Die Geschichte von muslimehelfen begann mit einer Lebensmittelhilfe in Ostafrika. Damals stand vor allem ein Ziel im Mittelpunkt: akute, humanitäre Hilfe für Menschen in einer Notlage zu leisten. Bis heute ist diese Form der Hilfe ein wichtiger Bestandteil unserer Projektarbeit, die sich über die Jahre jedoch weiterentwickelt und diversifiziert hat. Neben klassischen Lebensmittelhilfen setzen wir Projekte um, deren Wirkung über den unmittelbaren Unterstützungszeitraum hinausreichen. Darunter fallen beispielsweise Bildungsprojekte, die Begünstigten neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnen können, aber auch der Einsatz von erneuerbaren Energien wie die Solarenergie.
Solarenergie verwendet die Kraft der Sonne, um Strom oder Wärme zu erzeugen. Dabei wandeln Photovoltaikanlagen Sonnenlicht in elektrische Energie um, die direkt verwendet oder in Batterien gespeichert werden kann. Besonders in Regionen mit einer unzuverlässigen oder fehlenden Stromversorgung, wie im Großteil unserer Projektländer, schaffen Solaranlagen einen unabhängigen Zugang zu Elektrizität, verringern langfristig die Energiekosten und verbessern die Lebensbedingungen. Allerdings ist auch Solarenergie nicht vollständig frei von Umweltbelastungen, da für die Herstellung, den Transport und das Recycling der Anlagen Rohstoffe und Energie beansprucht werden. Über ihren gesamten Nutzungszeitraum ist sie jedoch deutlich umweltfreundlicher als die Energiegewinnung aus Kohle, Erdöl oder Erdgas.
Für muslimehelfen ist Solarenergie kein neues Tätigkeitsfeld. Bereits in der Vergangenheit wurden verschiedene Projekte umgesetzt, bei denen Solaranlagen installiert wurden. Unter anderem konnte für die von muslimehelfen finanzierte HOPE-Klinik in Chalon, Haiti im Jahr 2018 eine Solaranlage beschafft werden. Durch die Anlage konnte auch im Falle eines Stromausfalls der Betrieb der Geräte und die medizinische Behandlung in der Klinik gewährleistet werden. Zudem wurde für unsere beiden Waisenhäuser in Kinniya, Sri Lanka, im Frühjahr 2024 jeweils eine Solaranlage installiert. Die Kosten umfassten neben der Installation der Solaranlagen auch den Anschluss an das nationale Stromnetz sowie die Verstärkung der Betonfundamente auf den Dächern der Waisenhäuser, die als Vorbereitung für die Solarinstallation nötig waren. Früher waren die Waisenhäuser auf die externe Stromversorgung angewiesen, was aufgrund steigender Energiepreise immer kostspieliger wurde. Mit den neuen Solaranlagen können die Waisenhäuser nun ihren eigenen Strom generieren. Dieser Wechsel hat nicht nur die Stromkosten beseitigt, sondern ermöglicht es den Waisenhäusern zudem, durch den Verkauf überschüssiger Energie an das nationale Stromnetz zusätzliche Einkünfte zu erzielen. Die dadurch eingesparten Gelder fließen unmittelbar in die Verbesserung der Lebensqualität der Waisenkinder.
Für uns in Deutschland ist es kaum vorstellbar, mehrere Stunden am Tag ohne Strom auskommen zu müssen. In vielen unserer Projektländer ist dies jedoch die Realität und der Alltag. Die Versorgung mit Strom wird dort regelmäßig für mehrere Stunden unterbrochen, um die Stromnetze zu entlasten. Solche Stromabschaltungen können in Bangladesch acht bis zehn Stunden am Tag andauern. Während meiner zehntägigen Projektreise, die mich Ende Juni dieses Jahres nach Bangladesch führte, konnte ich mir selbst ein Bild von dieser Situation und der Arbeit unserer Projektpartner vor Ort machen.
Zu den Projekten, die ich begutachten konnte, gehörten auch die solarbetriebenen Behelfsbeleuchtungen für Fischer, die im Distrikt Chittagong Anfang des Jahres 2026 installiert wurden und die Sicherheit von rund 280 Küstenfischern verbesserte. Die unzureichende Beleuchtung rund um den Anleger sowie entlang der Zugangswege erschwerte die Orientierung und erhöhte das Risiko von Unfällen erheblich. Daher wurden zwei Solarstraßenlaternen am Anleger und eine weitere entlang eines häufig genutzten Weges installiert, die jetzt für bessere Sichtverhältnisse und sichere Zugänge zu den Booten sorgen. Außerdem erleichtert die Beleuchtung den Fischverkauf am Abend, erhöht das Einkommen der Familien und schützt Boote sowie Arbeitsmittel vor Diebstahl, der laut den Begünstigten in der Vergangenheit des Öfteren vorgekommen ist.
Der persönliche Austausch mit den Fischern und ihre strahlenden Gesichter zeigten mir, was für eine Erleichterung die solare Straßenbeleuchtung für den Arbeitsalltag der Begünstigten darstellt. Ihren besonderen Dank richteten sie an die Spenderinnen und Spender, ohne deren Unterstützung die Umsetzung des Projekts nicht möglich gewesen wäre. Außerdem übernimmt die Fischergemeinschaft selbst die Verantwortung für die Wartung der Laternen, wodurch das Projekt nachhaltiger wird.
In Bangladesch hatte ich zudem die Möglichkeit, die Rohingya-Flüchtlingslager in Cox‘s Bazar zu besuchen, die mit rund 1,4 Millionen Rohingya in 33 dicht besiedelten Camps eine der größten Flüchtlingssiedlungen weltweit bilden. Cox’s Bazar liegt nahe der Grenze zu Myanmar, von wo die Rohingya, eine muslimische Minderheit, gewaltsam vertrieben wurden. Viele der geflüchteten Familien leben in den dortigen Lagern unter äußerst prekären Bedingungen. Ihre provisorischen Unterkünfte bestehen größtenteils aus Bambus und einfachen Plastikplanen, die besonders brandgefährdet sind. So kam es auch im Januar 2026 zu einem verheerenden Brand, bei dem viele Rohingya-Flüchtlingsfamilien nicht nur ihre Unterkünfte verloren, sondern auch ihre privaten Solaranlagen. Vor dem Brand waren diese Familien auf private Solaranlagen als einzige Stromquelle angewiesen. Da die Regierung von Bangladesch den Anschluss der Flüchtlingslager an das nationale Stromnetz nicht zulässt, ist Solarenergie die einzige verfügbare Stromquelle für die Rohingya-Flüchtlinge. Nach Angaben unseres Projektpartners werden die Camps bewusst nur als temporäre Siedlungen angesehen. Aus diesem Grund sind dauerhafte Unterkünfte und reguläre Versorgungsstrukturen nur eingeschränkt vorgesehen, um nicht den Eindruck einer dauerhaften Ansiedlung der Rohingya in Bangladesch zu vermitteln. muslimehelfen beteiligte sich an der Installation neuer Solaranlagen für 150 vom Brand betroffene Familien. Jedes Solarsystem umfasst ein Solarpanel, eine wiederaufladbare Batterie, drei energiesparende LED-Lampen sowie zwei 12-Zoll-Tischventilatoren, was den grundlegenden Energiebedarf eines Haushalts decken soll. Es konnten bisher 51 der geplanten 150 Solaranlagen erfolgreich in den neu fertiggestellten Unterkünften installiert werden. Dadurch haben nun 51 Haushalte Zugang zu sicherem, zuverlässigem Solarstrom. Die Installation der Solaranlagen für Privathaushalte begann am 1. Mai 2026. Obwohl der Projektstart ursprünglich für den 1. März 2026 vorgesehen war, konnte die Umsetzung nicht wie geplant beginnen, da der Wiederaufbau der Unterkünfte der Begünstigten noch nicht abgeschlossen war. Die Solaranlagen werden erst installiert, nachdem die Unterkünfte vollständig fertiggestellt sind. Derzeit befinden sich noch 99 Unterkünfte im Bau, deren Errichtung von drei humanitären Organisationen durchgeführt wird. Während meines Besuchs konnte ich mir die fertig gebauten Unterkünfte ansehen, die aus schwer entflammbaren Materialien errichtet wurden, um das Brandrisiko zu reduzieren. Die Begünstigten zeigten mir voller Freude ihre Solarsysteme und erzählten, dass die Stromversorgung ihren täglichen Bedarf zuverlässig deckt und sie sehr zufrieden sind.
Bereits im vergangenen Jahr war ich nach acht Jahren erstmals wieder in Pakistan gewesen. Dabei ist mir besonders aufgefallen, wie stark sich die Nutzung von Solarenergie im Land entwickelt hat. Solarpanels gehören inzwischen vielerorts zum alltäglichen Bild: Sie sind an Häusern, Geschäften und entlang der Straßen zu sehen und werden von zahlreichen Haushalten genutzt. Der Grund für die starke Nutzung sind steigende Stromkosten, wiederkehrende Stromausfälle und die günstigen klimatischen Bedingungen für die Nutzung von Solarenergie. Mit der zunehmenden Verbreitung von Solaranlagen wächst zugleich der Bedarf an qualifizierten Fachkräften, die diese installieren, warten und reparieren können. Genau hier setzte ein von muslimehelfen finanzierter Berufsausbildungskurs für 60 bedürftige Frauen in Multan an, mit dem Ziel ihnen neue Perspektiven für ein nachhaltiges Einkommen zu eröffnen. Die Kursteilnehmerinnen waren Frauen aus armen Familienverhältnissen, Witwen, arbeitslose junge Frauen sowie Studentinnen, die unterhalb der Armutsgrenze leben und nur eingeschränkten Zugang zu Beschäftigungsmöglichkeiten haben. Die neunwöchige Ausbildung wurde in der Stadt Multan durchgeführt und verband fundierte theoretische Inhalte mit praxisorientierten Schulungseinheiten. Zudem wurden Lernmaterialien sowie die für die Übungen erforderlichen Werkzeuge und Sicherheitsmaterialien zur Verfügung gestellt.
Nach erfolgreichem Abschluss erhielten alle Absolventinnen einen eigenen Solar-Reparatur- und Wartungskoffer, der unter anderem ein Digitalmultimeter, einen Gleichspannungsprüfer, Werkzeuge für Verkabelung und Anschlüsse sowie entsprechende Schutzausrüstung enthielt. Dadurch können sie eigenständig als Solartechnikerinnen tätig werden. Unser Projektpartner hat mir mitgeteilt, dass es einem großen Teil der Absolventinnen inzwischen gelungen ist, erfolgreich in das Berufsleben einzusteigen und eigene Einkommensmöglichkeiten zu erschließen. Einige Frauen fanden eine Anstellung bei Solarunternehmen, andere schlossen sich zu eigenen Reparatur- und Wartungsteams zusammen oder arbeiten selbstständig beziehungsweise gemeinsam mit lokalen Elektrikern. Auch erste eigenständige Installationsaufträge konnten bereits durchgeführt werden. Eine der Absolventinnen, die 21-jährige Sadia aus Multan, erzählt: „Ich habe an einem Kurs zur Reparatur und Wartung von Solaranlagen teilgenommen, der von der Partnerorganisation von muslimehelfen durchgeführt wurde. Zuvor hatte ich keinerlei Kenntnisse über Solartechnik. Nach diesem Kurs bin ich nun in der Lage, die Funktionsweise von Solarmodulen und Batterien zu verstehen und diese selbstständig zu reparieren. Die Ausbildung hat mein Selbstvertrauen deutlich gestärkt. Inzwischen habe ich mein eigenes kleines Geschäft für die Reparatur und Wartung von Solaranlagen aufgebaut und verdiene damit etwa 15.000 pakistanische Rupien im Monat. Ich möchte mich herzlich bei muslimehelfen und seinen Spenderinnen und Spendern bedanken. Möge Allah sie alle segnen.“
Das Projekt stärkt nicht nur die wirtschaftliche Eigenständigkeit der Teilnehmerinnen und ihrer Familien, sondern fördert zugleich nachhaltig den Einsatz erneuerbarer Energien in ländlichen Regionen Pakistans. Die Abschlusszeremonie fand am 7. März 2026 in Multan statt, bei der allen Absolventinnen ein Zertifikat sowie ihre Solar-Reparatur- und Wartungskoffer überreicht wurden. Das Projekt wurde im Zeitraum vom 5. Januar bis zum 7. März 2026 umgesetzt.
Dies sind nur einige Beispiele dafür, wie muslimehelfen nachhaltige Lösungen mit langfristiger Wirkung fördert. Weitere nachhaltige Projekte sind geplant, um auch künftig Familien langfristig zu unterstützen.