Rohingya – Leben ohne Heimat: Hilfe, die Gesundheit und Würde stärkt

Aleyna Işık

Die Rohingya sind eine muslimische Volksgruppe aus Myanmar und gelten heute als die größte staatenlose Bevölkerungsgruppe der Welt. Obwohl sie seit Generationen im Bundesstaat Rakhine leben, werden sie vom myanmarischen Staat nicht als offizielle ethnische Minderheit anerkannt. Seit dem Staatsbürgerschaftsgesetz von 1982 wird ihnen die myanmarische Staatsangehörigkeit verweigert. Ohne rechtlichen Status haben viele Rohingya keinen Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung oder staatlichem Schutz und sind besonders anfällig für Ausbeutung, Gewalt und Diskriminierung.

Über Jahrzehnte hinweg verschärfte sich ihre Situation immer weiter. Die größte Fluchtbewegung begann im August 2017, als das Militär in Myanmar massive Gewalt gegen die Rohingya verübte. Ganze Dörfer wurden niedergebrannt, Tausende Menschen getötet und Hunderttausende zur Flucht gezwungen. Mehr als 740.000 Rohingya suchten innerhalb weniger Wochen Schutz im benachbarten Bangladesch. Heute leben weltweit rund 1,8 Millionen Rohingya ohne Staatsangehörigkeit. Etwa 1,4 Millionen von ihnen leben in den Flüchtlingslagern von Cox’s Bazar in Bangladesch, weitere Zehntausende in Indien, Malaysia und Indonesien. Die meisten Familien sind vollständig auf humanitäre Hilfe angewiesen, denn ein selbstbestimmtes Leben ist ihnen kaum möglich.

Die Unterkünfte bestehen meist aus Bambus und Planen, stehen dicht nebeneinander und bieten kaum Schutz vor Hitze, Regen oder Krankheiten. Sauberes Wasser, ausreichende Hygiene und medizinische Versorgung sind oft nur eingeschränkt verfügbar. Besonders Kinder, Frauen und ältere Menschen leiden unter den schwierigen Lebensbedingungen. Umso wichtiger sind Hilfsprojekte, die den Menschen nicht nur das tägliche Überleben sichern, sondern ihnen auch Gesundheit, Würde und Hoffnung zurückgeben.

Verteilung von Hygiene-Sets in Cox's Bazar, Bangladesch

In den 33 Flüchtlingslagern von Cox’s Bazar führt der Mangel an sauberem Wasser und Hygieneartikeln immer wieder zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Besonders betroffen sind Kinder, ältere Menschen sowie Frauen, denen häufig selbst grundlegende Hygieneartikel fehlen.

Von Dezember 2025 bis Februar 2026 erhielten deshalb 800 besonders schutzbedürftige Familien umfassende Hygiene-Sets. Diese enthielten antibakterielle Badeseife, Waschseife, Shampoo, Körperlotion für Erwachsene und Kinder, Zahnpasta, Zahnbürsten, Damenbinden, Haarpflegeöl für Frauen und Mädchen sowie weitere wichtige Artikel wie Toilettenpapier, Zehensandalen, Vaseline und ein Handtuch. Durch die bereitgestellten Hygieneartikel erhielten die Familien wichtige Unterstützung für ihren Alltag und konnten ihre Gesundheit besser schützen. Gleichzeitig wurden sie finanziell entlastet, da sie sich diese grundlegenden Produkte aus eigener Kraft kaum leisten können. Besonders Frauen und Mädchen profitierten von den enthaltenen Menstruationshygieneartikeln, die ihre Privatsphäre und Würde stärkten. Das Projekt wurde mit insgesamt 49.650 € finanziert.

Der 52-jährige Abdul Karim beschreibt die Bedeutung der Hilfe so: „Für unsere Familie war es schon immer schwierig, für angemessene Hygiene zu sorgen, insbesondere für die Kinder. Seit wir diese Hygieneartikel erhalten haben, können wir uns nun regelmäßig die Hände waschen und auf Sauberkeit achten. Das wird dazu beitragen, Krankheiten zu vermeiden.“

Cox’s Bazar, Bangladesch: Hygiene-Set für Rohingya-Familien.
Cox’s Bazar, Bangladesch: Rohingya-Kind beim Händewaschen mit antibakterieller Seife.

Gesundheits- und Hygienehilfe für Rohingya-Kinder in Hyderabad, Indien

Auch in den Rohingya-Siedlungen im indischen Hyderabad leben viele Familien unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen. Die meisten Erwachsenen arbeiten als Tagelöhner oder verrichten Gelegenheitsarbeiten. Das geringe und unregelmäßige Einkommen reicht oft nicht aus, um Lebensmittel, Medikamente oder Hygieneartikel zu kaufen. Besonders Kinder leiden unter Mangelernährung sowie vermeidbaren Krankheiten wie Durchfall, Hauterkrankungen oder Atemwegsinfektionen.

Mit einer Förderung von rund 22.250 € konnte ein Hilfsprojekt umgesetzt werden, das 600 Rohingya-Kinder und ihre Familien mit Gesundheits- und Hygiene-Sets unterstützte. Unter den begünstigten Kindern befanden sich auch 125 Waisen. Neben 1 kg Milchpulver, 1 kg Nährgetränk, 1 kg Zucker, 500 g Müsli, 30 Eiern und 1 kg Ghee enthielten die Pakete wichtige Hygieneartikel wie Seife, Zahnbürste, Zahnpasta, Badeseife, 15 Shampoo-Packungen, Handwaschmittel, Damenbinden und Handtücher. Ergänzend fanden Hygieneschulungen statt, bei denen Kinder und ihre Eltern den richtigen Umgang mit sauberem Wasser, regelmäßiges Händewaschen und wichtige Informationen zur Menstruationshygiene erhielten.

Hyderabad, Indien: Ausgabe von Hilfspaketen an Rohingya-Kinder.

Unterstützung für Noor und seine Familie

Der 42-jährige Noor lebt mit seiner Frau Zubeda und ihren vier Kindern im Rohingya-Flüchtlingslager in Hyderabad. Als Tagelöhner findet er nicht jeden Tag Arbeit, während seine Frau mit dem Schälen von Knoblauch ein kleines Einkommen zum Familienunterhalt beiträgt. Trotzdem reicht das Geld kaum aus, um die Familie zu versorgen. Besonders schwierig wurde die Situation, als ihr Sohn Javid an Hautausschlägen und anhaltendem Durchfall erkrankte. Ein großer Teil des ohnehin geringen Einkommens musste für seine medizinische Behandlung aufgebracht werden.

In dieser schweren Zeit erhielt die Familie ein Gesundheits- und Hygiene-Set von muslimehelfen. Für Noor bedeutete diese Unterstützung weit mehr als nur materielle Hilfe: „Das Gesundheits- und Hygiene-Kit hat die Ernährung unserer Kinder verbessert und uns geholfen, unser Zuhause sauberer und gesünder zu halten. Vielen Dank, dass Sie unserer Familie Hoffnung und spürbare Erleichterung geschenkt haben.“

Hyderabad, Indien: Noors Sohn Mohammed bei der Abholung des Hilfspakets.

Hilfe, die Hoffnung schenkt

Die Situation der Rohingya gehört weiterhin zu den größten humanitären Krisen unserer Zeit. Für die Rohingya, die seit Jahren unter unsicheren und schwierigen Lebensbeding-ungen leben, ist die Unterstützung im Alltag von großer Bedeutung. Die beiden Projekte zeigen, wie gezielte Hilfe unmittelbar wirken kann. Hygieneartikel, Gesundheitsvorsorge und Aufklärung verhindern Krankheiten, entlasten Familien und schenken den Menschen ein Stück Sicherheit und Würde. Gerade in Zeiten sinkender internationaler Hilfsgelder bleibt diese Unterstützung unverzichtbar, denn hinter jeder Zahl steht ein Mensch mit dem Wunsch nach einem sicheren und selbstbestimmten Leben.

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