Waisen gehören in unseren Projekten zu den am häufigsten unterstützten Zielgruppen. In fast jedem Projekt machen Waisenfamilien einen Teil der Begünstigten aus. Kinder, die ein oder beide Elternteile verloren haben, sind besonders anfällig für Mangelernährung, gesundheitliche Probleme, fehlenden Zugang zu Bildung sowie psychische Belastungen. Aufgrund ihrer vulnerablen Situation werden sie von unseren Partnerorganisationen bei Hilfsprojekten besonders berücksichtigt.
Um Waisenkindern gezielt auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Hilfeleistungen anzubieten, werden zudem Projekte umgesetzt, die ausschließlich Waisenkinder unterstützen. Im Jahr 2025 wurden rund 20 % aller Projektausgaben für Waisenprojekte eingesetzt. Im folgenden Artikel stellen wir die verschiedenen fortlaufenden Waisenprojekte von muslimehelfen vor.
Burundi gehört zu den Ländern, in denen muslimehelfen die meisten Waisenkinder unterstützt. Aufgrund langjähriger Konflikte und des Bürgerkriegs in den Jahren 1993 bis 2005 verloren viele Kinder einen oder beide Elternteile. Auch extreme Armut, die hohe Zahl HIV- und AIDS-betroffener Menschen sowie ein schwaches Gesundheitssystem tragen dazu bei, dass es in Burundi viele Waisenkinder gibt.
Seit 2003 fördert muslimehelfen ein Waisenprogramm in Bujumbura, das von unseren lokalen Partnern organisiert und betreut wird. Im Rahmen des Projekts werden Waisenkinder und gegebenenfalls ihre Wali-Familien materiell und psychosozial unterstützt. Dazu gehören regelmäßige Hausbesuche bei den Familien sowie die Versorgung mit Lebensmitteln. Alle zwei Monate erhalten 400 Waisenkinder und ihre Familien jeweils 12 kg Reis, 12 kg Bohnen und 4 kg Zucker. Darüber hinaus übernimmt muslimehelfen die Schulgebühren der schulpflichtigen Waisenkinder, um ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen.
Viele Waisenkinder haben beide Elternteile verloren und leben ohne familiäre Unterstützung, da auch ihre Verwandten nicht in der Lage sind, sich um sie zu kümmern. In solchen Fällen spielen Waisenhäuser eine wichtige Rolle. Zur Waisenhilfe von muslimehelfen in Burundi gehört deshalb auch die Versorgung des Waisenhauses
in Kiyange mit Lebensmitteln. Alle vier Monate erhält das Waisenhaus insgesamt 1.800 kg Reis, 1.200 kg Maniokmehl, 840 kg Bohnen, 120 Liter Speiseöl und 250 kg Zucker. Diese Lebensmittel dienen der Versorgung der dort lebenden 65 Waisenkinder. Auch die Gehälter des Personals, das sich um die Kinder kümmert und den Betrieb des Waisenhauses sicherstellt, werden von muslimehelfen finanziert.
Die Muslime Helfen Schule in Bujumbura wurde 2010 gegründet, um den Waisenkindern ein Lernumfeld zu bieten, das optimal auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist. Heute werden dort 158 Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 6 sowie 65 Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 bis 9 unterrichtet. Anfangs wurden ausschließlich Waisenkinder aufgenommen. Mittlerweile besuchen auch Kinder aus besonders bedürftigen Familien die Schule, da viele von ihnen sonst keinen Zugang zu Bildung hätten. Waisenkinder stellen jedoch nach wie vor den Großteil der Schüler dar.
Alle laufenden Kosten der Schule, werden nach wie vor vollständig von muslimehelfen getragen. Dazu gehören Schulmaterialien, Schuluniformen, die Gehälter der Lehrkräfte und des weiteren Personals sowie die Betriebskosten der Schule. Darüber hinaus werden Lebensmittel zur Verfügung gestellt, aus denen täglich warme Mahlzeiten für die Schülerinnen und Schüler zubereitet werden. Da für viele Waisenkinder die Mahlzeit in der Schule die einzige vollwertige Mahlzeit des Tages ist, wurde beschlossen das Verpflegungsangebot auszuweiten. Seit dem Schuljahr 2022/23 erhalten sie statt einer nun zwei warme, nahrhafte Mahlzeiten an jedem Schultag. Alle Schüler und Schülerinnen werden zudem psychologisch betreut. Ziel der Schule ist es, den Waisenkindern eine bestmögliche schulische Bildung zu ermöglichen und sie in ihrer intellektuellen, sozialen, moralischen und psychologischen Entwicklung zu stärken.
Erkranken die von muslimehelfen unterstützten Waisenkinder, werden zudem die Kosten für Medikamente übernommen sowie bei Bedarf die medizinische Behandlung in Krankenhäusern und Gesundheitszentren. Von dieser gesundheitlichen Unterstützung profitieren insgesamt rund 900 Waisenkinder. Dazu gehören alle Schülerinnen und Schüler der Muslime Helfen Schule, die Kinder des Waisenhauses in Kiyange, die 400 Waisenkinder, die regelmäßig mit Lebensmitteln versorgt werden, sowie weitere Waisenkinder in Bujumbura, die medizinische Hilfe benötigen.
Masudi ist ein ehemaliger Schüler unserer Muslime Helfen Schule in Burundi. Sein Lebensweg begann in einem Waisenhaus in Burundi. Um ihm eine bessere Zukunft zu ermöglichen, nahm unsere Partnerorganisation ihn in ihr Waisenprogramm auf. Er wurde in die Muslime Helfen Schule eingeschrieben und besuchte dort von 2014 bis 2023 die Klassen 1 bis 9. Daraufhin gelang es Masudi mit Unterstützung der internationalen Organisation für Migration (IOM) seinen Bildungsweg in den USA fortzusetzen.
Masudi schrieb uns folgende Nachricht:
(…) Heute, an dem Tag, an dem ich meinen Abschluss feiere, bin ich voller Dankbarkeit und Wertschätzung für all die Menschen, die mir geholfen haben, diesen wichtigen Meilenstein zu erreichen. Da ich aus einem Waisenhaus stamme, war mein Weg nicht immer einfach. (…)
Meine schulische Laufbahn begann an der Muslime Helfen Fundamental School, wo ich von 2014 bis 2023 die erste bis zur neunten Klasse besuchte. In diesen neun Jahren wurde die Schule für mich zu mehr als nur einem Ort des Lernens – sie wurde zu einem Zuhause, in dem ich mich akademisch, moralisch und persönlich weiterentwickeln konnte. (…) Die Lehren und Werte, die ich an der Muslime Helfen Fundamental School in Burundi gelernt habe, werden mich auch weiterhin begleiten, während ich meine Bildung fortsetze und meine Träume in den Vereinigten Staaten verfolge. (…) Dieser Erfolg gehört nicht nur mir allein – er gehört allen, die ihre Zeit, ihre Fürsorge und ihre Ressourcen in meine Zukunft investiert haben.
Ich möchte meinen Lehrern für ihre Geduld und Weisheit danken, dem Schulpersonal für ihre Fürsorge und Unterstützung sowie den Spendern und Sponsoren, deren Großzügigkeit mir Türen geöffnet hat, die mir einst unerreichbar schienen. Ich werde nie vergessen, welchen Einfluss ihr auf mein Leben gehabt habt.
Zu Beginn dieses neuen Lebensabschnitts verspreche ich, hart zu arbeiten, die sich mir bietenden Chancen bestmöglich zu nutzen und meine Bildung einzusetzen, um das Leben anderer positiv zu beeinflussen. Ich hoffe, andere Kinder mit ähnlichem Hintergrund dazu inspirieren zu können, daran zu glauben, dass ihre Träume wahr werden können.
Vielen Dank, dass ihr Teil meiner Reise seid. Eure Unterstützung hat dazu beigetragen, mein Leben zu verändern, und dafür werde ich euch immer dankbar sein.
Mit aufrichtiger Dankbarkeit
Masudi
Absolvent der Evanston Township High School, Abschlussjahrgang 2026
Obwohl Masudi in seinem Leben viele Herausforderungen bewältigen musste, hat er es weit geschafft. Wir sind stolz auf ihn und dankbar, dass wir ihn mit Deiner Unterstützung auf seinem Weg begleiten durften. Wir wünschen ihm weiterhin alles Gute und viel Erfolg für seine Zukunft.
In Kinniya, einer Stadt an der Ostküste von Sri Lanka, hat muslimehelfen den Bau von zwei Waisenhäusern finanziert. Im Jahr 2006 wurde das Waisenhaus für Mädchen fertiggestellt, zwei Jahre später folgte das Waisenhaus für Jungen. Ein Waisenhaus ist kein einmaliges Projekt, sondern eine langfristige Verpflichtung. Seit der Errichtung der Waisenhäuser übernimmt muslimehelfen die laufenden Betriebskosten sowie notwendige Reparaturen und Renovierungen der Gebäude. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Waisenkinder in einem sicheren und funktionierenden Zuhause leben können.
Die Anzahl der betreuten Waisenkinder schwankt, da die Kinder direkt durch die Gerichte an die Waisenhäuser zugewiesen werden. In einigen Fällen leben die Kinder nur vorübergehend in den Einrichtungen, bis bestimmte Verfahren abgeschlossen und das Sorgerecht gerichtlich geklärt wurde. Derzeit leben insgesamt 35 Waisenkinder in den beiden Waisenhäusern.
Damit sich die Waisenhäuser – unabhängig davon, wie lange die Kinder dort bleiben – wie ein Zuhause anfühlen, wird für ihre umfassende Betreuung gesorgt. Eine Reinigungskraft kümmert sich um die Sauberkeit der Gebäude, ein Wachmann gewährleistet die Sicherheit der Kinder, eine Köchin bereitet täglich frische Mahlzeiten zu und Lehrer sorgen für den notwendigen Unterricht. Auch die medizinische Versorgung der Kinder wird sichergestellt. Darüber hinaus übernimmt muslimehelfen weitere Ausgaben, darunter Friseurbesuche, Kleidung sowie die Transportkosten für Besuche bei ihren Verwandten. Für diese Fahrten erhalten die Kinder zusätzlich ein kleines Taschengeld.
Eine Besonderheit der beiden Waisenhäuser in Kinniya sind die Solaranlagen auf den Gebäuden. Die von muslimehelfen finanzierten und Anfang 2024 installierten Anlagen ermöglichen es, die zuvor hohen Stromkosten vollständig einzusparen. Der überschüssige Strom wird in das nationale Stromnetz eingespeist und generiert dadurch zusätzliche Mittel, die für die Betreuung und Förderung der Kinder eingesetzt werden können.
Um Waisenkindern möglichst fördernde Lebensbedingungen zu ermöglichen, liegt es uns am Herzen, dass die Kinder möglichst nicht von ihren Familien getrennt werden. Sie sollen – wenn möglich – bei ihrem verbliebenen Elternteil oder ihren Verwandten aufwachsen und die Fürsorge und Aufmerksamkeit erhalten, die jedes Kind benötigt und verdient. Damit dies möglich ist, muss die gesamte Familie unterstützt werden, damit sie nicht aus finanzieller Not heraus gezwungen ist, ihre Waisenkinder abzugeben.
Eine Form dieser Unterstützung ist die Lebensmittelhilfe. Durch die regelmäßige Verteilung von Lebensmitteln wird die gesamte Familie finanziell entlastet. In den Städten Mt. Darwin, Bindura und Harare erhalten 258 bedürftige Waisenkinder und ihre Familien für jeden Monat 10 kg Maismehl, 5 kg Bohnen, 4 Liter Speiseöl, 4 kg Zucker, 2 kg Salz und 1 kg Sojastücke. Gelegentlich werden den Lebensmittelpaketen zusätzlich 1 kg Mahewu-Pulver zur Herstellung eines traditionellen fermentierten Mais-getränks hinzugefügt.
Die meisten Familien leben überwiegend von den Erträgen ihrer kleinen Felder. Aufgrund anhaltender Dürren und der schwierigen wirtschaftlichen Lage fällt es ihnen jedoch zunehmend schwer, sich selbst ausreichend zu versorgen. Häufig werden dann Ausgaben für Bildung eingespart, sodass Schulgebühren und Schuluniformen nicht mehr bezahlt werden können und Kinder die Schule verlassen müssen. Einige Kinder sind dadurch gezwungen, zum Familieneinkommen beizutragen. Um die Waisenkinder vor Kinderarbeit zu schützen und sicherzustellen, dass sie aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nicht von ihrem Recht auf Bildung ausgeschlossen werden, übernimmt muslimehelfen neben der Lebensmittelhilfe auch ihre Schulgebühren.
Die Bedürfnisse der Waisenkinder werden regelmäßig überprüft. Bei einer Erhebung im vergangenen Jahr wurde festgestellt, dass vielen Kindern angemessene Schulkleidung fehlte. Da das Tragen einer Schuluniform an den meisten Schulen in Simbabwe verpflichtend ist, stattete muslimehelfen im Mai 2025 alle 251 zur Schule gehenden Waisenkinder mit neuen Schuluniformen sowie Schuhen und Socken aus. Die neue Kleidung stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder und ermöglicht ihnen, sich wieder wohler im Schulalltag zu fühlen.
Eine weitere Möglichkeit, Waisenfamilien ganzheitlich zu stärken, ist die regelmäßige finanzielle Unterstützung. Die Familien können diese Mittel dann nach eigenem Bedarf für die Ernährung, Gesundheitsversorgung, Kleidung, Schulbildung und weitere notwendige Ausgaben der Waisenkinder einsetzen.
Seit 2022 erhalten in Togo bedürftige Waisenkinder aus der Stadt Sokodé und ihrer Umgebung alle drei Monate jeweils umgerechnet 100 €. Insgesamt entspricht dies einer jährlichen Unterstützung von umgerechnet 400 € für jedes Waisenkind durch muslimehelfen. In den ersten beiden Jahren wurden 20 Waisenkinder unterstützt. Aufgrund der hohen Nachfrage wurden seit 2024 weitere 10 Waisenkinder in das Programm aufgenommen.
In Indien erhalten 50 Waisenfamilien aus den Städten Hubli und Gadag monatlich 2.500 indische Rupien, etwa umgerechnet 30 €. Das Waisenprogramm in Indien besteht seit 2015 und umfasst neben der finanziellen Unterstützung auch jährliche Gesundheits-Check-ups der Kinder sowie lehrreiche und unterhaltsame Aktivitäten und Ausflüge, die von unserer Partnerorganisation organisiert werden.
In Kambodscha startete das Waisenprogramm von muslimehelfen im Jahr 2020 mit 126 Waisenkindern, die monatlich mit umgerechnet 32 € unterstützt wurden. Mittlerweile erhalten insgesamt 200 Waisenkinder eine monatliche Unterstützung von jeweils umgerechnet 35 €. Die Waisenkinder leben alle in ländlichen Regionen, in aktuell 57 unterschiedlichen Dörfern.
Unsere Waisenkinder haben über die verschiedenen Länder hinweg die Gemeinsamkeit, dass sie am häufigsten ihren Vater und damit meist den Hauptverdiener der Familie verloren haben. Für verwitwete Mütter und ihre Familien bedeutet die regelmäßige finanzielle Unterstützung daher eine große Entlastung. Akmal aus Indien beschreibt diese Entlastung durch die langjährige Unterstützung von muslimehelfen wie folgt:
Mein Name ist Akmal, ich bin 14 Jahre alt und besuche die 8. Klasse. Ich bin muslimehelfen sehr dankbar für die Unterstützung in den letzten 5 Jahren.
Ich lebe mit meiner Mutter und zwei Geschwistern in einem gemieteten Haus in Dharwad, Karnataka. Mein Vater ist 2017 leider bei einem Unfall gestorben. Seitdem arbeitet meine Mutter in einem Kleidungsgeschäft, doch ihr Einkommen reicht kaum für unsere Bildung und unseren Haushaltsbedarf.
muslimehelfen hat mich in diesen schwierigen Zeiten unterstützt. Ohne ihre Unterstützung wäre es schwierig gewesen, meine Bildung fortzusetzen. Ich träume davon, eines Tages Polizist zu werden, um der Gesellschaft zu dienen und Menschen zu schützen. Außerdem spiele ich gerne Fußball, was mich aktiv und motiviert hält.
Vielen Dank muslimehelfen und allen Spendern. In meinen Gebeten bitte ich Allah, Sie für Ihre Unterstützung zu segnen.
Die Geschichten von Masudi und Akmal zeigen, welchen Unterschied langfristige Unterstützung im Leben von Waisenkindern machen kann. Waisenhilfe bedeutet nicht nur, kurzfristige Bedürfnisse zu decken, sondern Kindern und ihren Familien Stabilität, Bildungschancen und eine Perspektive für die Zukunft zu ermöglichen.