Auftrag der kenianischen Regierung die Lebensbedingungen der umgesiedelten Dorfbewohner und die klimatischen Verhältnisse im Tana River Distrikt.

Zunächst bedankte er sich für die seit fünf Jahren geleistete Unterstützung von muslimehelfen bei der Hungerhilfe in den verschiedenen Regionen Kenias. Er fügte hinzu, dass für die nächsten Unterstützungsmaßnahmen von muslimehelfen bei der Hungerhilfe neben der Bereitstellung von Lebensmitteln auch die Bereitstellung von Medikamenten dringend erforderlich ist. Zwar habe die Dürre in diesem Jahr eine kleine Pause eingelegt, für die kommenden Jahre verhießen die klimatischen Prognosen jedoch nichts Gutes und man müsse mit einer sehr langen und schwerwiegenden Dürre rechnen. Mit diesen
Informationen begab ich mich zum Freitagsgebet. Im anschließenden Gespräch mit den Begünstigten waren Lebensmittel und Medikamente erneut ein Thema. 

Auch von der Noor Al Islam Moschee, der anderen Moschee in Minjila, wurden wir zu einem Gesprächsaustausch mit den Begünstigten gebeten. Ich sprach die benötigten Lebensmittel und Medikamente für die nächste Unterstützung von muslimehelfen bei der Hungerhilfe an. Einer der Begünstigten entgegnete mir freundlich: „Das Wasser am Brunnen hier können wir nicht trinken. Lebensmittel und Medikamente sind auch wichtig, aber ohne Trinkwasser können wir hier nicht lange bleiben.“ Ich bedankte mich sofort für diesen wichtigen Hinweis und gab ihm voll und ganz recht. Als Begünstigter und direkt
Betroffener wusste er am besten, was am dringendsten zu tun war und welche Unterstützung muslimehelfen leisten sollte. Zwar hatte ich vor dem Freitagsgebet das salzige Wasser probiert, allerdings war aber mir dabei noch nicht das gesamte Ausmaß der Auswirkungen für die Betroffenen vor Ort klar.

Kenia: Der Brunnen bei der Al Thureya Moschee in Minjila.

Mit diesen Eindrücken und Berichten möchte ich das Erlebte auf den Projektreisen wiedergeben und gleichzeitig aufzeigen, wie wertvoll und nützlich die gemachten Erfahrungen aus den direkten Gesprächen mit den Partnern und insbesondere mit den Begünstigten für die Vorbereitung und Umsetzung von Projekten bei muslimehelfen sind. Dies ist jedoch nur möglich, wenn Reisen zu den Partnern und Begünstigten vor Ort stattfinden, bei denen solche
Gespräche und Erkenntnisse entstehen. Die nächsten Reisen sind auch schon in der Planung und inschallah können mir die Begünstigten vor Ort dann wieder verdeutlichen, was für eine Hilfe sie konkret benötigen.

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