Nothilfeprojekte in der Ukraine

Miriam Laiouar
Nothilfeprojekte in der Ukraine
Ukraine: Begünstigte machen Dua für den Erhalt von Medikamenten.

Am 24. Februar 2022 sind russische Truppen in die Ukraine einmarschiert. Seither herrscht vor Ort Krieg, der schwerwiegende Folgen mit sich bringt. Besonders im Osten und Süden der Ukraine sind Infrastrukturen stark beschädigt, die Strom- und Wasserversorgung ist beeinträchtigt und viele Menschen sind auf der Flucht oder harren in Notunterkünften aus. Wir als muslimehelfen haben es uns zur Aufgabe gemacht, dort zu unterstützen, wo Menschen in Not sind oder Hilfe benötigen. Es zählt also allein die Bedürftigkeit der Menschen, unabhängig von der Herkunft oder der Religion. Als europäisches und christlich geprägtes Land ist die Ukraine dennoch auch Heimat vieler Muslime. Laut einer statistischen Prognose aus dem Jahr 2011 leben derzeit circa 730.000 Muslime in der Ukraine. Diese sind ebenso stark vom Krieg betroffen wie der Rest der Bevölkerung.

Nach Ausbruch des Krieges konnte muslimehelfen insgesamt vier Nothilfeprojekte in der Ukraine umsetzen. Unsere Projektpartner vor Ort berichteten, dass es der Zivilbevölkerung besonders an Lebensmitteln und Medizin fehle, daher starteten wir zunächst mit einer Lebensmittelhilfe im Februar 2022. In den Regionen Novoalekseevka, Zaporizhia sowie der Hauptstadt Kiew und ihre umliegenden Gebiete konnten 300 bedürftige Familien mit jeweils 10 kg Mehl, 5 kg Reis, 5 kg Buchweizen, 5 kg Nudeln, 3 Liter Speiseöl, 2 kg Zucker und 400 g Tee versorgt werden. Bei der zweiten finanzierten Lebensmittelhilfe im August und September letzten Jahres konnten neben Kiew auch die Städte Saporischschja, Dnipro und Odessa sowie weitere 400 Familien berücksichtigt werden. Vielen der Begünstigten fehlt es an finanziellen Mitteln, um sich selbst zu versorgen. Grund dafür ist, dass viele infolge des Krieges ihre Arbeit und damit ihre Einnahmequelle verloren haben. Andere haben nur das Nötigste bei ihrer Flucht mitgenommen und suchen nun Schutz in weniger betroffenen Orten der Ukraine. Berücksichtigt wurden ebenfalls ältere Menschen, die meist außerhalb der Großstädte allein und abgeschieden von der Gemeinde auf dem Land leben. Ihnen fällt es besonders schwer, sich selbst zu versorgen. 

Damit die Hilfsgüter, wie Lebensmittel, überhaupt an die Bedürftigen gelangen können, benötigen die Hilfsorganisationen vor Ort Transportmittel. Unsere Partnerorganisation bat uns daher im März letzten Jahres darum, einen Kleinbus zu finanzieren, der den Transport der Hilfsgüter für die Helfer erleichtern wird. Mit Hilfe des Kleinbusses konnten Hilfsgüter in die Hauptstadt Kiew und in umliegende Städte und Dörfer bis zur Haustür der Bedürftigen transportiert werden. Der Kleinbus dient als eine Art Sadaqa Dscharija, da die Partnerorganisation in der Ukraine den Transportwagen nun kontinuierlich nutzen und damit in Zukunft noch vielen Menschen helfen kann. Bis zum Stand am 27.09.2022 konnten bereits 850 Bedürftige von den Verteilungen durch den Kleinbus profitieren. Zu den Bedürftigen gehörten unter anderem auch kranke Patienten und ältere Menschen, die ihre Häuser aufgrund ihrer Kondition nicht verlassen konnten.

Neben Lebensmitteln sind besonders Medikamente für die Zivilbevölkerung in der Ukraine notwendig. Die schwierigen hygienischen Bedingungen auf der Flucht und in Notunterkünften erhöhen die Gefahr von Infektionen und anderen Krankheiten. Bedürftige mit chronischen Erkrankungen und ältere Menschen haben häufig ebenfalls einen hohen Bedarf an Medikamenten. Die Idee war es, die bedürftigen Familien mit einer Art Hausapotheke zu versorgen. Insgesamt 150 Familien in Kiew und Umgebung erhielten jeweils eine große Medikamententüte, die mit gängigen Medikamenten gefüllt war. Jede Tüte enthielt folgende Medikamente und Hilfsmittel: Schmerzmittel und Fiebersenkungsmittel, Mittel gegen Erkältungskrankheiten, Mittel gegen Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Elektrolyte zum Ausgleich bei Durchfallerkrankungen, eine Wund- und Heilcreme, ein Schmerzgel, ein Antiallergikum, entzündungshemmende und krampflösende Mittel, Tabletten gegen Herzbeschwerden, Tropfen gegen Ohrenschmerzen, ein Beruhigungsmittel, eine Infusionslösung, ein Antiseptikum, eine 5 Meter lange Bandage, sterile Watte, ein Erste-Hilfe-Set, Fixierpflaster und ein Thermometer. 

Munira, weiblich, 74 Jahre alt, aus einem Vorort von Kiew, sagte Folgendes beim Erhalt der Medikamente: „Vielen Dank für eure Hilfe in dieser schwierigen Zeit, vor allem jetzt, da sich meine Familie in einer schwierigen finanziellen Situation befindet. Ich brauche solche Hilfe wie Medikamente, denn sie zu kaufen ist ein sehr großes Problem. Danke, dass es eine solche Gemeinschaft gibt […].“

Der Dank gebührt jedoch an erster Stelle unseren Spendern, die die Not zahlreicher Kriegsbetroffener linderten und Erleichterung verschafften. Möge Allah euch reichlich belohnen.

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